Neue Namen für »freundliche feindliche Ausländer« in Großbritannien

Blick ins Depot

Auf diesen Karteikarten des Postamts der Britischen Armee sind die Namensänderungen zahlreicher, vermutlich deutscher und österreichischer Emigranten* dokumentiert. Tausende von ihnen – jüdische und nichtjüdische – kämpften während des Zweiten Weltkriegs unter neuem Namen in der Britischen Armee.

Zwei ausgelegte Stapel von beschrifteten Karteikarten

Karteikarten des Postamts der Britischen Armee; Jüdisches Museum Berlin, autorisierte Schenkung aus den Beständen des Army Post Office, Foto: Jens Ziehe

Namensänderung für den Fall der Gefangennahme

Zu Ausbruch des Krieges von den Briten noch als »feindliche Ausländer« interniert, konnten sich staatenlose Geflüchtete nach einiger Zeit als »freundliche feindliche Ausländer« bei der Armee zum Wehrdienst melden. Viele wollten persönlich dazu beitragen, Hitler zu besiegen. Beim Antritt des Militärdienstes wurden die Soldaten* aufgefordert – für den Fall einer Gefangennahme durch die Nazis – ihre deutschen Namen abzulegen. Innerhalb weniger Minuten mussten sie sich für den künftigen, englischen Namen entscheiden. Aus Salo Carlebach wurde so Michael Charles Brook, und Werner Oppenheim hieß nun William Oakfield.

Spätere Einbürgerung

Die Namensänderung bedeutete allerdings nicht, dass ihre Träger* auch automatisch britische Staatsbürger* wurden. Den meisten Emigranten* wurde, soweit sie in Großbritannien blieben, erst Ende der 1940er Jahre die britische Staatsangehörigkeit verliehen. Ihre anglisierten Namen behielten sie jedoch bei.

Zufallsfund für unsere Sammlung

Auf den Karteikarten gibt es keinen expliziten Hinweis auf die Herkunft und Religionszugehörigkeit der Soldaten*. Durch einen glücklichen Zufall wurden die Karten davor bewahrt, weggeworfen zu werden. Als ein ehemaliger betroffener Soldat dem Jüdischen Museum Berlin von ihnen berichtete, konnten wir sie für unsere Sammlung erwerben.

Titel Karteikarten des Postamts der Britischen Armee
Sammlungsgebiet Archiv
Ort und Datierung Großbritannien 1940–1946
Material Papier, Tinte
Maße je Karte: 7,6 x 12,6 cm
Creditline Autorisierte Schenkung aus den Beständen des Army Post Office
Eine Form wie »Besucher*innen« bezieht sich nicht nur auf Menschen, die sich als Mann oder als Frau identifizieren, sondern schließt auch alle ein, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit verorten.
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Archiv

Stöbern Sie online in ausgewählten Archivbeständen vom 18. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit: Private und offizielle Dokumente erzählen vom Leben als Wandergeselle im 19. Jahrhundert, käuflichen Schutzrechten in der Frühen Neuzeit oder verzweifelten Emigrationsbemühungen während des Nationalsozalismus.

Adoptionsvertrag Gloeden und Loevy

Schon ein jüdisch klingender Name konnte Anlass für Diskriminierungen sein. Daher ließen sich die Geschwister Erich und Ursula Loevy 1918 von dem Gymnasialprofessor und Familienfreund Bernhard Gloeden adoptieren.

Ein verzweifelter Brief an den Sohn

»So lange wir noch hier sind, werden wir dir noch jeden 3ten Tag schreiben.«, schrieben Paul und Sophie Berliner am 6. November 1941 an ihren in Stockholm lebenden Sohn Gert.

»Dienstausweis!« von Martin Riesenburger

Mit einem provisorischen Dokument wird Martin Riesenburger im Februar 1953 bescheinigt, dass er als Rabbiner für die Seelsorge in Ost-Berliner Gefängnissen zuständig ist.

Get von Siegfried Leopold für seine Frau Resi

Nach jüdischem Recht wird die Annullierung einer Ehe erst durch die Anfertigung eines Scheidebriefs und seine Aushändigung durch den Ehemann an seine Gattin gültig.

Karteikarten der Britischen Armee

Tausende deutsche Emigranten kämpfen im Zweiten Weltkrieg in der Britischen Armee gegen Deutschland. Für den Fall der Gefangennahme mussten sie ihre Namen ändern, dokumentiert auf diesen Karteikarten.

Ledermäppchen von Frieda Neuber

Kurz vor ihrer Deportation nach Theresienstadt übergab Frieda Neuber ihrer Nichte ein Ledermäppchen. Die darin enthaltenen Briefe dokumentieren ihre verzweifelten Bemühungen um eine Auswanderung.

Memmelsdorfer Genisa

Im Februar 2002 fiel während der Renovierung eines Hauses bei der Öffnung der Deckenfächer ein Leinensack mit Papieren und persönlichen Gegenständen herunter. Das Haus hatte sich von 1775 bis 1939 in jüdischem Besitz befunden.

Rot-Kreuz-Brief an Emmy Warschauer

Der Nachrichtendienst der Hilfsorganisation bot nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Emigrant*innen die Möglichkeit, Kontakt mit Verwandten in Deutschland aufzunehmen. So erhielt Emmy Warschauer ein Lebenszeichen ihrer Tochter.

Schutzbrief für die Jüd*innen in Ichenhausen

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Aufenthalts- und Gewerberechte von Jüd*innen in den deutschen Territorien in Schutzbriefen geregelt, die käuflich erworben werden mussten.

Wanderbuch von Leopold Willstätter

Von 1836 bis 1843 war Leopold Willstätter als Wandergeselle in Südwestdeutschland und Frankreich unterwegs. Das Wanderbuch mit einer genauen Personenbeschreibung diente dem Schuhmacher auch als Ausweis.

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