Illustratorinnen aus Israel zu Gast im Museum

Familiensonntag im Rahmen des Hebräer*innen-Projekts

Illustration von Naama Benziman

Zum Familiensonntag reisen vier Illustratorinnen aus Israel an, um von ihrer Arbeit und ihrem Land zu erzählen: Naama Benziman, Gil-Ly Alon Curiel, Aya Gordon-Noy und Ofra Amit. Jede hat ihren unverwechselbaren Stil, um Geschichten künstlerisch in Szene zu setzen. Eine kleine Ausstellung macht uns mit ihren Werken bekannt und erzählt von ihrem Blick auf Berlin und Israel.

In Workshops haben kleine Besucher*innen die Gelegenheit, mit den großen Zeichnerinnen eigene Bilder zu Gedichten und Geschichten zu gestalten.

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Ort

W. M. Blumenthal Akademie

Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
Postanschrift: Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Zwischen Kuschelkissen und Tierregalen lesen wir in der neuen Kinderecke der Bibliothek aus alten und neuen illustrierten Kinderbüchern vor. Für die Großen gibt es Filme über Lea Goldberg und Miryam Yellan Shtekelis – die zwei großen israelischen Kinderbuchautorinnen.

Der Familiensonntag bildet den Auftakt für die sich anschließende Buchwoche. Vom 15. bis 18. Oktober finden zahlreiche Illustrations­workshops für Schulklassen in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin statt.

Programm

W. Michael Blumenthal Akademie, Saal

14 Uhr Begrüßung mit Léontine Meijer-van Mensch (Jüdisches Museum Berlin) und Kirsten Hinkler (Kulturkind e. V.)
Live-Drawing mit den Illustratorinnen Naama Benziman, Gil-Ly Alon Curiel, Aya Gordon-Noy und Ofra Amit
Lesung des Gedichtes A Hike in the Hills von Lea Goldberg in Hebräisch, Englisch und Deutsch. Das Gedicht wird Thema der anschließenden Workshops sein.

Programm für Kinder

W. Michael Blumenthal Akademie

15 Uhr Lesung des Bilderbuches Zimmer frei im Haus der Tiere von Lea Goldberg auf Hebräisch und Deutsch
(Lesesaal)
15–18:30 Uhr Offene Workshops mit den Illustratorinnen
(Bildungsraum 1 und 2 & Seminarraum)

Programm für Erwachsene und Kinder

W. Michael Blumenthal Akademie, Saal

15 und 16 Uhr Führungen durch die Baustelle des Kindermuseums
(Treffpunkt vor der Tür zum Garten der Diaspora)
15 Uhr Filmvorführung: »The 5 houses of Lea Goldberg«, 55 Minuten, 2011
Mehr Informationen zur Filmreihe »Ha’ivrim« (Die Hebräer)
16 Uhr Filmvorführung: »Alone, The legend of Miryam Yellan Shtekelis«, 51 Minuten, 2018
Mehr Informationen zur Filmreihe »Ha’ivrim« (Die Hebräer)
17 Uhr Diskussion über die Bedeutung von Lea Goldberg und Miryam Shtekelis mit dem Filmemacher Yair Qedar, der Kuratorin des Israel Museum Jerusalem, Orna Granot, und Hila Lahav.
18:30 Uhr Illustratorinnen präsentieren mit den Kindern ihre Arbeiten im Saal der Akademie. Mit musikalischer Begleitung von Maya Belsitzman & Matan Ephrat (Israel).

Die Illustratorinnen

Filmplakat: The 5 houses of Lea Goldberg; Courtesy of The Hebrews

Orfa Amit lebt und arbeitet in Tel Aviv. Sie hat an zahlreichen Ausstellungen, unter anderem in London, Tel Aviv, Rio de Janeiro und Teheran, teilgenommen und wurde für ihre Arbeiten mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

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Alice aus Alice im Wunderland. Sie ist ein mutiges, kluges, neugieriges und gutherziges Mädchen. Auch hat sie eine sehr reiche Fantasie und ist immer offen für neue Ideen, auch für Nonsens. Sie wird riesengroß und winzigklein, und jedes Mal kann sie die Welt auf andere Art sehen. Sie hat keine Angst vor Veränderung. Alice folgt ihrem Herzen durch die Abenteuer im Wunderland.

