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Der falsche Messias


Schabbtai Zwi auf dem Thron

Schabbtai Zwi auf dem Thron, Kupferstich im »Gebetbuch für die Nacht und für den Tag« von Nathan von Gaza, 1666. Der Stich zeigt den auf einem Thron sitzenden Schabbtai, über ihm halten Engel eine himmlische Krone mit der Inschrift »Krone von Zwi«. Darunter studieren die Zwölf Stämme Israels mit dem Messias die Tora.
© Universiteit Amsterdam, Bibliotheca Rosenthaliana

Schabbtai Zwi (1626–1676) rief sich im 17. Jahrhundert im Osmanischen Reich als Messias aus. In der ganzen jüdischen Welt führte diese Nachricht zu einem noch nie da gewesenen Begeisterungstaumel. Bereits die Bücher der biblischen Propheten schürten die Hoffnung, dass die messianische Erlösung unmittelbar bevorstehe. Diese Vorstellung vom Ende der Zeiten durchzieht die jüdische Geschichte bis heute. Sie war vor allem in Phasen der Not und Verfolgung von besonderer Bedeutung – so auch im 17. Jahrhundert, als tausende von Juden den Pogromen in der Ukraine zum Opfer fielen.

Schabbtai Zwi wurde als junger Gelehrter 1654 aus seiner Heimatstadt Smyrna (heute Izmir) verbannt, weil man ihm vorwarf, sich nicht an die Religionsgesetze zu halten. Zwölf Jahre lang wanderte er im östlichen Mittelmeerraum von Ort zu Ort. Er erklärte, er sei der Messias, der Gesetze aufheben und das Königreich Davids wieder errichten würde. Vielen jüdischen Gemeinden waren seine Auslegungen zwar suspekt, doch er gewann auch Anhänger, die in ihm den verheißenen Erlöser sahen.

1664 traf er Nathan Aschkenazi, einen Gelehrten der Kabbala aus der Stadt Gaza. Nathan erkannte in einer Vision Schabbtai Zwi als denjenigen, der die Welt von Menschenhand verbessert (hebr.: Tikkun Olam). Er trat von da an als Zwis Prophet auf und sorgte für die Ausbreitung der sogenannte sabbatianischen Bewegung. Selbst in Hamburg und Amsterdam gab es Anhänger.

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Die Händlerin Glikl bas Juda Leib über den Aufbruch ihres Schwiegervaters nach Palästina

Juden in ganz Europa verkauften ihren Besitz, und richteten sich darauf ein, mit Schabbtai Zwi nach Palästina zu gehen.

1665 zog Schabbtai Zwi nach Konstantinopel. Dort wurde er verhaftet, weil er angeblich die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdete. Der Sultan stellte ihn vor die Wahl: Tod oder Übertritt zum Islam. Schabbtai entschied sich für den Übertritt und wurde 1666 Moslem. In vielen jüdischen Gemeinden hinterließ diese Entscheidung einen tiefen Schock.

Schabbtai Zwi in Konstantinopel

Schabbtai Zwi (vorne rechts) zieht, umringt von seinen Anhängern, in Konstantinopel ein. In Wahrheit war seine Ankunft keineswegs triumphal, er wurde nämlich bereits auf See verhaftet. Kupferstich, Deutschland, 17. Jh.
© The Israel Museum, Jerusalem

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