statisches Bild der interaktiven Figur »Changeling«
zehn Erwachsene auf einem Podium
Auftaktveranstaltung im September 2012
© Jüdisches Museum Berlin

»Vielfalt in Schulen«

Rückblick auf die Aktivitäten des Projekts

Begleitend zu den Fortbildungen und zur Prozessbegleitung, die sich an Lehrer_innen und andere Pädagog_innen richten, entfaltet »Vielfalt in Schulen« verschiedene Aktivitäten, die die Schüler_innen und zum Teil auch die Öffentlichkeit mit einbeziehen. Einige davon stellen wir hier vor.

Auftaktveranstaltung am 3. September 2012

Zum festlichen Beginn der zweijährigen Zusammenarbeit waren Lehrer_innen und Schulpädagog_innen der B.-Traven- der Ernst-Schering- und der Hermann-Hesse-Schule ins Jüdische Museum Berlin eingeladen, um die Projektpartner und einander kennen zu lernen. Am Abend fand ein Podiumsgespräch zum Thema »Interkulturelle Öffnung von Schulen. Erfahrungen und Visionen« statt, das den Projektstart auch öffentlich markierte.

Cilly Kugelmann, die Programmdirektorin des Museums, begrüßte die Gäste und erinnerte an die Bedeutung, die Bildung bei der Überwindung sozialer Vorurteile spielt. Winfried Kneip von der Stiftung Mercator erläuterte, dass das Projekt als Modell für die Zusammenarbeit von Museen und Schulen wichtig sei und das Ziel verfolge, so Bildungsungleichheit zu überwinden.

Für alle waren die Beiträge der drei sehr verschiedenen Schulen mit ihren unterschiedlichen Anliegen und Zielsetzungen interessant: Während die einen die soziale Diskriminierung ihrer Schüler_innen in den Vordergrund stellten und die anderen sich mit der eigenen Situation als »kulturelle Minderheit« auseinandersetzten, betonten die dritten die Wichtigkeit, über Schlagworte und Phrasen hinaus eine Diversitätspädagogik inhaltlich auszufüllen. Alle freuten sich darauf, das Museum auch mit ihren Schülerinnen und Schülern zu besuchen, um die vielfältigen Angebote dort kennen zu lernen.

Am Abend diskutierten Karim Fereidooni (Erziehungswissenschaftler), Dr. Mark Terkessidis (Migrationsexperte) und Kutlu Yurtseven (Lehrer und Musiker), moderiert von Dr. Nkechi Madubuko (Moderatorin und Sozialwissenschaftlerin), über separate Lebenswelten und das an Schulen oft bestehende Nebeneinanderher bzw. wie man es im Alltag auch überwinden kann. Einig waren sich alle darin, dass die Schüler_innen, die über ihren »Migrationshintergrund« definiert werden, vor allem und zuerst einmal Schüler_innen seien, junge Menschen mit altersgemäßen Problemen und Anliegen. Ihre Äußerungen und Verhaltensweisen ließen sich nicht auf eine angeblich nichtdeutsche Kultur reduzieren.

Dazu gab es einen Beitrag von Deutschlandradio (Gespräch mit Karim Fereidooni).

Projekttage »Vielfalt« in der Hermann-Hesse-Schule

Schon zu Beginn des Projekts haben sich die Lehrer_innen und Pädagog_innen zentral mit Vielfalt unter den Schüler_innen auseinandergesetzt. Als »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« veranstalten sie jedes Jahr Projekttage. Im Herbst 2012 wurden diese unter das Motto Vielfalt gesetzt. Themen rund um Migration, religiöse und kulturelle Diversität, Diskriminierung und Gleichheit standen im Mittelpunkt. Mehr Informationen gibt es in der Pressemitteilung zur Veranstaltung.

