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Einsamkeit


nackter Mann zwischen zwei Mauern mit kahlen Bäumen

Als Hitler an die Macht kam, hielt sich Felix Nussbaum (1904–1944) mit einem Stipendium in Rom auf. Er kehrte nicht nach Deutschland zurück, sondern ging über die Schweiz nach Frankreich und nach Belgien. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde er verhaftet und in Saint-Cyprien in den Pyrenäen interniert. Er flüchtete und tauchte gemeinsam mit seiner Frau in Brüssel unter. Im Juli 1944 wurden beide aufgrund einer Denunziation verhaftet, nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Das Gemälde »Einsamkeit« entstand 1942 im Versteck in Brüssel. Es ist wie viele der letzten Werke Nussbaums in fast farblosen Grau- und Brauntönen gemalt. Die gestutzten Bäume und die enge Brettergasse vermitteln den Eindruck von Bedrohung und Tod, während die blasse Figur des Jünglings im Vordergrund gleichsam Erlösung verspricht. Mit dem Zeigegestus eines Märtyrers weist er auf seinen nackten Oberkörper. Von hinten jedoch stürzt eine gesichtslose, puppenhafte Gestalt mit Flüstertüte auf ihn zu.

Eindrücklich wie kaum ein anderer Künstler hat Felix Nussbaum seine Situation als Verfolgter thematisiert. Anders jedoch als in seinem bekannten, ein Jahr später entstandenen »Selbstbildnis mit Judenpass« oder den Darstellungen aus dem Internierungslager zeigt er die Ausweglosigkeit hier in einer Szenerie, die in vielem rätselhaft bleibt und ein Gefühl der Beklemmung hinterlässt.

Objektdaten:
Einsamkeit
Felix Nussbaum (1904–1944)
1942
Öl auf Leinwand
95 x 61 cm
Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

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