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Roman Vishniacs Berlin


Kellerkneipe

Roman Vishniac: Kellerkneipe in Charlottenburg, um 1930
© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Mara Vishniac Kohn

Der Fotograf Roman Vishniac (1897-1990) wurde mit Bildern aus der Lebenswelt osteuropäischer Juden am Vorabend des Zweiten Weltkrieges berühmt. Bis zu seinem Tode unentdeckt blieben jedoch die Fotografien, die den Berliner Alltag in den 20er und 30er Jahren dokumentieren - Menschen auf den Straßen, Berliner Typen, Freunde und Familienmitglieder sowie jüdische Einrichtungen. Das Jüdische Museum Berlin würdigt diese bislang unbekannten Aufnahmen des Meisterfotografen erstmals in der Sonderausstellung »Roman Vishniacs Berlin«.

Roman Vishniac wurde 1897 in Pavlosk bei St. Petersburg geboren und wuchs in Moskau auf. Nach dem Schulabschluss studierte er an der Moskauer Universität Biologie und Medizin und schlug damit eine Richtung ein, die sich auch in seinem seit der Kindheit vorhandenen Interesse an Fotografie niederschlagen sollte: Als Pionier der Mikrofotografie und der Zeitraffertechnik verbrachte er den weitaus größten Teil seines fotografischen Schaffens damit, das Leben unter dem Mikroskop festzuhalten und sich so in wissenschaftlichen Kreisen einen Namen zu machen. Einem breiten Publikum bekannt wurde Vishniac durch seine Fotografien vom Leben der jüdischen Gemeinden Osteuropas am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Es sind - wie auch der Titel seines berühmtesten Werkes besagt - Dokumente einer »Verschwundenen Welt«, die während Vishniacs ausgedehnten Reisen im Auftrag des American Jewish Joint Distribution Committee zwischen 1935 und 1938 entstanden sind.

Lange Zeit völlig unbekannt blieb jedoch, was erst nach seinem Tod im Jahr 1990 entdeckt wurde - teilweise am Ende vieler Filmrollen voller Pflanzen- und Insektenbilder: Roman Vishniacs Berlin-Fotografien aus den Jahren 1920 bis 1939. Die Ausstellung »Roman Vishniacs Berlin« zeigt an die neunzig dieser Fotografien, darunter Originalabzüge und spätere, von ihm selbst angefertigte Vergrößerungen sowie Bilder, die erst in den letzten zehn Jahren von den verbliebenen Negativen abgezogen wurden.

1920 zusammen mit seinen Eltern aus der Sowjetunion in die deutsche Hauptstadt geflohen, begleitete Roman Vishniac mit der Kamera das Leben in Berlin. Die Fotografien reichen von Schappschüssen aus dem Familienleben über Straßenszenen mit Zeitungsverkäufern, Bierkutschern, Schornsteinfegern oder Passanten und Impressionen aus dem jüdischen Leben in Berlin bis hin zu Fotografien vom Berliner Umland. Vor allem die Personen- und Gruppenaufnahmen stammen zumeist aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus und offenbaren Vishniacs wohlwollenden Blick auf die Stadt und ihre Bewohner.

Die späteren Aufnahmen dagegen zeugen von einer ausgeprägten Distanziertheit des Mannes hinter der Kamera. Zugleich sind dabei eindringliche Bilder entstanden, stellen sie doch die politischen Realitäten dieser Zeit mitunter auf sehr subtile Weise dar. Dazu gehören seine Aufnahmen vom jüdischen Leben in den dreißiger Jahren, die er im Auftrag von deutsch-jüdischen Hilfsorganisationen und Erziehungsanstalten fotografierte. Es entstanden unter anderem Bilder von der jüdischen Mittelschule in der Großen Hamburger Straße, vom 1928 für russisch-jüdische Akademikerkinder gegründeten Teitelschen Kinderheim in der Münchener Straße, vom Hilfsverein der Juden in Deutschland sowie vom landwirtschaftlichen Ausbildungslager Gut Winkel südöstlich von Berlin, das der Kaufhausmagnat und Verleger Salman Schocken den zionistischen Pionieren zur Verfügung stellte. Diese Bilder zeigen Kinder beim Unterricht, junge Leute, die sich auf ein neues Leben in Palästina vorbereitet haben, und hilfesuchende ältere Menschen - Fotografien, in denen sich die wandelnde Lage der Juden in Deutschland widerspiegelt.

Wann

4. November 2005 – 5. Februar 2006

Wo

Libeskind Bau, Libeskind Galerie im Erdgeschoss

Eintritt

Eintritt mit dem Museums-Ticket

Im Frühling 1939 verließ Roman Vishniac Berlin in Richtung Paris. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er in einem Lager nahe der französischen Stadt Gurs interniert. Nur die unermüdlichen Bemühungen seiner lettischen Frau Luta, die mit den beiden Kindern Mara und Wolf nach Schweden ausgereist war, bewirkten im Spätherbst 1940 seine Freilassung. Mit seiner Familie konnte er schließlich über Lissabon in die USA emigrieren.

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