Transcending Tradition

Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur

Blick in die Ausstellung

Ausstellungsansicht; Atelier Markgraph, Foto: Kristof Lemp

Transcending Tradition. Jüdische Mathematiker an deutschsprachigen Hochschulen

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hatten jüdische Wissenschaftler*innen jahrzehntelang große Bedeutung für die Mathematik im deutschen Sprachraum. Gegen Ende der Weimarer Republik waren von 94 Mathematikprofessuren 28 zumindest zeitweise mit jüdischen oder jüdischstämmigen Gelehrten besetzt. Addiert man Wissenschaftler*innen ohne eigenen Lehrstuhl sowie jene, die an deutschsprachigen Universitäten außerhalb Deutschlands arbeiteten, wird klar, dass die Mathematik vor 1933 zu einem bemerkenswerten Anteil deutsch-jüdisch geprägt war.

Ausstellung bereits beendet
Gebäudeplan mit Markierung des Libeskindbaus
Ort

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Die Ausstellung

Die Wanderausstellung Transcending Tradition beschäftigt sich mit dem beruflichen Werdegang und den wissenschaftlichen Aktivitäten jüdischer Mathematiker*innen in den deutschsprachigen Ländern von der Emanzipation der Jüd*innen im 19. Jahrhundert bis zu ihrer Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland.
Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf den Jahren der Verfolgung und Vernichtung, die vergleichsweise gut erforscht sind, sondern auf dem fachlich wie didaktisch beeindruckenden Anteil, den jüdische Wissenschaftler*innen vor 1933 an der Entwicklung der mathematischen Kultur hatten.

Ausstellungslogo: Schriftzug »Transcending Tradition«

Die Ausstellung konzentriert sich auf vier Städte: Berlin, Göttingen, Bonn und Frankfurt am Main. Mit einer Fülle von Bildern und Dokumenten, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sind, zeigt sie, wie jüdische Mathematiker*innen im wilhelminischen Kaiserreich und in der Weimarer Republik in allen Bereichen der akademischen Kultur aktiv waren. Sie forschten, lehrten und publizierten, saßen in den Redaktionen führender Fachzeitschriften und -jahrbücher und waren prägend für die Arbeit der »Deutschen Mathematiker-Vereinigung« sowie der »Gesellschaft für angewandte Mathematik und Mechanik«. Auch trugen sie aktiv dazu bei, die Fragen ihrer Wissenschaft einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Emmy Noether – die bedeutendste Mathematikerin des 20. Jahrhunderts

Wir erzählen beispielsweise die Geschichte von Emmy Noether (1882‒1935), der bedeutendsten Mathematikerin des 20. Jahrhunderts. Mit ihren wegweisenden Beiträgen zu diversen Zweigen der Mathematik prägte sie die heutige Gestalt dieser Wissenschaft wesentlich mit. Doch als Frau und Jüdin erhielt sie keine akademische Festanstellung, lange Zeit wurde ihr sogar die Habilitation verweigert. Nach dem Ausschluss von ihrer Universität 1933 emigrierte sie in die USA, wo sie bis zu ihrem frühen Tod am Frauencollege Bryn Mawr lehrte.

Emmy Noether

Die 1882 in Erlangen geborene Emmy Noether stammte aus einer Mathematikerfamilie. 1933 emigrierte sie in die USA, nachdem ihr die Lehrerlaubnis entzogen worden war. Sie starb 1935 in Bryn Mawr im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania an den Folgen einer Operation.

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Felix Hausdorff – Autor der Grundzüge der Mengenlehre

Die Ausstellung veranschaulicht auch, wie jüdische Mathematiker*innen mit der deutschen Kultur allgemein verbunden waren und zu ihr beitrugen. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür bietet Felix Hausdorff (1868–1942), der als Bonner Mathematikprofessor 1914 die bahnbrechende Monografie Grundzüge der Mengenlehre vorlegte.

Unter dem Pseudonym Paul Mongré publizierte er zudem einen Band mit Aphorismen im Stil Nietzsches, eine erkenntnistheoretische Abhandlung, literarische Essays, Gedichte sowie ein erfolgreiches groteskes Theaterstück. Als ihm die Deportation in ein Vernichtungslager bevorstand, nahm er sich das Leben.
Felix Hausdorff

Der 1868 in Breslau geborene Felix Hausdorff wuchs in Leipzig auf. Er lehrte in Leipzig, Göttingen, Greifswald und Bonn. 1942 nahm er sich gemeinsam mit seiner Gattin und seiner Schwägerin das Leben, um sich der drohenden Deportation zu entziehen.

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Porträt von Felix Hausdorff im Halbprofil, Schwarz-Weiss-Foto

Felix Hausdorff; Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Nachlass Hausdorff

Otto Toeplitz und Hans Rademacher – Proben mathematischen Denkens für Liebhaber der Mathematik

Überzeugt, dass sich mathematische Probleme allen Interessierten, auch ohne fortgeschrittene Fachkenntnisse, erläutern ließen, publizierten Otto Toeplitz und Hans Rademacher 1933 ihr Buch Von Zahlen und Figuren. Proben mathematischen Denkens für Liebhaber der Mathematik.
Otto Toeplitz

Vater und Großvater des 1881 in Breslau geborenen Otto Toeplitz waren Mathematiklehrer. Er selbst lehrte in Göttingen und Bonn, wurde aber 1935 zwangsemeritiert. Er emigrierte 1939 nach Palästina, wo er 1940 in Jerusalem verstarb.

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Hans Rademacher

Hans Rademacher wurde 1892 in Wandsbek bei Hamburg geboren. Als Pazifist floh er 1933 in die USA, wo er 1969 in Haverford im Bundesstaat Pennsylvania verstarb.

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Richard Courant – eine neue Karriere in den USA

Seit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden jüdische Mathematiker*innen in Deutschland mit Berufsverboten belegt, und jenen, die nicht fliehen konnten, drohten Konzentrationslager und Ermordung. Manchen Emigrant*innen gelang es, im Exil beruflich wieder Fuß zu fassen. Richard Courant etwa, 1933 von der Universität Göttingen entlassen, übernahm später die Leitung der mathematischen Fakultät der Graduate School of Arts and Science an der New York University. Später wurde die Fakultät nach ihm benannt. Heute zählt das Courant Institute for Mathematical Sciences zu den bedeutendsten mathematischen Forschungsinstituten der Welt.
Richard Courant

Richard Courant wurde 1888 im oberschlesischen Lublinitz geboren. Er emigrierte 1933 zunächst ins englische Cambridge und ein Jahr darauf in die USA nach New York City. Dort verstarb er 1972.

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Graduate School of Arts and Science

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New York University

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Courant Institute for Mathematical Sciences

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Die Ausstellung findet im Rahmen des 7. Kongresses der Europäischen Mathematischen Gesellschaft statt.
Kongress der Europäischen Mathematischen Gesellschaft

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Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann

    17. Juli bis 4. September 2016

  • Eintritt

    mit dem Museumsticket (8 Euro, erm. 3 Euro)

  • Wo

    Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie
    Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin Zum Lageplan

Kooperationspartner*innen

Technische Universität Berlin

Website der Technischen Universität Berlin

Institut für Mathematik der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Website des Instituts für Mathematik

Historisches Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Website des Historischen Seminars

Gebäudeplan mit Markierung des Libeskindbaus
Ort

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin