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Elisabeth Wolff: Schreitendes Mädchen


Statue einer schlanken, nackten Frau

Es ist der 19. August 1934: Der Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände veranstaltet auf dem Sportplatz im Grunewald sein erstes Sportfest. Im Staffellauf der Mädchen geht Hilde Finkelstein als Siegerin durchs Ziel und nimmt für ihre Mannschaft, den »Ring –  Bund Deutsch Jüdischer Jugend«, den Preis entgegen. Es ist ein von der Zeitung des »Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« gestifteter Wanderpreis: die Bronzefigur eines schreitenden Mädchens, geschaffen von Elisabeth Wolff (1898–vermutl. 1969).

Wolff gehörte zu der ersten Generation von Künstlerinnen, die in Deutschland an staatlichen Kunstakademien ausgebildet wurde. In den 1920er Jahren wurde sie durch ihre Kleinplastiken und Porträtbüsten bekannt.

Zwischen 1935 und 1940 emigrierte die Bildhauerin nach London, wo sie seit 1934 ihre Werke regelmäßig auf der jährlichen Ausstellung der Royal Academy of Arts zeigte. Doch ab 1947 verliert sich ihre Spur. Aus Katalogen und Zeitschriften kennen wir heute mehr als 20 ihrer Werke, doch bis auf das »Schreitende Mädchen« müssen sie alle als verschollen gelten.

Diese Skulptur gelangte in die Sammlung des Jüdischen Museums, weil eine junge Frau sie während der NS-Zeit einem Berliner Ehepaar anvertraut hatte – in der Hoffnung, sie eines Tages wieder abholen zu können. Die junge Frau – ob es Hilde Finkelstein selbst war, wissen wir nicht – kehrte nie zurück. 1987 überreichte die einstige Bewahrerin das »Schreitende Mädchen« der Kuratorin der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums, verbunden mit der Bitte, die Skulptur zurückzugeben, sollte sich ein Eigentümer melden.

Objektdaten:
Schreitendes Mädchen
Elisabeth Wolff (1898–vermutl. 1969)
Berlin, 1934
Bronze
78 x 44 x 23 cm
Depositum

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