Zu den über 20 Kooperationspartnern gehörte auch das Jüdische Museum Berlin, das mit den 8. Klassen Führungen zur Frage »Ist das im Islam nicht auch so?« durchführte. Das Feedback der Schüler_innen auf die vielen Angebote war hauptsächlich positiv, was sich sowohl auf die Inhalte, als auch auf die Arbeitsweisen bezog.

Unterrichtseinheiten »Ich will so bleiben, wie ich bin!?« ...

... lautete das Leitmotiv einer Reihe von Unterrichtseinheiten, die im Frühjahr 2013 durchgeführt wurden. Das Ausrufezeichen steht dabei für die Forderung nach individueller Freiheit, das Fragezeichen für das Nachhaken: Weiß man, wie man ist und sein will und hat man die Möglichkeit, dies umzusetzen.

Lehrer_innen der Fächer Deutsch, Ethik, Französisch, Kunst, Geschichte, Musik, und Philosophie setzten Themen wie »Je serai bien quand je serai moi-même« (Mir würde es gut gehen, wenn ich ich selbst wäre), »Autoritäre Persönlichkeit« und »Alles außer Mainstream« auf die Agenda. Schüler_innen haben so auch im schulischen Alltag jenseits von Projekten den Raum, sich mit schwierigen Fragen der Persönlichkeitsentwicklung und der Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft zu befassen.

on.tour-Besuche

Selbstverständlich besucht die mobile Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin auch die Partnerschulen. Die Lehrer_innen buchen die Ausstellung dabei zu denjenigen Terminen, die für die Gestaltung von Projekttagen oder anderen Unterrichtsprozessen am besten passen. So kann eine vertiefte Beschäftigung mit ausgewählten Themen erfolgen.

ZeitDinge – eine Ausstellung von Schülerinnen und Schüler

Am 29. Mai 2013 eröffneten wir gemeinsam mit den jungen Ausstellungsmachern aus der B. Traven-Gemeinschaftschule und der Ernst-Schering-Schule die von Schülern selbst kuratierte Ausstellung »ZeitDinge«.

Ausgehend vom Thema »Zeit« konzipierten Schüler_innen beider Schulen eine Ausstellung, die die Schul- und Jugendzeit in den Mittelpunkt stellt. Anhand von Objekten, Zeitzeugeninterviews und fotografischen Arbeiten gaben die Jugendlichen Einblicke in die hundertjährige Geschichte der Ernst-Schering-Schule und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die erste Berliner Großsiedlung im Falkenhagener Feld.

Der Vormittag verlief einer Ausstellungseröffnung angemessen festlich: Nach einem Grußwort der Programmdirektorin Cilly Kugelmann gaben Ömer S. (Ernst-Schering-Schule) und Yasmin S. (B.-Traven-Schule) den etwa 70 Anwesenden Tipps, welche Ausstellungsstücke unbedingt sehenswert seien. Eine Musikeinlage von Schüler_innen der Ernst-Schering-Schule verkürzte das Warten auf Vernissage, die mit einem Glas Saft und einer Brezel begangen wurde. Zum Abschluss guckten allegemeinsam die Kurzfilme mit Zeitzeug_innen aus dem Falkenhagener Feld oder der Ernst Schering Schule.

Die Lehrer_innen der Partnerschulen hatten in diesem zweiten Halbjahr des Projekts Vielfalt in Schulen zunächst selbst erfahren, wie Museen mit Objekten arbeiten und sie arrangieren, um so mit fachlicher Unterstützung des Jüdischen Museums Berlin die Ausstellungsgestaltung der Schüler_innen anzuleiten und zu begleiten.

Hier erhalten Sie einen Eindruck von der Eröffnung und einige der Ergebnisse können Sie in unserem Blogerim betrachten.

