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Der Tagesspiegel vom 30. Januar 2009

Jüdisches Museum
Hier staunt die Welt
Vor zehn Jahren öffnete der Libeskind-Bau zum ersten Mal. 92 Prozent der Besucher sind Touristen.

Von Matthias Oloew


Als die Warteschlange mehrere hundert Meter lang bis zur nächsten Kreuzung reichte, fühlte Helmuth Braun vor allem Genugtuung. »Wir merkten, dass die Sache in die richtige Richtung geht«, sagt er heute. Die Sache, das war die Etablierung und Eröffnung des Jüdischen Museums in Kreuzberg. Die Schlange, das war die Reihe der Neugierigen, die sich vor dem gerade fertiggestellten, aber noch leeren Libeskind-Bau aufstellte, zur Langen Nacht der Museen, am 30. Januar 1999. Heute vor zehn Jahren öffnete sich der spektakuläre Neubau für die staunende Öffentlichkeit zum ersten Mal.

Gebäude und Museum sind eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Schon der leere Bau zog mehr Menschen an, als fertige Museen landauf, landab verzeichnen. Binnen eineinhalb Jahren kamen 350 000 Besucher. Nach der Eröffnung des Museums im September 2001 brauchte es nicht einmal einen Monat, da waren die ersten 100 000 Besucher gezählt. Heute kommen pro Jahr 750 000 Gäste, Tendenz steigend. Mit dieser Resonanz hatte niemand gerechnet. »Wir kalkulierten vor Eröffnung mit 250 000 Besuchern«, sagt Braun, der die Entwicklung des Museums von Anfang an begleitete und nun Leiter der Wechselausstellungen ist.

Die Massen strömen, weil sie den Libeskind-Bau sehen wollen. »Das ist bei der großen Mehrheit unserer Besucher auch zehn Jahre danach der bestimmende Impuls, hierher zu kommen«, sagt Braun. Enttäuscht darüber ist der Ausstellungsmacher nicht: »Im Gegenteil: Aufgrund der Resonanz des Gebäudes sind wir in aller Munde – weltweit.« Rund 92 Prozent der Besucher im Jüdischen Museum sind Touristen.

Mit seinem Entwurf konnte sich Daniel Libeskind bei dem Architektenwettbewerb vor 20 Jahren unter 165 Konkurrenten durchsetzen – obwohl er sich streng genommen nicht an die Festsetzungen hielt und obwohl seine Entwürfe in der Fachwelt zwar viel beachtet, aber nie umgesetzt wurden. Das Jüdische Museum ist Libeskinds erster Bau. Die spektakuläre, rund 60 Millionen Euro teure Architektur zu bauen, verlangte Mut, so wie seinerzeit der Bau der Neuen Nationalgalerie oder der Philharmonie auch. Diesen Mut hatten Senat und Bund beim Neubau für die Topographie des Terrors nicht und stoppten die Arbeiten wegen explodierender Kosten.

Die vielen Besucher im Jüdischen Museum erfordern einen großen Aufwand. Mit neun Angestellten ist das Museum gestartet, jetzt arbeiten 85 fest angestellte Mitarbeiter für das Haus, plus einige hundert Aufsichten und das Sicherheitspersonal. Sie alle finden längst nicht mehr Platz im selben Haus, die Verwaltung hat eine Etage im nahe gelegenen Patentamt gemietet. Auch das Archiv und die Bibliothek platzen aus allen Nähten.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0)30 259 93 419
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k.schmidt-narischkin[at]jmberlin.de

Direktor Michael Blumenthal streckt deshalb seine Fühler aus. Er möchte den Blumengroßmarkt gegenüber nutzen, als Veranstaltungszentrum, Archiv und Depot, damit das Museum im Libeskind- Bau mehr Platz hat.

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