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Presseinformation vom 17. April 2013


Das Jüdische Museum Berlin wurde am 16. April mit dem Roland Berger Ehrenpreis für Menschenwürde ausgezeichnet. Museumsdirektor W. Michael Blumenthal bedankte sich in seiner Rede für die ideelle Anerkennung und materielle Unterstützung, die für die künftige Arbeit der Akademie des Jüdischen Museums Berlin von unschätzbarem Wert sei.
   
Auszug aus der Dankesrede von W. Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin anlässlich der Vergabe des Roland Berger Preises für Menschenwürde 2012/13 am 16. April 2013 im Jüdischen Museum Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort

»Im Namen des Jüdischen Museums Berlin ist es mir eine große Ehre den diesjährigen Roland Berger Preis für Menschenwürde entgegenzunehmen. Mit diesem Preis sind in den vergangenen Jahren wichtige internationale Organisationen und herausragende Persönlichkeiten ausgezeichnet worden, die weltweit für den Erhalt der Menschenrechte eintreten. Auch dieses Jahr sind es die eindrucksvollen Mitpreisträgerinnen, die Frauenrechtsorganisation JAGORI aus Indien, die Frauenrechtlerin Sheema Kermani aus Pakistan und das Afghan Woman Network. Wir gratulieren Ihnen und sind hochgeehrt, mit Ihnen in einer Reihe stehen zu dürfen. Für uns ist der Dank und die Freude umso größer, da wir für ein Vorhaben ausgezeichnet werden, das nicht allein für die Gegenwart und Zukunft unseres Hauses, sondern für die Entwicklung der deutschen Gesellschaft von besonderer Bedeutung ist.

Mit der Gründung der Akademie des Jüdischen Museums ist ein lang gehegter Wunsch von uns in Erfüllung gegangen, nämlich, einen Ort zu schaffen, an dem zentrale Fragen und Perspektiven einer Gesellschaft auf dem Weg zu einer offenen, pluralen Einwanderungsgesellschaft verhandelt werden können. Es ist kein Zufall, dass sich gerade das Jüdische Museum ein solches Projekt zum Anliegen macht. Schließlich steht das Selbstverständnis des Museums dafür, die reichhaltige und wechselvolle Geschichte und Gegenwart jüdischer Präsenz auf deutschen Boden in all seinen Facetten zu zeigen und damit für eine Herangehensweise zu plädieren, die sich weder auf die Ausstellung von Judaica beschränken will, noch den Holocaust ins alleinige Zentrum der Aufmerksamkeit stellt. Stattdessen gilt bereits für das Museum, was jetzt in besonderer Weise zum Thema der Akademie geworden ist: am Beispiel der jüdischen Erfahrung jene Spannung zwischen Eigenständigkeit und Zugehörigkeit, zwischen dem Wunsch nach Heimat und dem selbstbewussten Entwurf einer diasporischen Existenz auszuloten und diese Erfahrung für ein Verständnis der Fragen und Herausforderungen unserer modernen Gegenwartsgesellschaften fruchtbar zu machen.

Vor diesem Hintergrund versteht sich die Akademie als ein Ort der Bildung, in dem zahlreiche pädagogische Angebote an Schulklassen und Projekte mit Berliner Schulen darauf abzielen, neue Spielregeln und Kriterien zu entwickeln, die der Unterschiedlichkeit heterogen zusammengesetzter Schülerschaften gerecht werden und die Chancen auf Partizipation des Einzelnen stärken sollen.
Zweitens trägt die Akademie im Rahmen ihres Fellowship-Programms zum Aufbau von Kooperationen mit anderen hochrangigen wissenschaftlichen Einrichtungen bei, sie leistet auch einen eigenen aktiven Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung relevanter Fragen im Bereich von Migration und Interkulturalität. Dazu zählt gegenwärtig ein Forschungsprojekt, in dessen Zentrum der Wandel der hiesigen jüdischen Gemeinschaft durch die Migrationsbewegungen seit 1990 steht. Am Beispiel der zweiten Generation der eingewanderten russischsprachigen Juden wird die gewachsene Heterogenität der jüdischen Gemeinschaft erforscht und geschildert, welche Potenziale, aber auch, welche Konflikte und Spannungen daraus für das bisherige Selbstverständnis der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland entstehen. Drittens versteht sich die Akademie als ein Ort der öffentlichen Diskussion und der Vernetzung, sowohl von Vertretern aus Politik und Wissenschaft als auch für all jene Akteure religiöser und ethnischer Minderheiten, die ein Forum und eine Möglichkeit des Austauschs suchen, um die Einwanderungsgesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Dazu gehören beispielsweise solche Initiativen, die über neue Formen der Teilhabe und der Partizipation in einer kulturell und ethnisch heterogenen Gesellschaft nachdenken.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0)30 25 993 419
k.schmidt-narischkin[at]jmberlin.de
 
Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin
www.jmberlin.de
www.facebook.com/jmberlin

Wie Minderheiten in einer Gesellschaft als schaffende, respektierte Mitbürger akzeptiert werden und leben können, ist voll und ganz eine Frage der Menschwürde im Sinne des Roland Berger Preises. Denn im Kern ist dies die zentrale Hoffnung aller Kriegsopfer, aller Verfolgten, aller Flüchtlinge und Heimatlosen und aller Migranten: die Sehnsucht und das Verlangen nach dem Recht, als Mensch respektiert und geschätzt zu werden.
Zu diesen Fragen wollen wir hier in der Akademie des Jüdischen Museums einen Beitrag leisten.

Die ideelle Anerkennung und materielle Unterstützung durch den Roland Berger Preis für Menschenwürde ist dabei von unschätzbarem Wert für unsere Arbeit. Er ermutigt uns, diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen.«

Roland Berger Preis für Menschenwürde 2012/13 - Verleihung im Jüdischen Museum Berlin:  http://www.rolandbergerstiftung.org/index.php?id=33

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