_
Jüdisches Museum Berlin vor Ort Kinder, Schüler, Lehrer Online-Schaukasten Der Museumsblog »Blogerim«

Neues Deutschland vom 27./28. März 2002

Überleben mit Musik. Die Geschichte des Jazzers Coco Schumann

Von Jack Rodriguez


»Ziemlich beeindruckt« zeigte sich der Jazz-Gitarrist Coco Schuman, dass seine Biografie nun im Rafael Roth Learning Center des Jüdischen Museums archiviert ist. Doch nicht nur das: Besucher können sich per Mouse-Klick an einem von 20 Bildschirmen seine Lebensgeschichte mit dem Titel »Überleben mit Musik« nacherzählen lassen, wobei historische Aufnahmen, Filmausschnitte und Audiomaterial die Geschichte lebendig werden lassen.

»Ich bin leider nicht im Stande einen Computer zu bedienen«, gab der 77-jährige zu. Das muss er auch nicht, denn die Navigation über das Bedienermenü ist einfach. Von der Startseite geht es zu Themengebieten, wie dem Holocaust, das Verhältnis von Juden- und Christentum, religiöse Gebräuche und ihre Auswirkungen auf den Alltag sowie die jüdische Küche.

Mit Coco Schumann, der eigentlich Heinz hieß, bis er sich 1940 umbenannte, kam nun ein wichtiger Zeitzeuge dazu, dessen Heimat Berlin ist. Trotz Verfolgung und Deportation lebte er ohne Hass in seiner Geburtsstadt. »Es gibt keine Kollektivschuld. Viele Menschen haben meinen Eltern geholfen.«, sagte er. Während seine Familie im Untergrund überlebte, wurde er wegen Beziehungen zu »arischen« Mädchen und wegen Spielens von damals als »entartet« eingestufter Jazzmusik 1943 nach Theresienstadt deportiert.

Dort stieg er bei den »Ghetto Swingers« als Schlagzeuger ein. Coco Schumann über sich: »Ich bin kein KZler, der Musik macht, sondern ein Musiker, der mal im KZ war.«

1944 folgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Dass das Lager eine Todesfabrik war, ahnte er bei seiner Ankunft noch nicht. Viele hörten seine Gitarre auf ihrem Gang in die Gaskammern. Auch die aus dem kriminellen Milieu stammenden Lagerältesten oder die Wachmannschaften holten sich Schumann zur Unterhaltung. »Ich habe mein Handwerk in den Bars gelernt.

Daher konnte ich alles vom Walzer bis zum Swing«, erzählte er. Seine Dienste wurden ihm mit besserer Verpflegung honoriert.

»Die Musik half mir zu überleben«, so sein Resümee.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0)30 259 93 419
Fax: +49 (0)30 259 93 400
k.schmidt-narischkin[at]jmberlin.de

Helfen Sie uns, ...

... unsere Website zu verbessern, indem Sie an unserer Online-Umfrage teilnehmen!
(Zeitaufwand: 1 Minute)

In Kontakt bleiben über