Das Schwimmbad. Ganz nah am schönen Strand meiner Heimatstadt Tel Aviv gibt es ein besonderes Schwimmbad. Warum besonders? Weil es mit kühlem salzigem Wasser aus den Tiefen des Meers gefüllt ist. Jede Nacht leeren die Arbeiter das ganze Becken und füllen es mit neuem, frischem Meerwasser. Es ist ein Freibad, also kannst du das Meer auch immer sehen, du kannst in der Sonne und im Regen schwimmen, es macht solchen Spaß! Ich schwimme sehr gerne, also gehe ich fast jeden Morgen hin. Manchmal kommen dir beim Schwimmen die besten Ideen für Illustrationen.

Bei uns zu Hause bringen Freunde und Verwandte ständig ihre Hunde mit, und so sind all die Hunde inzwischen auch miteinander befreundet. Unsere Hündin heißt Tut, das ist das hebräische Wort für Erdbeere. Meine beiden Töchter haben sie so getauft. Abgesehen davon, dass sie klein und süß ist, hat sie aber nichts mit einer Erdbeere gemeinsam. Sie ist ein schwarzes, flauschiges, scheues und lustiges Geschöpf. Sie kommt auch in einem der Kinderbücher vor, die ich illustriert habe. Du kannst sie auf der nächtlichen Party finden, wo sie ihre Schüchternheit überwindet und mit ihren Freunden tanzt. Errätst du, wer sie ist?

MAYIM, das heißt auf Hebräisch Wasser. Der Klang des Wortes geht auf und ab, wie eine Welle. Der Klang ist, wie wenn du einen Schluck Wasser trinkst, mmm… Geschrieben wird MAYIM auf Hebräisch MYM, es lässt sich also von rechts nach links und von links nach rechts lesen und du kannst nicht sagen, wo der Anfang ist und wo das Ende, so wie beim Wasser. MAYIM findet sich auch in dem Wort SHAMAYIM, das Himmel heißt – es ist also nur natürlich, dass es manchmal Regen gibt.
Wenn du MAYIM oft hintereinander sagst, etwa so: »MAYIMAYIMAYIMA …«, kommst du zu dem Wort IMA, und das ist mein zweites Lieblingswort. Es heißt Mutter.

Naama Benziman ist in Jerusalem geboren und lebt heute in Tel Aviv. Neben ihrer vielseitigen Arbeit als Illustratorin ist sie in der Lehre sowie als Ausstellungskuratorin und Autorin tätig. Aktuell arbeitet sie an ihrem dritten Kinderbuch. Für ihre Arbeiten, die bereits in zahlreichen Ausstellungen in und außerhalb Israels vertreten waren, erhielt sie eine Reihe von nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen.

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Mit Berlin verbinde ich meinen Großvater. Er machte 1933 an der Humboldt-Universität seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaft und ging nach Palästina.

Diese Figur mag ich sehr: Annaluise, genannt Pünktchen. Sie ist neugierig, verspielt, einfallsreich, scharfsinnig und mutig – und natürlich eine wahre, treue Freundin. Fester Bestandteil von Erich Kästners Buch sind für mich Walter Triers wunderbare Illustrationen.

Wo ich wirklich gerne bin: in der Wüste, solange es nicht zu heiß ist. Ich praktiziere Yoga, und zwar am liebsten da, wo es still und leer ist. Letzten Herbst verbrachte ich vier friedvolle Yoga-Tage in der Arava-Senke und schlief in einer kleinen Lehmhütte, abseits der Zivilization. Das war perfekt.

