Provenienzforschung im JMB

Auf der Suche nach der Herkunft unserer Sammlungsobjekte

Grafikdepot mit Schachteln, Mappen und Grafikschränken

Grafikdepot im Jüdischen Museum Berlin; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Raub und Zerstörung von jüdischem Kulturgut und von Kulturgütern im Eigentum von Jüdinnen*Juden waren integrale Bestandteile der nationalsozialistischen Politik der Vernichtung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur. Von 1933 bis 1945 wurden auf beispiellose Weise Kunst- und Kulturgüter aus jüdischem Besitz geraubt, zwangsveräußert und zerstört. Zwar entdeckten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg viele der geraubten Objekte und restituierten sie an ihre ursprünglichen Eigentümer*innen, doch blieben unzählige Kunst- und Kulturgüter verschollen, verwaist oder weiterhin im Besitz derjenigen, die sie sich unrechtmäßig angeeignet hatten.

Systematische Prüfung unserer Bestände

Auch nach 1945 gelangten geraubte Objekte über Ankäufe und Schenkungen in die Sammlungsbestände vieler Museen weltweit. Die Sammlung des Jüdischen Museums ist davon nicht ausgenommen. Aus diesem Grund prüfen wir seit 2015 systematisch die Herkunft unserer Bestände. Wir versuchen, geraubte Objekte zu identifizieren, indem wir ihre Vorbesitzer*innen sowie ihre Geschichte in der Zeit zwischen 1933 und 1945 recherchieren.

Provenienzforschung in der Gemälde- und Skulpturensammlung

Die Provenienzforschung am Jüdischen Museum begann im April 2015 mit der Untersuchung der Gemälde- und Skulpturensammlung. Eines der Ergebnisse dieses zweijährigen Projektes war die Klärung der Provenienz der Ölskizze Das Gastmahl der Familie Mosse des Künstlers Anton von Werner. Sie konnte im Dezember 2016 an die Erben restituiert werden. Weitere Forschungsergebnisse des Projekts werden im Rahmen unserer Objekt-Datenbank online veröffentlicht.

Anton von Werners Ölskizze Das Gastmahl der Familie Mosse; Foto: Jüdisches Museum Berlin, Jens Ziehe

Provenienzforschung in der Judaica-Sammlung

In einem weiteren zweijährigen Projekt werden seit Mai 2017 die Provenienzen der jüdischen Zeremonialgegenstände in unserer Sammlung – wie Tora-Schmuck, Chanukka-Leuchter oder rituelle Textilien – untersucht. Einen Schwerpunkt dieser Recherche bildet die Sammlung des Münsteraner Judaisten und Kantors Zwi Sofer, die 1981 für die Jüdische Abteilung des Berlin Museums erworben wurde und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet.

Umgang mit den Forschungsergebnissen

Die Ergebnisse unserer Recherchen werden wir auf dieser Website zugänglich machen. Falls wir geraubte Objekte in unseren Beständen finden, bemühen wir uns zudem, potenzielle Erb*innen ausfindig zu machen und mit ihnen eine gerechte und faire Lösung zu finden.

Mit freundlicher Unterstützung von

Bei Fragen zum laufenden Projekt in der Judaica-Sammlung wenden Sie sich bitte an
Michal S. Friedlander
Kuratorin für Judaica und Angewandte Kunst
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 511
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409
oder
Dr. Anna-Carolin Augustin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Provenienzforschung Bereich Judaica
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 510
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409
Bei Fragen zur Provenienzforschung in der Gemälde- und Skulpturensammlung wenden Sie sich bitte an
Inka Bertz
Leiterin der Sammlungen/Kuratorin für Kunst
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 414
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409