Elisabeth Wolffs Skulptur »Schreitendes Mädchen«

Blick ins Depot

1987 wurde diese Bronzeskulptur eines Schreitenden Mädchens der Kuratorin der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums übergeben. Verbunden war damit die Bitte, die Skulptur an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückzugeben, falls diese sich melden sollten.

Vorübergehend anvertraut

Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte eine junge Frau einem Berliner Ehepaar die Skulptur anvertraut – in der Hoffnung, sie eines Tages wieder abholen zu können. Die junge Frau kehrte jedoch nie zurück und die Skulptur gelangte schließlich in unsere Museumssammlung, die aus der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums hervorgegangen ist.

Wanderpreis für die Siegerinnen im Staffellauf

Bei der Skulptur handelt es sich um einen Wanderpreis. Er wurde von der Zeitung des »Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« für das erste Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände gestiftet. Am 19. August 1934 nahm ihn Hilde Finkelstein als Siegerin des Staffellaufs der Mädchen für ihre Mannschaft, den »Ring – Bund Deutsch Jüdischer Jugend«, auf dem Sportplatz im Grunewald entgegen. Ob sie die junge Frau war, die einige Jahre später die Skulptur zur Verwahrung übergab, wissen wir leider nicht.

Die Künstlerin Elisabeth Wolff

Geschaffen wurde die Skulptur von der Bildhauerin Elisabeth Wolff (1898 – vermutlich 1969). Sie gehörte zur ersten Generation von Künstlerinnen, die in Deutschland an staatlichen Kunstakademien ausgebildet wurde. In den 1920er-Jahren wurde sie durch ihre Kleinplastiken und Porträtbüsten bekannt. Zwischen 1935 und 1940 emigrierte Elisabeth Wolff nach London, wo sie seit 1934 ihre Werke regelmäßig auf der jährlichen Ausstellung der Royal Academy of Arts zeigte. Doch ab 1947 verliert sich ihre Spur. Aus Katalogen und Zeitschriften kennen wir heute mehr als 20 ihrer Werke, doch bis auf das »Schreitende Mädchen« müssen sie alle als verschollen gelten.

Berlin Museum

Das stadt- und kulturgeschichtliche Museum existierte von 1962 bis 1995 und war im Kollegienhaus in der Lindenstraße 14 untergebracht, das heute zum Jüdischen Museum Berlin gehört.

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Centralverein

Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (auch: Zentral-Verein, Central Verein, CV, C.V., C.-V.) wurde 1893 in Berlin gegründet. Er repräsentierte die Mehrheit der bürgerlich-liberalen Jüd*innen in Deutschland und trat für deren gesellschaftliche Gleichstellung ein.

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Titel Schreitendes Mädchen
Künstlerin Elisabeth Wolff (1898–vermutl. 1969)
Sammlungsgebiet Bildende Kunst
Ort und Datierung Berlin 1934
Material Bronze
Maße 78 x 44 x 23 cm
Creditline Depositum
Skulptur: Elisabeth Wolff, Schreitendes Mädchen

Elisabeth Wolff, Schreitendes Mädchen; Depositum, Foto: Jens Ziehe

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Bildende Kunst

Werfen Sie einen Blick in unser Kunst-Depot mit Werken der klassischen Moderne von Max Liebermann und Lovis Corinth oder Werbegrafik von Louis Oppenheim. Unter den Motiven finden sich biblische Themen und jüdische Motive ebenso wie intime Portäts oder Felix Nussbaums eindrückliche Verarbeitung seiner Verfolgungserfahrung.

»Albertine Mendelssohn als Braut« von August Theodor Kaselowsky

Albertine Heine wirkt auf diesem Gemälde wie eine christliche Madonna: Sie hält den Ring auf Höhe ihres Herzens, trägt ein weißes Kleid und hat den Blick demütig gesenkt.

Biblische Karte des Heiligen Landes

Die »neue und originale biblische Karte des Heiligen Landes« von 1983 war vermutlich nie dafür gedacht, Pilger*innen oder Reisenden vor Ort von Nutzen zu sein.

»Einsamkeit« von Felix Nussbaum

Eindrücklich wie kaum ein anderer Künstler thematisiert Felix Nussbaum mit diesem Gemälde seine Situation als Verfolgter. Es entstand 1942 in Brüssel, wo sich der Maler versteckt hielt.

»Familie Plesch« von Max Slevogt

Max Slevogt malte dieses Bild einer befreundeten Arztfamilie im Jahr 1928: Es stellt familiäre Intimität dar und ist zugleich ein Gruppenporträt repräsentativen Charakters.

»Komposition« von Otto Freundlich

Diese abstrakte Komposition malte Otto Freundlich im Jahr 1938 – ein Jahr nachdem ein anderes Werk von ihm im nationalsozialistischen Deutschland zum Inbegriff der »Entarteten Kunst« geworden war.

»Moses sieht das Gelobte Land« von Lesser Ury

Für den Maler Lesser Ury war das Gemälde der Abschluss seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Gestalt des Moses. Erhalten ist jedoch nur eine Pastellzeichnung des Motivs.

»Petermannchen« von Lovis Corinth

Während eines Badeurlaubs an der Ostsee malte Lovis Corinth dieses Porträt seiner Schülerin und späteren Frau Charlotte Berend. Darin versteckt ist eine zweideutige Liebesbotschaft.

»Sabbat« von Jankel Adler

Jankel Adlers Gemälde Sabbat gewährt den Blick in eine heimische Stube am wöchentlichen Ruhetag. Doch der Künstler zeigt nicht den feierlich-freudigen Moment der Begrüßung des Schabbats.

»Schreitendes Mädchen« von Elisabeth Wolff

Die Skulptur von Elisabeth Wolff war 1934 ein Preis beim ersten Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Das Kunstwerk befindet sich nur zur Verwahrung in unserer Sammlung.

»Selbstportät mit Strohhut« von Max Liebermann

Auf dem späten Selbstporträt zeigt sich der Künstler als Bürger, mit dunklem Anzug und Panamahut. Zwei Jahre nach seinem 80. Geburtstag malte er sich mit einem Anflug von Resignation und Melancholie.

Werbeplakat S. Adam von Louis Oppenheim

Mit einem Plakat des bekannten Werbegrafikers Louis Oppenheim bewarb das Bekleidungsgeschäft S. Adam im Jahr 1908 seine Produkte für sportbegeisterte Frauen und Männer.

»Zug durch’s Rote Meer« von Jakob Steinhardt

Der Holzschnitt von Jakob Steinhardt illustriert eine Haggada aus den 1920er Jahren: Ganz deutlich steht darin Moses ins Gesicht geschrieben, mit welch knapper Not sein Volk das rettende Ufer erreichte.

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