An meinem Zuhause mag ich die Bäume, das Gras und die Vögel ringsum, die Nachbarn, wie mein Hund mich begrüßt, meinen Partner und meine Kinder. Wir leben in einer kleinen Gemeinde. Wir haben eine eigene kostenlose Bücherei für Kinder und Erwachsene, einen Gemeinschaftsgarten, wo einige Nachbarn Gemüse anbauen, und ein Café mit Riesenbildschirm, wo wir zusammen Filme schauen. Creker, unser Hund, ist klein, sanft und schüchtern, und wenn ich mit ihm Gassi gehe, sehen wir schöne Dinge. Im Frühling und Sommer treffen wir die Möwen, die auf den Hausdächern nisten und ihren Jungen das Fliegen beibringen. Dori, mein Partner, ist Industriedesigner. Manchmal arbeiten wir zusammen. Vor zwei Jahren machten wir aus meinen Illustrationen eine Installation aus Holzobjekten in einer Galerie. Zurzeit denken wir uns visuelle Rätsel für eine monatliche Kinderzeitschrift aus. Unser Sohn Itamar ist 14, unsere Tochter Zohar 12.

Ein schönes Wort in meiner Sprache ist DIMYON – es bedeutet Vorstellungskraft und Fantasie. DIMYON ähnelt einem anderen hebräischen Wort, DMOOT. DMOOT bedeutet Figur, Gestalt. DIMYON und DMOOT sind also der Beginn einer Geschichte. Wenn ich an einem neuen Buch arbeite, versuche ich mir die Figur vorzustellen und sie zu verstehen, bis sie mir wirklich erscheint, auch wenn die Geschichte ausgedacht ist.

Gil-Ly Alon Curiel lehrt Illustration an der WIZO Academy of Design and Education in Haifa und am Max Stern Yezreel Valley College. Sie hat mehr als 70 Bücher verschiedener Autor*innen illustiert und ist selbst Autorin zweier Bilderbücher. Ihre Arbeiten wurden national und international mit Preisen und Auszeichnungen gewürdigt.

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Ich war zweimal in Berlin. Beide Male war ich tief beeindruckt von der Kunst und Kultur der Stadt. Berlin hat ein Flair von ständiger Erneuerung, von Kreation und Umbau. Die Stadt ist kosmopolitisch und strahlt echte Offenheit aus.
Die deutsche Sprache klingt für mich vertraut, denn sie wurde im Haus meiner Großeltern gesprochen. Mein Vater wurde in Deutschland geboren und floh 1939 nach Palästina. Mein Vater und seine Eltern haben immer mit Zuneigung und Sehnsucht von Berlin gesprochen.

Eine Gestalt, die ich als Kind sehr mochte, war die Pollyanna aus Eleanor H. Porters gleichnamigem Buch, das 1913 in den USA erschien. Es erzählt die Geschichte eines optimistischen Waisenkinds, und an Polyannas Motto habe ich mich über all die Jahre gehalten: Finde in jeder Situation etwas, worüber du dich freuen kannst.

Am wohlsten fühle ich mich zu Hause, in Gesellschaft von Familie und Freunden.

Haifa ist eine Hafenstadt, deren Gebäude von den Bergen ins Meer fließen. Mein Haus hat alles, was ich brauche und liebe – Zeichen- und Malatelier, Handarbeitsraum und überhaupt Platz für Kreativität.

NEDIVUT. Das Wort NEDIVUT enthält viele Bedeutungen, die alle mit dem Geben zu tun haben und mit Offenherzigkeit. Das Schöne am Geben, am NEDIVUT, ist, dass es sich für die Person, die gibt, auch selbst gut anfühlt.

Aya Gordon-Noy lebt und arbeitet in der Künstlerkolonie Ein Hod in der Nähe von Haifa. Sie arbeitet mit verschiedensten Materialien und Techniken und illustrierte zahlreiche Kinderbücher.

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Ich verbinde Berlin mit meiner Großmutter, die dort geboren wurde. Zwar wanderte sie schon als Kind ins damals britisch verwaltete Palästina aus, doch sie liebte und vermisste Berlin. Bei jeder Gelegenheit erzählte sie vom Kulturleben der Stadt, von der Kunst, den Zeitschriften, Süßigkeiten, Kuchen, Cafés und von ihrer glücklichen Kindheit, die so anders war als die Wirklichkeit, in der sie als 12-Jährige in Palästina ankam.

