»Ton in Ton«
Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933
Im frühen Zwanzigsten Jahrhundert erlangten Frauen in Deutschland endlich Akzeptanz und Wahrnehmung im männlich dominierten Kunstbetrieb. Im Bereich der Angewandten Kunst waren sie vor allem in der Arbeit mit Textilien, Keramik und der graphischen Gestaltung stark vertreten.
Zierteller, Margaret Marks Studio Pottery, England, ca. 1955-1960
Margarete Heymann-Loebenstein (1899-1990) leitete bis 1933 den erfolgreichen Keramikbetrieb »Haël« in der Nähe von Berlin. 1936 fand sie Zuflucht in Stoke-on-Trent in England. Sie heiratete erneut und gründete ihr eigenes Keramikstudio unter dem Namen »Margaret Marks«
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Roman März
Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus gehörten jüdische Künstlerinnen zu denen, deren Arbeitsmöglichkeiten und Mittel zur unabhängigen Existenz vornehmlich bedroht waren. Einige hatten die Weitsicht, Deutschland zu verlassen. Ihre rechtzeitige Ausreise rettete ihnen das Leben.
Grete Loebenstein war eine anerkannte Keramik-Designerin und Mitbegründerin der erfolgreichen »Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik« in Velten, etwa 40 km nördlich von Berlin. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten »staatsfeindlicher Umtriebe« bezichtigt. Kurze Zeit später sah Grete Loebenstein sich gezwungen, ihre Firma aufzugeben. »Haël« wurde, weit unter Wert, an ein NSDAP-Mitglied verkauft, der die junge Hedwig Bollhagen zur künstlerischen Leiterin der Werkstätten machte. Grete Loebenstein verließ Deutschland, um im Ausland ein neues Leben zu beginnen. Die Ausstellung »Ton in Ton« folgt ihr nach England und zeigt ihre Versuche, dort künstlerisch wieder Fuß zu fassen.
Andere jüdische Künstlerinnen wanderten nach Palästina aus und arbeiteten dort als Keramikerinnen. Einige unter ihnen sahen sich als Pionierinnen, für die Palästina ein Wunschziel war, andere wählten das Land aus pragmatischen Gründen.
Hanna Charag-Zuntz, Stuttgart, 1936.
Hanna Charag-Zuntz (1915-2007) war Lehrling bei Siegfried Möller in Stuttgart. 1940 gelang ihr die Flucht nach Palästina.
© Familiensammlung
Ausgebildet in Deutschland, brachten sie hohe technische Fertigkeiten mit. Darüber hinaus verfügten sie über eine starke Durchsetzungskraft und den Willen, sich den Herausforderungen eines Lebens in der neuen Umgebung zu stellen. Welche lokal verfügbaren Tonerden eignen sich für die Herstellung von Keramik? Wie baut man einen Brennofen? Wie kann man seine Bedürfnisse in einem Land ausdrücken, dessen Sprachen man nicht spricht?
Hedwig Grossmann aus Berlin, Hanna Charag-Zuntz aus Hamburg und Eva Samuel aus Essen gelten als die Gründerinnen der modernen israelischen Keramikkunst. Die Ausstellung stellt Arbeiten dieser drei Keramikerinnen und aus ihrem Umfeld vor. Darüber hinaus untersucht sie den Einfluss deutscher Keramik-Traditionen im neu gegründeten Staat Israel.
Wann
10. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014
Wo
Libeskind-Bau, Rafael Roth Learning Center, Untergeschoss
Diese Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin findet im Rahmen des Berliner Themenjahres »Zerstörte
Vielfalt - Berlin 1933-1938« statt, an dem sich das Jüdische Museum auch mit dem Online-Projekt »1933. Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums« beteiligt.
Bitte beachten Sie auch die Sonderausstellung »Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933. Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks, Eva Stricker-Zeisel«, die von 28. Februar bis 20. Mai 2013 im Berliner Bröhan-Museum, Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus (1889–1939), zu sehen ist. Auch diese Ausstellung ist ein Beitrag zum Themenjahr »Zerstörte Vielfalt - Berlin 1933-1938«.









