Fotografische Sammlung

Schwarz-Weiß-Fotografie von sechs Schülern in der Küche der Theodor-Herzl-Schule mit weißen Schürzen und weißen Kopftüchern am Herd stehend in Töpfen rührend

Kochunterricht in der Theodor-Herzl-Schule, Berlin Kaiserdamm 78, Fotografie von Herbert Sonnenfeld, 1935; Jüdisches Museum Berlin, Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Sammlungsgebiet Fotografie

Unser Sammlungsgebiet Fotografie enthält Kunstfotografie, historische Presse- und Familienbilder, aber auch Dokumentationsfotos unserer Sammlungsobjekte, Ausstellungen und Veranstaltungen sowie Architekturansichten. Derzeit besteht die Fotografische Sammlung aus ungefähr 30.000 Einzelstücken. Sie stammen überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurden in Deutschland und den Emigrationsländern der deutschen Jüd*innen aufgenommen.

Motive und Kontexte der Fotografien

Viele Motive zeigen den jüdischen Sport, jüdische Studentenverbindungen, Wirtschaftsgeschichte, Schulen und andere jüdische Einrichtungen, Hachschara Lager zur Vorbereitung auf die Besiedlung Palästinas, Displaced-Persons-Camps, Synagogen, das deutsch-jüdische Bürgertum im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, den Ersten Weltkrieg, Verfolgung und Emigration, das Leben im Exil und den Neuanfang in Deutschland nach 1945. Den größten Teil der Aufnahmen bilden die mehr als 10.000 Fotografien aus Familiensammlungen, die in enger Verbindung zu den Beständen des Archivs und anderen Sammlungsbereichen stehen.

Wichtige Einzelsammlungen

Zu den umfangreichsten und wichtigsten Einzelbeständen zählen die Fotografien von Herbert Sonnenfeld, Ruth Jacobi und Roman Vishniac. Die Sammlung Sonnenfeld umfasst etwa 3.000 Fotografien von Herbert Sonnenfeld, der zwischen 1933 und 1938 als Pressefotograf die jüdischen Gemeinde- und Sozialeinrichtungen sowie Kultur- und Sportveranstaltungen dokumentierte. Ein eindrucksvolles Zeitzeugnis bilden darüber hinaus die Passfotos von über 500 jüdischen Zwangsarbeiter*innen der Berliner Elektrofirma Ehrich & Graetz – einer von hunderten Berliner Firmen, in denen Juden zwischen 1939 und 1945 zur Arbeit gezwungen wurden.

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Frau, die durch eine Kamera sieht, ein Spiegel zeigt sie zusätzlich im Profil

»Selbstporträt mit Leica«, Fotografie von Ilse Bing, Abzug aus dem Jahre 1989 des Originals von 1931; Estate of Ilse Bing. Die »Königin der Leica« Ilse Bing stellt Theresia Ziehe in einem Beitrag auf unserem Blog vor.

Alle Rechte vorbehalten.

Zudem bewahrt unser Museum kleinere Sammlungen von namhaften Fotograf*innen der 1920er- und 1930er-Jahre wie Lotte Jacobi, El Lissitzky, Ilse Bing und anderen auf.

Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die zeitgeschichtliche Dokumentation jüdischen Lebens in Deutschland von 1945 bis in die Gegenwart. Unser Interesse gilt dabei dem religiösen und sozialen Leben innerhalb der Gemeinden sowie den Ereignissen des öffentlichen Lebens, die über die deutsch-jüdischen Beziehungen Aufschluss geben.

Hierfür werden eigene Fotoprojekte umgesetzt: Zu den 14. European Maccabi Games, die im Sommer 2015 in Berlin stattfanden, entstand beispielsweise eine Serie mit Interviews und Porträts jüdischer Sportler*innen. Bereits 2011 haben wir Repräsentant*innen der Jüdischen Gemeinde Berlin interviewt und fotografisch porträtiert sowie aktuelle fotografische Dokumentationen über jüdisches Gemeindeleben in Deutschland gesammelt.

Daneben finden sich in unserer Sammlung Leonard Freeds Serie »Deutsche Juden heute«, die aus 52 Fotografien besteht und das jüdische Leben in Deutschland Anfang der 1960er Jahre dokumentiert, sowie 162 Fotografien von Michael Kerstgens aus den Jahren 1992 bis 2012, die den Prozess der Zuwanderung von Jüd*innen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland intensiv festhalten.

Ansprechpartnerin
Theresia Ziehe
Kuratorin für Fotografie
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 561
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Wir haben einen öffentlich zugänglichen Lesesaal. Außerdem können Sie in unseren Bibliotheks- und ausgewählten Sammlungsbeständen online recherchieren. Für die Einsicht weiterer Bestände nehmen Sie bitte Kontakt zu den zuständigen Kurator*innen auf.
Wenn Sie das Jüdische Museum Berlin unterstützen möchten und glauben, Material zu besitzen, das für uns interessant sein könnte, nehmen Sie Kontakt zu uns auf!
Die Ansprechpartnerin für Foto-Reproduktionen ist Valeska Wolfgram (Tel.: +49 (0)30 259 93 433, E-Mail: v.wolfgram@jmberlin.de). Für Leihanfragen wenden Sie sich bitte an Katrin Strube (Tel.: +49 (0)30 259 93 417, E-Mail: k.strube@jmberlin.de).
Ausgewählte Objekte (6) Fotografische Sammlung Alle anzeigen

Fotografische Sammlung

Von einer frühen Werbefotografie der Fotografin Yva bis zur Dokumentation jüdischen Lebens in Deutschland vor und nach der Schoa: Entdecken Sie ausgewählte Objekte aus unserer Fotografischen Sammlung und die Geschichten dazu.

»Amor Skin«

Das Vintageprint ist ein Beispiel für frühe Werbefotografie: Durch Mehrfachbeleuchtung gelang es der Fotografin Yva, unwirkliche und traumhafte Erscheinungen heraufzubeschwören.

»Weiße Wochen« im Warenhaus Ury

Mit einer hell erleuchteten Fassade machten die Gebrüder Ury im Februar 1930 Kund*innen auf die »Weißen Wochen« aufmerksam. Die Werbekampagne war Teil ihrer modernen Geschäftsführung und damit ihres Erfolges.

Hugo Spiegel als Schützenkönig

Die Fotografie von Leonard Freed zeigt den Vater des späteren Zentralratspräsidenten Paul Spiegel. Der Schoa-Überlebende war vermutlich der erste jüdische Schützenkönig in Deutschland.

Sally Israel in bayrischer Landestracht

Um den Berliner Kaufmann versammeln sich drei weitere Kurgäste in volkstümlichen Trachten für ein Erinnerungsfoto aus Bad Reichenhall. Der Badeort war auch bei jüdischen Erholungssuchenden hoch geschätzt.

Synagoge im Jüdischen Erholungsheim Lehnitz

Die Synagoge war eine der letzten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eingeweiht wurde. Das Erholungsheim war für viele zu einem Ort jüdischer Selbstbehauptung inmitten einer feindseligen Umgebung geworden.

Wiedereinweihung der Synagoge des Jüdischen Krankenhauses

Ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1946 die Synagoge des Jüdischen Krankenhauses in der Iranischen Straße wieder eingeweiht. Dieses hatte sich allmählich zum Zentrum der Gemeindearbeit in Berlin entwickelt.