Ich mag besonders Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf. Vielleicht weil ich selbst ein »braves, folgsames Mädchen bin«, wie Pippis Freundin Annika Settergren, fasziniert mich Pippis Fähigkeit und Mut, ohne Grenzen zu denken – ohne »erlaubt« und »verboten«, ohne »du sollst« und »du musst«. Kekse auf dem Boden formen, warum nicht? Ein Fußboden kann doch die perfekte Arbeitsfläche sein. Ein anderes Beispiel: Nagelsuppe, vielleicht geht das ja wirklich. Gesund ist sie auch, sie enthält ja Eisen! Wenn ich eine Idee für eine Illustration brauche, versuche ich so zu denken wie Pippi. Warum zeichnet die Figur in der Geschichte in ihr Notizbuch und schlüpft nicht hinein? Warum soll man auf einem Klavier nicht fliegen können? Wer sagt, dass eine Blume kleiner ist als ein Kind? Ich bin ja nicht Fotografin bei National Geographic, sondern Fotografin der Fantasie. Also kann ich kühn sein wie Pippi und Geschichten, Wünsche und Träume illustrieren.

Ich liebe es, im Meer zu sein. Nicht am Meer – im Meer, bei kräftigem Wind. Nicht bloß am Strand, da ist es zu warm, sondern im Wasser. Fast jeden Morgen gehe ich im Meer schwimmen. Ich trage eine Schwimmbrille, sodass ich die magische Unterwasserwelt betrachten kann, die so anders als die Menschenwelt ist. Ich glaube, ich kenne inzwischen jeden Fisch in der Lagune bei uns, und beim Schwimmen denke ich über Gegenstände, Formen und Farben nach, die ich gerne in Illustrationen verwenden würde. Manchmal ist das Meer ruhig und du kannst viele Fische und seltsame Geschöpfe in der Lagune sehen, und manchmal ist es stürmisch und das Schwimmen wird zum Abenteuer. Nach dem Schwimmen habe ich jedenfalls immer lauter neue Geschichten im Kopf.

Was mir an meinem Haus am besten gefällt, sind die Menschen und Tiere, die dort mit mir leben: Uri, mein Partner, der alles reparieren kann – einen Kühlschrank mit Schluckauf, ein Auto, das nicht anspringt, oder ein müdes Kind, das nicht zur Schule gehen will. Meine vier lautstarken Jungs, die mir beigebracht haben, schnell und schmackhaft zu kochen, und die nachweislich sehr klug sind, denn sie halten mich für die beste Illustratorin der Welt. Max, unser fauler Hund, der mir nie beim Zeichnen hilft, egal wie sehr der Abgabetermin drängt. Unsere Hündin Ayala, die Anti-Wildschwein-Aktivistin ist, aber auch lächeln kann wie ein Mensch. Mitzi, unsere nervige Katze, die auf meinen Illustrationen schläft.

Ein schönes Wort in meiner Sprache ist KISCHKUSCH – das heißt Unsinn, aber auch Gekritzel. Ich kann beides gut!

Gefördert vom Freundeskreis des Jüdischen Museums Berlin und der Inge Deutschkron-Stiftung. In Kooperation mit Kulturkind e. V., der Hebräischen Bücherei Berlin, dem Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien in Berlin-Brandenburg (ZJS) und der Freien Universität Berlin.

Logo des Freundeskreises des Jüdischen Museums Berlin

Inge Deutschkron Stiftung

Logo Kulturkind
Ort

W. M. Blumenthal Akademie

Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
Postanschrift: Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Was, wann, wo?

  • Wann

    Sonntag, 14. Oktober 2018, 14–19 Uhr
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  • Wo
    W. M. Blumenthal Akademie

    Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
    Postanschrift: Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

  • Eintritt

    frei – eine Anmeldung ist nicht nötig: kommen Sie einfach vorbei!

  • HinweisKinder unter 6 Jahren müssen von einer*einem Erwachsenen beaufsichtigt werden.

  • Anmeldung für Journalist*innen Tel.: +49 (0)30 25 993 419
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