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Glikl bas Juda Leib/Glikl von Hameln

Glikl von Hameln wurde unter ihrem Mädchennamen Glikl bas Juda Leib (übersetzt: Glikl, Tochter des Juda Leib) im Jahr 1646/47 als Tochter des wohlhabenden Diamantenhändlers Juda Leib in Hamburg geboren. Als 14jährige heiratete Glikl den erfolgreichen Gold- und Juwelenhändler Chaim von Hameln (auch bekannt als Hein Goldschmidt) und brachte in dieser Ehe zwölf Kinder zur Welt.

Als ihr Mann 1689 starb, führte Glikl sein Unternehmen mit großem Erfolg weiter. Als erfolgreiche Geschäftsfrau trieb sie Handel in verschiedenen europäischen Städten und lebte in Hamburg, Altona, Hameln und Metz. Sie vergrößerte den Reichtum der Familie und es gelang ihr, alle ihre Kinder gut zu verheiraten. Die Verheiratung ihrer Kinder nutzte Glikl, um Geschäftskontakte in ganz Europa auszubauen und zu festigen. Ihre Heiratspolitik war also durch starke wirtschaftliche Interessen geprägt.

Als Glikl im Jahr 1700 erneut heiratete, entschied sie sich für den erfolgreichen Geschäftsmann Hirz Levy und gab ihr eigenes Geschäft auf. Nicht nur mithilfe ihres Ehemannes, sondern wegen der eigenen Ersparnisse versprach sich Glikl einen sorgenfreien Lebensabend. Doch Hirz Levy verkalkulierte sich, sein Geschäft war bankrott, das gesamte Familienvermögen verloren. So erlebte Glikl das Alter in Armut, ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Hause ihrer Tochter Ester in Metz, wo sie schließlich im Jahr 1724 starb.

1691 begann Glikl - noch immer schwer erschüttert über den Tod ihres ersten Ehemannes - ein Tagebuch zu schreiben, das sie bis 1719 fortführte. Glikls Lebensbericht ist in jiddischer Sprache verfasst und trägt im Original den Titel Sichronot (Memoiren). Glikl legte das Tagebuch als Familienchronik an und wollte es an ihre Kinder weitergeben.

Da Glikl in einer Zeit lebte, in der die Juden unter der Mehrheit der Christen kaum Rechte genossen, gibt ihr Lebensbericht auch eindruckvolle Einblicke in die gesellschaftlichen Umstände jener Zeit. Ihre Memoiren befassen sich auch mit dem Ausbruch der Pest, mit Krankheiten, Flucht und Tod. Gleichzeitig gibt ihr schriftliches Werk Auskunft über ihre intensive Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben.

Erst 1910 wurden Glikls Memoiren erstmals veröffentlicht. Bertha Pappenheim, Gründerin des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland, die auch eine eine entfernte Verwandte Glikls war, entdeckte deren Schriften und ihren historischen Wert. Durch Bertha Pappenheims Übersetzung ins Deutsche wurden die Memoiren nun einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht.

Schwarzweiß Fotografie eines Gemäldes, das Bertha Pappenheim in historischer Kleidung zeigt
Bertha Pappenheim, die sich als Glikl porträtieren ließ; Ölgemälde von Leopold Pilichowski
Aufgeschlagenes Buch
Sichronot (Memoiren) der Glikl bas Juda Leib
© Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main, Foto: Jens Ziehe

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