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Berliner Morgenpost vom 30. Mai 2002

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Weniger Exponate, mehr Orientierung: 550 000 Besucher strömten durch die Ausstellung - und das Jüdische Museum feilt weiter am Konzept

Von Claudia Becker


Wie machen die das bloß? Da klagen weltweit die Museen über Finanzmiseren und Stellenabbau, dem, wie gerade bekannt wurde, beim British Museum zehn Prozent der Mitarbeiter zum Opfer fallen werden - und das Jüdische Museum verkündet lauter gute Nachrichten. Von Anfang an war es diese unvergleichliche Aufbruchsstimmung, die durch Haus in der Lindenstraße wehte. Jetzt, gut acht Monate nach der Eröffnung, pulsiert das Leben im Libeskind-Bau mehr denn je. «Das Museum ist ein Erfolg», verkündete gestern Museumsdirektor W. Michael Blumenthal selbstbewusst. Und der macht sich nicht nur an den 550 000 Besuchern fest, die sich die Ausstellung bisher angesehen haben, sondern auch an der «überraschend hohen Zufriedenheitsquote» der Umfragen. Beinahe 40 Prozent der Museumsgäste sei unter 30 Jahren, so Blumenthal, dessen Vertrag vom Stiftungsrat um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Und dann rückte er mit der jüngsten Erfolgsmeldung heraus: Am Dienstag hat er mit der Shoah Foundation eine Vereinbarung unterzeichnet, die dem Jüdischen Museum mehr als Tausend Interviews mit Überlebenden des Holocaust zusichert.

«Ein Museum darf nicht statisch sein», sagt Ken Gorbey, einer der größten Ausstellungsprofis weltweit. Der ehemalige Leiter für Ausstellungen und Forschung am Neuseeländischen Nationalmuseum Te Papa, der im April 2000 auf Blumenthals Einladung als Projektdirektor des Jüdischen Museums nach Berlin gekommen war, wird im Sommer in seine Heimat zurückkehren. Zuvor hat er dafür gesorgt, dass an einem wesentlichen Punkt nachgebessert wird. «Die Spannung zwischen Deutschen und Juden, aber auch die innerjüdische Spannung wird bisher zu wenig deutlich. Da arbeiten wir an einem neuen Konzept.» Bereits vor einiger Zeit wurden 300 Exponate ausgeräumt, damit andere besser zur Geltung kommen. Und mit Hilfe von Pfeilen auf dem Boden hat sich auch in Sachen Orientierung einiges getan.

Cilly Kugelmann, bisher Leiterin der Abteilungen für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Ausstellung, wird Gorbeys
Nachfolgerin. Neben Ausstellungsprojekten, die sich kultur- und wirtschaftshistorischen Themen wie dem Diamantenhandel oder der Welt der Chassidim widmen, will sie der Kunst mehr Raum geben.

Die Schenkung des amerikanischen Sammlerpaares Fishman, die dem Museum fünf Werke von Lea Grundig, Felix Nussbaum und Ludwig Meidner übergeben haben, gibt da einen guten Auftakt. Das gilt auch für die Arbeiten von Robert Longo, die von heute an zu sehen sind. Longo hat Fotografien der von Sigmund Freud 1938 unter dem Druck der Nazis verlassenen Wiener Wohnung zeichnerisch verarbeitet.

Keinen Niederschlag, so Blumenthal, werden die jüngsten Antisemitismusdebatten finden. Er hofft, dass es sich um kurzfristige Phänomene des Wahlkampfes handelt, die er «mit Entsetzen» registriert. «Wenn jemand sagt, der eine oder andere Jude sei selber Schuld, dass es Antisemitismus gebe, ist das fatal. Das haben die Judenfresser immer gesagt. Ich kenne das aus meiner Jugend in Deutschland und hoffte, das nie wieder zu hören.»

Jüdisches Museum, Lindenstr. 9 - 14, Di. - So., 10 - 20 Uhr. Mo., 10 - 22 Uhr

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0)30 259 93 419
Fax: +49 (0)30 259 93 400
k.schmidt-narischkin[at]jmberlin.de

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