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Berliner Zeitung vom 25. Februar 2004

5 + 10 = Gott Eine neue Ausstellung im Jüdischen Museum zeigt die religiöse Bedeutung von Zahlen - und mehr

Von Marlies Emmerich


In einem Rechenbuch von 1832 für eine Jüdische Schule in Berlin findet sich folgende Aufgabe: »Ich hatte einmal 42 Thaler bei mir. Hiervon gab ich ein Gewisses aus und behielt dennoch noch dreimal so viel übrig als ich ausgegeben hatte.« Wer darauf keine Antwort hat, dem wird in der neuen Sonderausstellung des Jüdischen Museums »10+5 = Gott. Die Macht der Zeichen« auch nicht weitergeholfen. Die Lösung gibt es nicht, dafür noch mehr Rätsel: Schon der Titel der Schau soll den Besucher grübeln lassen. Es geht in der Ausstellung um kulturelle, religiöse und wissenschaftliche Aspekte von Zahlen und Zeichen. Dazu kann das Museum einiges Überraschende und auch Einmaliges präsentieren.

Wer weiß schon, dass 1, 3, 10, 13, 72, 613 oder 666 eine religiöse Bedeutung haben? Die 3 steht im Christentum für die Dreifaltigkeit, und die 1 im Judentum wie im Christentum für den einen Gott. Die 13 gilt im Judentum als positive Zahl, im christlichen Volksglauben steht sie dagegen für Unglück. Und die Lösung für 10+5 = Gott? Im Hebräischen hat jeder Buchstabe auch einen Zahlwert. Der Buchstabe für Zehn ist Jod, der für Fünf He. 15 ergäbe als Jod He. Da dies die schriftliche Form des auf zwei Buchstaben abgekürzten Gottesnamens ist, darf es nur bei Gottesdiensten niedergeschrieben werden.

»Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was die 350 ausgestellten Objekte mit deutsch-jüdischer Geschichte zu tun haben«, sagte Museumsdirektor Michael Blumenthal bei der Eröffnung am Dienstag. Er spielte unter anderem auf die verbeulte Spitze einer V2-Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg an, die gezeigt wird. Die Waffe erinnert daran, dass für ihre Entwicklung mathematisch begabte Menschen erforderlich waren: Im Konzentrationslager Sachsenhausen wurden jüdische Häftlinge zu Rechenarbeiten und zu mathematischer Grundlagenforschung gezwungen.

Ab nach Ägypten

Doch es gibt längst nicht nur Ernstes zu sehen. Zur Unterhaltung gehört beispielsweise die hebräische Monopoly-Variante - 1940 in Palästina produziert und mit einer lokalen Besonderheit ausgestattet. Am teuersten sind - anders als beim Original - nicht die Straßen, sondern die Küstenstädte Haifa und Tel Aviv, am billigsten Orte in der Negev-Wüste. Wer sich auf das falsche Feld würfelt, landet nicht im Gefängnis, sondern muss wie in der hebräischen Bibel nach Ägypten ziehen. NS-Reichspropagandaminister Goebbels hat das erste deutschsprachige Monopoly übrigens als »jüdisch-spekulativ« verbieten lassen.

Nicht nur Kinder werden beim Spiel »Himmel und Hölle« Spaß haben. Beim Betreten eines von sieben Feldern mit hebräischen Buchstaben zeigen sich die entsprechenden arabischen Ziffern. Ähnlich funktioniert ein langer Tisch mit hunderten schwimmenden Zahlen. Wer eine berührt, bekommt die Bedeutung der Ziffer für die jüdische oder christliche Kultur erklärt.

Gar nicht Jiddisch ist das »Buch der 187 Narren«, das erste Berliner Telefonbuch von 1881. Im Volksmund galten Telefonbesitzer damals als nicht ganz richtig im Kopf. Und der beliebte Ausruf »Ach, du grüne Neune« geht auf ein Tanzlokal im 19. Jahrhundert zurück. Die üble Kaschemme, weit über Berlin hinaus wegen ihres schlechten Rufes bekannt, lag an der Blumenstraße 9/Ecke Grünstraße. Daraus wurde die »Grüne Neune«.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
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