Selbstporträt
Lotte Jacobi mit Kamera
Lotte Jacobi gehört zu den großen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde sie vor allem durch ihre Porträts bekannter Persönlichkeiten. Darüber hinaus fertigte sie viele Theater- und Tanzaufnahmen an, motiviert durch ihr lebenslanges Interesse am Theater.
Selbstportrait von Lotte Jacobi (1896–1990) mit Kamera
© Jüdisches Museum Berlin
Aufgewachsen in einer Fotografenfamilie, begann Jacobi schon früh zu fotografieren.
Nach ihrer Schulausbildung zog sie 1920 mit ihren Eltern und Geschwistern von Posen nach Berlin und arbeitete im neu errichteten Fotoatelier des Vaters in Charlottenburg. 1925 studierte sie in München an der Staatlichen Höheren Fachschule für Phototechnik, kehrte1927 nach Berlin zurück und arbeitete selbständig im Atelier des Vaters.
Die Fotografie aus Lotte Jacobis intensiver frühen Schaffensphase zeigt
eines der wenigen Selbstporträts der Fotografin. Sie datiert auf das
Jahr 1929. Den Auslöser fest in ihren Händen, steht Jacobi neben ihrer
18 x 24 cm Plattenkamera, mit der sie bevorzugt im Berliner Atelier
arbeitete. Mit fragendem, verstörtem Blick und verkrampfter
Körperhaltung inszeniert sie sich selbst. Die Aufnahme wird dadurch zum
Beleg ihres Jugendtraums, Schauspielerin zu werden.
Später hat sie selbst das Bild mit den Worten »What am I going to do now?« kommentiert.
Das Video kann nicht angezeigt werden. Möglicherweise fehlt das Flash-Plugin, es ist deaktiviert oder es ist veraltet.
Filmausschnitt aus einem privaten Videointerview mit Lotte
Jacobi, das Dr.
Eckhart Gillen circa 1984/86 in seiner Berliner Wohnung und im Hotel
Savoy führte. Kamera: Georg von Wilcken. Das Originalmaterial (VHS)
weist Verfärbungen und Störungen auf, die bei der Digitalisierung nicht
behoben werden konnten.
© Dr. Eckhart Gillen
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Arbeitsbedingungen im
Atelier Jacobi immer schwieriger. Trotz der finanziell angespannten
Situation konnte der Atelierbetrieb zunächst noch durch die Verwendung eines
Tarnnamens bis zum endgültigen Berufsverbot im Juni 1935 aufrecht
erhalten werden.
Im Herbst des gleichen Jahres wanderte Lotte Jacobi mit dem Schiff nach
New York aus. Den größten Teil ihres Archivs musste sie zurücklassen; er
gilt als verschollen.
Schon vier Wochen nach ihrer Ankunft in New York eröffnete Lotte Jacobi
mit ihrer Schwester Ruth ein Fotostudio im Zentrum Manhattans. Ein Jahr
später hatte sie ihr eigenes Atelier und konnte schon bald wieder
Berühmtheiten vor ihre Kamera platzieren. Den Erfolg ihrer Berliner
Schaffensperiode erreichte sie jedoch nie wieder.
Objektdaten
Selbstporträt Lotte Jacobi
Berlin 1929
Fotografie auf Silbergelatine-Barytpapier; Bleistift
25,2 x 19,5 cm









