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Berliner Morgenpost vom 28. Juli 2004

Eine Erfolgsgeschichte

Jüdisches Museum begrüßt zweimillionsten Besucher - Innenhof des Altbaus soll überdacht werden

Von Kai Ritzmann


Es war ein blanker Zufall - und dennoch passte es haargenau in das Bild, dass man sich von diesem Haus macht. Der zweimillionste Besucher, den man gestern vor dem Eingang des Jüdischen Museums begrüßte, war ein 16-Jähriger aus Buenos Aires. Der Schüler ist mit einer Schülergruppe des Pädagogischen Austauschdienstes in Deutschland zu Besuch. Jung und aus dem Ausland kommend: Auf dieses Publikum hat man sich seit der Eröffnung am 9. September 2001 besonders eingestellt.

In den Ausstellungsräumen begegnen einem auf Schritt und Tritt Schulklassen und Jugendgruppen, und das Sprachengewirr ist groß. 46 Prozent der Besucher des Jüdischen Museums sind entweder unter 18 Jahren alt oder noch Auszubildende oder Studenten, 28 Prozent kommen aus dem Ausland. Keine Frage: Ein großer Teil des Erfolgs beruht auf der Förderung der Jugendarbeit und auf dem Bekanntheitsgrad jenseits der deutschen Grenzen.

Fast drei Jahre Jüdisches Museum - und man kann sagen: eine Erfolgsgeschichte. Das Gebäude zählt zu den touristischen Highlights der Stadt und für viele Berlin-Besucher zum Pflichtprogramm. Ein Zufall ist dies nicht. Sehr konsequent geht man Kooperationen mit verschiedenen Kultureinrichtungen ein, zum Beispiel mit Bibliotheken und anderen Museen. »Wir bemühen uns um eine möglichst enge Vernetzung«, betont Geschäftsführer Ulrich Klopsch.

Natürlich zieht die Architektur des Bauwerks noch immer die Menschen an. Natürlich interessiert die Menschen das, was im Innern gezeigt wird - und dies erschöpft sich eben nicht nur im Holocaust, sondern zeigt 2000 Jahre deutsch-jüdischer Geschichte. Natürlich ist es die didaktische Aufarbeitung der Exponate, die das Museum zu einem Schauplatz für spannende Reisen zurück in die Vergangenheit macht. Und nicht zuletzt sind es die großzügig bemessenen Öffnungszeiten, die den enormen Strom der Besucher möglich machen. Das Haus hat keinen einzigen Schließtag in der Woche, von Dienstag bis Sonntag ist von 10 bis 20 Uhr geöffnet, am Montag sogar bis 22 Uhr. Das alles trägt zur Beliebtheit bei, aber aus der Summe all dieser erfreulichen Umstände allein lässt sich der Erfolg nicht erklären. Es ist am Ende wohl der Geist des Hauses, der es so populär macht.

Es ist die Attitüde, mit der man ihnen begegnet, die die Besucher anlockt. Man zeigt den Gästen, wie willkommen sie sind. Man trifft überall auf freundliche Gesichter, auf Hilfe und Wegweisungen. Zu verdanken ist dies maßgeblich dem Direktor. »Er tankt uns alle regelmäßig wieder auf«, lobt Klopsch seinen Chef. Michael Blumenthal ist das Herz und der Kopf des Unternehmens. Er hat aus den USA moderne Management- und Marketingstrategien mitgebracht, in denen vor allem das Sponsoring groß geschrieben wird. Diese Ausrichtung ist wohl die eigentliche Grundlage für den andauernden Erfolg des Jüdischen Museums.

Für die gar nicht so ferne Zukunft hat man gar nicht unbescheidene Pläne. Museumsarchitekt Daniel Libeskind hat bereits Pläne gezeichnet, nach denen der 600 Quadratmeter große Innenhof des Altbaus überdacht werden soll. Durch vier Säulen soll der Eindruck eines von Baumstämmen getragenen Dachs entstehen und an eine Laubhütte erinnern, in der die Juden ihr Laubhüttenfest feiern. Acht bis neun Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Auch andere Berliner Museen sind wahre Publikumsmagneten. Ob Pergamonmuseum, Haus am Checkpoint Charlie, Alte Nationalgalerie oder die Sammlung Berggruen: Alle erfreuen sich größter Beliebtheit.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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