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Berliner Zeitung vom 23. Juli 2011

Vorbild Jüdisches Museum


Von Nikolaus Bernau

Braucht Berlin ein Jüdisches Museum? Vor 15 Jahren tobte um diese Frage ein fundamentalistischer Kampf. Ist jüdische Geschichte nur als Teil der Gesamtgeschichte zu betrachten oder doch etwas spezielles? Und dann stand da der sensationelle Neubau Daniel Libeskinds, entfaltete ganz eigene kulturpolitische Dynamik. 1997 wurde der Knoten zerschlagen, Michael Blumenthal aus New York zum Gründungsdirektor des eigenständigen Jüdischen Museums berufen. Vor fast genau zehn Jahren, am 13. September 2001 - wegen der Terroranschläge in New York zwei Tage später als geplant - wurden die ersten von inzwischen mehr als sieben Millionen Besucher eingelassen.

Gestern stellte Blumenthal das Programm für die Feier des zehnten Geburtstags im Oktober vor. Daniel Barenboim wird die Staatskapelle in der Philharmonie dirigieren, in der einstigen Blumengroßmarkthalle wird ein Riesenempfang gegeben und Angela Merkel den Preis für Toleranz und Verständigung des Jüdischen Museums erhalten. Es wird 60 Führungen für Schulklassen geben - zusätzlich zu den 7500 Schülerführungen, die das Museum jährlich anbietet. Und ein Kongress wird die Frage stellen: »Visionen der Zugehörigkeit: Juden, Türken und andere Deutsche.« Passend dazu soll die geplante Akademie des Museums sich bald mit den Lehrern, Schülern und Eltern in drei Schulen zusammensetzen, um Einwandererkindern die deutsche Sicht auf Geschichte zu vermitteln.

Schon diese kurze Aufzählung zeigt, worauf der immense Erfolg des Jüdischen Museums ruht: Auf seiner amerikanisch-freiheitliche Prägung, die weit über die Unabhängigkeit vom Staat hinaus geht, die die Spendenzuflüsse verschaffen. Kein Informationsdefizit gilt hier als dumm. Hier wird man höflich zur Garderobe gewiesen und am Ausgang gefragt, ob auch nichts vergessen sei. Es gibt einen Kasten für Hinweise und die (seltenen) Beschwerden, es gibt guten Kaffee, ständig neue Ausstellungen und viele Veranstaltungen bis hin zum skurrilen Weihnukka-Markt im Dezember. Sicher muss die Dauerausstellung inzwischen überarbeitet werden. Besonders fehlt die jüngste, von der Einwanderungswelle aus der einstigen Sowjetunion geprägte Geschichte. Aber der Buchladen verdient diesen Namen, hier kriegt man sogar anständige Souvenirs.

Kontakt

Katharina Schmidt-Narischkin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0)30 259 93 419
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k.schmidt-narischkin[at]jmberlin.de

Die oft so schwerfälligen Museumskombinate Berlins, die Staatlichen Museen, das Stadtmuseum, die Schlösserstiftung, können viel lernen in der Lindenstraße: Publikumsorientierung, niedrige Verwaltungshierarchie, Abteilungen, die zusammenarbeiten statt sich in sinnlosen Konkurrenzen lahm zu legen. Und vor allem Offenheit für neue Fragen der Gesellschaft.

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