Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört?

25 Jahre Mauerfall aus Minderheitenperspektive(n)

Der Fall der Berliner Mauer und der Prozess der deutschen Wiedervereinigung sind im kollektiven Gedächtnis der Mehrheitsgesellschaft als Ausdruck einer »friedlichen Revolution« verankert. Doch wie erlebten Minderheitenangehörige in Ost und West diese historische Umwälzung und darauffolgende Ereignisse, zu denen auch rassistische Pogrome wie in Rostock-Lichtenhagen oder Mölln gehörten? Welchen Platz sahen sie für sich in diesem historischen Moment der »Neuerfindung der Nation« und gab es auch in ihren Communities einen Prozess des Zusammenwachsens?

Die Akademie des Jüdischen Museums Berlin lädt anlässlich des Mauerfalls vor 25 Jahren zu einem Programm aus Filmvorführung, Vortrag und Podiumsdiskussion ein.

leider verpasst
Ort

W. M. Blumenthal Akademie,
Klaus Mangold Auditorium


Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
(gegenüber dem Museum)

Programm

17 Uhr: Film »Duvarlar-Mauern-Walls«
Regie: Can Candan, USA/Türkei 2000, 83 min., türk./engl./dt. mit dt. Untertiteln
»Duvarlar-Mauern-Walls« dokumentiert in filmischen Interviews mit türkeistämmigen Berliner*innen aus den Jahren 1989 – 1991, was der Mauerfall und die Wiedervereinigung für sie bedeuten.

18:30 – 19 Uhr: Pause

19 Uhr: »Erst dienstbare und dann unerwünschte Ausländer. Eine andere ostdeutsche Geschichte der Wiedervereinigung.«
Vortrag von Dr. Patrice Poutrus (Universität Wien)

Migrant*innen und die sogenannten Vertragsarbeiter*innen waren in der DDR keineswegs gleichberechtigte Mitglieder einer transnational gedachten sozialistischen Gesellschaft. Erwartet wurde Anpassung an die vorgefundenen Arbeits- und Lebensverhältnisse und eine unbedingte Anerkennung der staatlichen Autorität. In der sich 1989 abzeichnenden Systemkrise gerieten die Vertragsarbeiter*innen auf allen Ebenen des Lebens massiv unter Druck.
Ob durch Rückkehr oder durch ein Asylbegehren, die ehemaligen Vertragsarbeiter*innen wurden Teil einer innergesellschaftlichen Auseinandersetzung, in der klar wurde, dass das vereinigte Deutschland um beinahe jeden Preis kein Einwanderungsland sein wollte.

Anschließend Podiumsdiskussion mit Sanem Kleff (Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage), Mai-Phuong Kollath (Coaching & Interkulturelle Beratung, Berlin), Peggy Piesche (Bayreuth Academy of Advanced African Studies) und Dr. Hermann Simon (Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum)
Moderation: Dr. Bilgin Ayata (Freie Universität Berlin)

Teilnehmer*innen

Dr. Bilgin Ayata ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Transnationale Beziehungen, Außen-und Sicherheitspolitik am Otto-Suhr Institut der Freien Universität Berlin. Dort forscht und lehrt sie zu den Themen Migration, Konflikt und Postkoloniale Theorien.

Sanem Kleff ist Vorstandsvorsitzende von Aktion Courage e.V. und seit 2000 Leiterin des europäischen Projekts »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage in Deutschland«. Nach ihrem Studium der Deutschen Sprache und Literatur in Ankara hat sie als u.a. Dolmetscherin und Dozentin in der Lehrerfortbildung am »Berliner Landesinstitut für Schule und Medien« (LISUM) gearbeitet.

Mai-Phuong Kollath arbeitet als Coach und Interkulturelle Beraterin. Sie wurde in Hanoi geboren und kam mit 18 Jahren als Vertragsarbeiterin in die ehemalige DDR nach Rostock. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaft leitete sie 16 Jahre die Migrationsberatungsstelle in Rostock und engagiert sich seitdem in verschiedenen bundesweiten Fachgremien der Migrations- und Integrationspolitik.

Peggy Piesche, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, lehrt und forscht an der Bayreuth Academy of Advanced African Studies. Sie ist in der DDR geboren und aufgewachsen und seit 1990 bei ADEFRA e.V. (Schwarze Frauen in Deutschland) aktiv. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Schwarzen deutschen und europäischen Literatur und Geschichte im Kontext von Kritischen Weißseinsstudien.

Dr. Patrice Poutrus ist Historiker und Sozialwissenschaftler und zur Zeit Lise-Meitner-Fellow am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Er hat zur Geschichte von Konsum und Herrschaft in der DDR promoviert. Seine derzeitigen Forschungen beschäftigen sich mit Massenmedien und Migration in den Metropolen Wien und Berlin während der Zwischenkriegszeit.

Dr. Hermann Simon ist seit 1988 Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum. Er wurde in Ost-Berlin geboren, hat Geschichte und Orientalia studiert und in Orientnumismatik promoviert. Hermann Simon ist Herausgeber der Reihen »Jüdische Miniaturen«, »Jüdische Memoiren« und der Schriftenreihe des Centrum Judaicum.

Ort

W. M. Blumenthal Akademie,
Klaus Mangold Auditorium


Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
(gegenüber dem Museum)

Was, wann, wo?

  • Wann

    6. November 2014, 17 Uhr

  • Wo
    W. M. Blumenthal Akademie,
    Klaus Mangold Auditorium

    
Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
    (gegenüber dem Museum)

Veranstaltungskalender

Auf einen Blick ...

Weiterlesen