Alles hat seine Zeit

Rituale gegen das Vergessen

Alles hat seine Zeit. Rituale gegen das Vergessen

Die Ausstellung zeigte Strategien gegen das Vergessen aus jüdischer Perspektive und widmete sich jüdischen Übergangs- und Erinnerungsritualen. Sie erläuterte den Ursprung dieser Rituale, wie sie praktiziert werden und was sie bedeuten.

Ergänzend zu den zyklisch wiederkehrenden religiösen Erinnerungsriten thematisierte die Ausstellung auch Strategien gegen das historische Vergessen.

Ausstellung bereits beendet
Ort

Altbau 1. OG


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Trailer zur Ausstellung

Übergangsrituale

Geburt, Kindheit, Schule, Mündigkeit, Selbstständigkeit, Eheschließung, Alter und Tod markieren schmerzhafte oder freudvolle Wechsel zwischen verschiedenen Phasen im Leben von Menschen. Wie alle Kulturen hat auch das Judentum für diese Lebensabschnitte bestimmte Strategien entwickelt, die helfen können, diese Übergänge zu meistern oder zu verarbeiten.

Jüdische Feiertage

Auch die jüdische Gemeinschaft begeht Rituale, die sich auf für sie prägende historische Ereignisse beziehen. Dazu gehören jährliche wiederkehrende Feste wie Pessach, das an den Auszug der Israelit*innen aus Ägypten erinnert, das Lichterfest Chanukka und die damit verbundene Erinnerung an den Sieg der Makkabäer oder das Laubhüttenfest Sukkot, das an die Wanderung durch die Wüste erinnert. Alle drei Feste dauern mehrere Tage und symbolisieren wichtige Passagen in der jüdischen Geschichte oder im Jahreszyklus.

Die Objekte

In der Ausstellung repräsentierten rund sechzig Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen solche Feste sowie den universellen Charakter der Übergangsrituale, die von vielen Menschen gleichwohl als einzigartig erlebt werden.

Als besonderes Highlight konnten zudem drei Schiefertafeln aus dem Mittelalter erstmals öffentlich gezeigt werden, die kurz vor Ausstellungseröffnung in der Archäologischen Zone des Jüdischen Museums Köln entdeckt und ausgegraben worden waren.

Cilly Kugelmann, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, über das Besondere an dieser Ausstellung.

Michael Wiehen, Archäologische Zone/Jüdisches Museum, Köln, spricht über drei Objekte aus dem Mittelalter, die in der Ausstellung zu sehen waren.

Erinnerungskultur

Zu den kollektiven säkularen Ritualen gehören auch solche, die eine nationale Identität aufbauen und festigen helfen sollen. Zeitgenössische Erinnerungsrituale in Deutschland reflektieren dementsprechend auch die eigene nationalsozialistische Vergangenheit mitsamt ihren Verbrechen, insbesondere der Schoa.

Sonderbauten: Der besondere Block von Quintan Ana Wikswo

Vor diesem Hintergrund erforschte die US-amerikanische Künstlerin Quintan Ana Wikswo fotografisch die Reste des »Sonderbaus« in Dachau, der während der NS-Zeit als KZ-Bordell diente. Wikswo arbeitete mit historischen Fotokameras von AGFA, die von Zwangsarbeiterinnen in Dachau hergestellt wurden und die sie vorab manipulierte. In ihrer Arbeit Sonderbauten: Der besondere Block, die in der Ausstellung zu sehen war, kombinierte sie die Fotografien mit Textfragmenten. Wikswos Bilder fokussieren das Nicht-Dokumentierte und das Nicht-Erzählte jüdischer Leidensgeschichten. Denn im öffentlichen Gedenken bleibt die Opfergruppe der in Konzentrationslagern sexuell ausgebeuteten Frauen bis heute ausgeblendet.
Eine Auswahl dieser eindringlichen, großformatigen Fotografien Wikswos stand in der Ausstellung den vergleichsweise unschuldigen, ebenfalls dort vorgestellten Strategien und Objekten gegen das Vergessen damit herausfordernd gegenüber.

Quintan Ana Wikswo

Gekürzter Mitschnitt des Künstlergesprächs mit Quintan Ana Wikswo, das am 18. Oktober 2013 in den Ausstellungsräumen stattfand (auf Englisch).

Die Künstlerin Quintan Ana Wikswo arbeitet transdisziplinär an den Schnittstellen visueller Kunst, Literatur, Film und Performance-Kunst. Ihre innovativen Arbeiten wurden bereits in renommierten Institutionen und Museen in New York, Los Angeles, Frankreich und Deutschland ausgestellt. Sie lebt in New York City, wo sie künstlerische Co-Direktorin von Fieldshift Further ist.

Alles hat seine Zeit. Rituale gegen das Vergessen wurde von Felicitas Heimann-Jelinek kuratiert und dem Ausstellungsarchitekt Martin Kohlbauer gestaltet.

Die Ausstellung war eine Übernahme vom Jüdischen Museum München, wo sie vom 27. Februar bis 1. September 2013 zu sehen war.

Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann

    18. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014

  • Wo

    Altbau 1. OG
    Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin Zum Lageplan

Leseprobe aus dem Ausstellungskatalog

Objektseite zum Thema »Erinnerung an die Wanderung«: Uschpisin-Tafel

pdf/117.39 KB/
deutschenglisch
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Leseprobe aus dem Ausstellungskatalog

Quintan Ana Wikswo, SONDERBAUTEN: Der besondere Block/The Special Block

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deutschenglisch
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Ort

Altbau 1. OG


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin