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Märkische Allgemeine/Prignitz Kurier vom 2. Februar 2008

Anschaulicher Unterricht
Besuch vom Jüdischen Museum Berlin in Pritzwalk

Von Bernd Atzenroth


Von dieser Schule war Johannes Schwarz begeistert. »Schade, dass sie geschlossen wird«, erklärte er gestern in der Gesamtschule Pritzwalk. Denn hier waren Schüler wie Lehrer dem Anliegen sehr aufgeschlossen, das er und seine beiden Kollegen Murat Akan und Jan Martin Ogiermann vertraten: Sie brachten quasi das Jüdische Museum Berlin (JMB) zu den Kindern. »on.tour - Das JMB macht Schule« heißt die bundesweite Aktion, mit der jungen Leuten nicht nur das Museum selbst, sondern auch jüdische Alltagskultur und deutsch-jüdische Geschichte nahegebracht werden soll.

Etwa 5000 Schulen hatten sich beworben. 80 wurden für die Aktion ausgewählt, fünf aus jedem Bundesland. In dieser Woche führte die Tour an brandenburgische Schulen, zu denen diesmal auch die Gesamtschule Pritzwalk gehörte - übrigens die einzige der fünf mit gymnasialer Oberstufe. Darüber freute sich Lehrer Burckhard Woznitza sehr, wenngleich leider ausgerechnet in dieser Woche die Jahrgangsstufen 10 und 13 ihre Abschlussfahrt unternahmen. Doch auch für die Neunt- und Zwölftklässler, die nach dem Lehrplan nicht ganz so im Stoff stehen, war es ein spannender Tag.

Die Gesamtschule Pritzwalk organisiert schon seit mehreren Jahren für ihre Jahrgangsstufe 13 Besuche in dem Museum - schließlich gehört für sie die Judenverfolgung als zentraler Bestandteil in den Unterrichtsplan. Die Bewerbung hatte Volker Hoffeins losgeschickt.

Die Veranstaltung, die von 8 bis 13 Uhr dauerte, war zweigeteilt. So hatten die drei Mitarbeiter des jüdischen Museums, die zu einem elfköpfigen Team gehören, eine mobile Ausstellung mitgebracht. Diese bestand aus vier großen Würfeln, die unterschiedliche Aspekte behandelten. So ging es um koscheres Essen, die Rituale am jiddischen Sabbat, eine jüdische Schule zur Nazizeit und um jüdische Persönlichkeiten, die ganz und gar nicht den immer noch obwaltenden Klischees vom Judentum entsprachen. Bei Jeans-Erfinder Levi Strauß oder Kondom-Hersteller Julius Fromm ging es dabei besonders um Chancen und Diskriminierung im Berufsleben. Zwischen koscheren Gummibärchen und nahtlosen Kondomen war der Vormittag eine Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur und mit der Judenverfolgung und -ermordung im Dritten Reich.

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Insbesondere beschäftigten sich die Zwölftklässler in ihrem Workshop mit dem Danach, das häufig Exil oder Auswanderung bedeutete - im Übrigen laut Woznitza auch Unterrichtsschwerpunkt an der Schule. Die Schüler hörten Familiengeschichten, erfuhren, wie die Menschen litten und wie es nach dieser traumatischen Erfahrung für sie weiterging.

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