statisches Bild der interaktiven Figur »Changeling«
Die mobile Ausstellung traf in der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee auf reges Interesse - © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Sönke Tollkühn
Die mobile Ausstellung traf in der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee auf reges Interesse
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Sönke Tollkühn

Zu Besuch in einer Jugendstrafanstalt

Projektwoche in Berlin-Plötzensee vom 11. bis 15. August 2008

Das Jüdische Museum Berlin initiierte vom 11. bis 15. August 2008 eine Projektwoche in der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee. Mit dem Besuch des on.tour-Teams in der Jugendstrafanstalt Plötzensee möchte das Museum auch solche Jugendliche in Deutschland erreichen, denen ein Museumsbesuch nicht möglich ist. Das Ziel der Projektwoche war, bei den Jugendlichen Interesse für das Museum und das Thema deutsch-jüdische Geschichte zu wecken. Insgesamt wurde in fünf Tagen mit insgesamt knapp 100 Häftlingen ein on.tour-Projekttag zum Thema »Jüdisches Leben gestern und heute« durchgeführt.

Schon im Vorfeld der Projektwoche äußerten die Jugendlichen eine Fülle von Fragen:

  • »Warum werden die Juden verfolgt?«
  • »Was denken und dachten die Juden über unseren Propheten (Mohammed)?«
  • »Woher kommt die Bezeichnung »Juden«?«
  • »Warum beten die Juden eine Mauer an?«
  • »Was haben die Juden mit den Moslems gemein?«
  • »Warum tragen Juden die Kippas?«

Diese und viele andere Fragen konnten in lebhaften Diskussionen beantwortet werden, die den Häftlingen neue Impulse gaben und zum gemeinsamen Nachdenken über Identität und Religiosität anregten.

Wir haben die inhaftierten Jugendlichen im Anschluss gefragt, was ihnen gut gefallen hat:

  • »Dass ich eine ganze Menge dazugelernt habe, hat mir ganz gut gefallen.«
  • »Jedes Thema haben sie [die on.tour-Mitarbeiter] mit uns besprochen, was besonders gut war.«
  • »Wie ich aufgeklärt wurde über das Judentum«
  • »Gut gefallen hat mir der Lesestab, die besonderen Teller und Kelche, weil es mich interessiert«
  • »Eigentlich alles. War sehr informativ«
  • »Am besten war das mit den Würfeln, weil man es bewegen musste um die Fragen zu lesen. Und das mit den iPods, weil man es hören und lesen musste.«
  • »Alles, weil ich viel dazugelernt habe.«
  • »Dass man mit den Mitarbeitern Ihres Museums sehr ausführlich debattieren konnte und das sie es sehr anschaulich rübergebracht haben. Nicht so gut war, dass es so kurz war.«
  • »Sie [die Museumsmitarbeiter] besaßen viel Wissen und waren offen für jegliche Fragen. Sie waren wirklich sehr  sympathisch. Ich werde mir auf jeden Fall das gesamte Museum anschauen.«
  • »Wir haben viel über das Judentum erfahren und konnten somit Vorurteile beseitigen. Nicht so gut war, dass nicht alle Fragen beantwortet werden konnten.«
  • »Mehr zu erfahren über die Juden. Sachen, die ich vorher nicht über die Juden wusste. Alles hat mir gefallen und Spaß gemacht.«
  • »Die Mitarbeiter waren immer freundlich und haben nicht gleich die Nerven verloren. Vielen Dank für Ihre Geduld und danke für die koscheren Gummibärchen.«
  • »Dass die Leute vom Jüdischen Museum nett waren, über viele Sachen geredet haben!!! Und die Süßigkeiten.«
  • »Ich fand, dass sie auf alle Themen eingegangen sind. War sehr mutig und korrekt. Sie haben eigentlich alles sehr gut gemacht, doch vielleicht könnten Sie sich ein wenig mehr mit dem Nahostkonflikt beschäftigen!«
  • »Am besten waren die Gummibärchen, weil sie halal waren - ohne Gelatine.«
  • »Die Damen sind sehr nett gewesen. Ich habe Sachen rausbekommen, die mir vorher ein Rätsel waren.«
  • »Nicht so gut war, dass die Zeit schnell vorbei gegangen ist und dass wir nicht das ganze Programm genutzt haben.«
  • »Eigentlich alles, es hat Spaß gemacht und die Atmosphäre war sehr angenehm und ich habe etwas dazu gelernt. Nicht gefallen hat mir, dass zu wenig Zeit war.«
  • »Es war sehr lehrreich. Die Damen waren sehr nett und es war sehr interessant. Die haben uns bestimmte Sachen ausführlich erklärt, z.B. die Geschichte der Juden. Sie sollten sich mehr Zeit für uns nehmen.«
  • »Die Frauen waren sehr nett und wollten auch was über unsere Religion und Kultur wissen. Nicht gefallen hat mir das Thema Palästina-Israelkonflikt, weil wir kleinen Fische das sowieso nicht mehr lösen können. Sie haben uns gedutzt und sich mit Vornamen vorgestellt. Das hat das Klima verschönert. Sie sollten mehr Zeit mitbringen und einen palästinensischen Mitarbeiter mitbringen.«
  • »Dass ich eine ganze Menge dazugelernt habe, hat mir ganz gut gefallen.«
  • »Die Mitarbeiter haben jedes Thema mit uns besprochen, was besonders gut war.«
  • »Die Ablenkung von der Haft.«
  • »Die anschaulichen Sachen. Die Dozenten waren sehr nett und haben viel Wissen weitergegeben. War alles gut.«

Und wir wollten wissen, ob es etwas gibt, worüber sie gerne mehr erfahren hätten:

  • »Ja, warum sich die Juden und die Pälestinenser nur streiten? Nur wegen einem Land!«
  • »Ja, alles mögliche. Ich interessiere mich sehr für Geschichte.«
  • »Ja, die Sprache und die Entwicklung der Juden.«
  • »Ja, jüdische Feste und Zeremonien.«
  • »Ja, über die heutigen Juden und deren Stand.«
  • »Ja, noch mehr über Religion und Holocaust.«
  • »Ja, über den Krieg (Palästina und Israel).«
  • »Es müssten mehrere Tage sein, an denen wir darüber reden.«
  • »Ja, über alles.«
  • »Ja, Nahostkonflikt«
  • »Ja, die Zeit als Hitler an der Macht war!!!!«
  • »Mehr über die Geschichte mit Adolf Hitler und den Juden«
  • »Ja, angebliche Weltmonopole der Juden (Presse, Banken, Kunst) und die allgemeine Entwicklung in allen Epochen.«

Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen mit unseren Workshops und Dialogsangeboten wurde von 12. bis 18. November 2009 eine zweite Projektwoche in der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee durchgeführt.

PDF-Download

Text von Maja Lenhardt, erschienen im JMB Journal 2009/2010, Nr. 1: »Das Jüdische Museum Berlin in der Jugendstrafanstalt Berlin« (140 KB)


... und was gibt's noch?

Foto: Teile der mobilen Ausstellung

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