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Tagesspiegel vom 3. Januar 2006

Berliner Glanzlicht

Michael Blumenthal hat das Jüdische Museum zu großen Erfolgen geführt. Heute feiert der Leiter des Hauses seinen 80. Geburtstag

Von Hermann Rudolph


Wer kann das schon von sich sagen: dass es eine der Sehenswürdigkeiten Berlins ohne ihn nicht gäbe? Aber im Falle Michael Blumenthals und des Jüdischen Museums ist dieser Ruhm die schlichte Wahrheit. Natürlich, das aufregende, Architektur-Epoche machende Gebäude Daniel Libeskinds war beschlossen und im Bau. Aber statt des Museums, das es beherbergen sollte, gab es nur endlose Auseinandersetzung. Erst Blumenthals Berufung 1997 zum Leiter des Museums brachte das Unternehmen aus der Sackgasse. Nun, da Blumenthal achtzig Jahre alt wird, gehört es zu den erfolgreichsten Häusern Berlins. Es ist zu einem Zentrum kultureller Ausstrahlung geworden, Ort des deutsch-jüdischen Austauschs wie der Vergegenwärtigung einer großen Geschichte.

Dieser Amerikaner aus Berlin ist eine der erstaunlichsten Erscheinungen des Nachwende-Berlins. Denn dass er auf seine gereiften Tage Museumsgründer werden würde, hatte ihm niemand vorausgesagt. Bis ein Vortrag im Zentrum für Antisemitismusforschung an der Freien Universität ihn in die Nähe des Berliner Museumsstreits brachte, war er das Exempel eines erfolgreichen amerikanischen Managers und Politikers. Allerdings: Für das jüdisch-deutsche Schicksal steht Blumenthal, seine Herkunft und sein Lebensweg, auch. Insofern hatte die Wende, die ihn nach Berlin führte, ihre Konsequenz.

Das gilt für sein eigenes Leben: Geboren in Oranienburg, wo die Blumenthals eine Bank betrieben, aufgewachsen in Berlin, entkam er 1939 mit seinen Eltern gerade noch dem Vernichtungswahn der Nazis, erst nach China, dann nach Amerika. Aber es gilt noch mehr für die Familie, der er entstammt. Zu ihr, die über viele Generationen hinweg in und um Berlin herum verwurzelt war, gehören bedeutende und charakteristische Gestalten – Geschäftsleute, Intellektuelle, Künstler. Blumenthal hat dieser Familien-Geschichte ein autobiografisch inspiriertes Buch gewidmet. Und es ist ein anrührender Zug an ihm, dass er für seine Berliner Wohnung den Ort wählte, an dem vor zweihundert Jahren Rahel Varnhagen ihren Salon hatte.

In den Aufbau des Jüdischen Museums ist diese Rückholung einer großen, tragisch geendeten Geschichte ebenso eingegangen – sie war gerade fertig geworden, als ihn der Ruf nach Berlin erreichte – wie seine Fähigkeit als Manager und Geschäftsmann. Da trat kein demütiger Bittsteller vor Senatoren und Abgeordnete, sondern der ehemalige Sonderbeauftragte für Handelsfragen unter Kennedy, der Finanzminister unter Carter, der Vorstand bedeutender Unternehmen. Er manövrierte das Museum in die Finanzierung des Bundes, trieb Etat und Personal in bis dahin undenkbare Dimensionen und mobilisierte die Sponsoren.

Allem hat Michael Blumenthal seinen grandseigneuralen Charme, seine angelsächsische Ironie, seinen weltmännischen Stil beigegeben. Frappierend alterslos, die Jahre locker ignorierend, ist er zwischen Amerika und Deutschland unterwegs. Man darf ihn wohl einen Glücksfall für Berlin nennen.

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