»Die ganze Wahrheit. Was Sie schon immer über Juden wissen wollten«

Zum Auftakt des zweiten gemeinsamen Schuljahres 2013/14 luden wir die Lehrer_innen und anderen Pädagog_innen der Partnerschulen zu einem Museumsgespräch mit den Kuratorinnen der zu der Zeit laufenden Sonderausstellung zur »Ganzen Wahrheit« ein. Wir diskutierten darüber, ob eine ironisierende Form der Auseinandersetzung mit Klischeevorstellungen, wie die Ausstellung sie präsentiert, sich dazu eignet, mit Schüler_innen über das Judentum zu sprechen. Lassen sich daraus Impulse für die Beschäftigung mit der Diversität der Gesellschaft in Deutschland beziehen? Auch wenn es dazu unterschiedliche Auffassungen gibt, erhielten wir von mehreren Lehrer_innen, die die Ausstellung mit ihren Schüler_innen besuchten, positive Rückmeldungen: Insbesondere die direkte Frage »Darf man Jude sagen?« habe angeregte Gespräche unter den Jugendlichen angeregt.


Diskriminierung und Antisemitismus in Social Media

Im dritten Fortbildungsmodul zu »Selbst- und Fremdbildern in jugendkulturellen Medien« befassten wir uns mit den Sozialen Medien, die in der Lebenswelt vieler Jugendlicher eine große Rolle spielen. Ausgehend von den Wünschen der Partnerschulen setzten wir die Verbreitung antisemitischer Bilder und Denkmuster als zentrales Thema. Die Bereitschaft, mit Schüler_innen schwierige Themen zu verhandeln, setzt voraus, dass man sich selbst gut auskennt. Zusammen mit dem Archiv der Jugendkulturen e. V. aus Kreuzberg führten wir eine Fortbildung durch, die die Kompetenzen der Lehrer_innen stärkt: Sie lernten Social Media-Foren kennen, die viele Jugendliche nutzen, und befassten sich mit Beispielen für das Auftreten von Antisemitismus und auch Israelfeindlichkeit. Sie erfuhren dabei, welche problematischen und feindlichen Vorstellungen heutzutage unter Jugendlichen kursieren, und welches wichtige Träger_innen judenfeindlicher Einstellungen sind.

Die Lehrer_innen zweier Schulen werden in den Fächern Informationstechnische Grundbildung bzw. in Ethik Unterrichtseinheiten zum Thema entwickeln und im Laufe des vierten Halbjahres durchführen. In einem Follow up-Workshop im Februar 2014 stellen die Mitarbeiter_innen des Archivs der Jugendkulturen Möglichkeiten und Methoden vor, um die Schüler_innen zur thematischen Auseinandersetzung anzuregen und dabei ihre Fertigkeiten im Bereich Medien zu stärken.

Bei der Fortbildung kamen auch viel allgemeinere Fragen, mit denen sich die Lehrer_innen befassen, auf: Wie nutzen Schüler_innen überhaupt den Computer und das Internet und wie kann man die Lust an Computerspielen und am Umgang mit dem Internet für das Lernen nutzbar machen?

Glossar:
Wortlogo des Projekts »Vielfalt in Schulen«
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Weitere Informationen zum Download im Projektflyer

Kontakt

Rosa Fava
Tel.: +49 (0)30 259 93 464
E-Mail: r.fava[at]jmberlin.de

ViS-Forum 2.0

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»Vielfalt in Schulen« ist ein Projekt des Jüdischen Museums Berlin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), gefördert durch die Stiftung Mercator.

Lehrer erklärt gestikulierend

... und was gibt's noch?

Collage aus drei Wortmarken

»Vielfalt in Schulen« – Partner im Projekt

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Frau erklärend gestikulierend

Lehrerfortbildungsreihe »Klischees reflektieren, Individuen stärken«

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»Vielfalt in Schulen« – Aktuelles

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drei Mädchen auf dem Weg in die Ausstellung »ZeitDinge«

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handschriftliche Notiz: Vielfalt in Schulen bedeutet für mich ...

»Heterogenität im Einwanderungs-
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