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Hugo Spiegel als Schützenkönig


Foto von Leonard Freed: Hugo Spiegel als Schützenkönig

Hugo Spiegel als Schützenkönig
© Jüdisches Museum Berlin

»In Warendorfs Schützenverein ›Hinter den 3 Brücken‹ wurde mein Vater 1962 Schützenkönig, zweifellos ein Ereignis mit symbolischem Charakter. Zum ersten Mal wurde ein Jude in Warendorf und im Münsterland und wohl auch in Deutschland Schützenkönig.« So berichtet Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland von 2000 bis 2006, über seinen Vater Hugo Spiegel (1905-1987). Und er fährt fort: »Ein würdiger König war er – aber kein gedankenloser. Als wir [...] endlich allein waren, sagte er, der nie über die Vergangenheit sprach [...]: ›Seht ihr! Es war richtig, heim nach Warendorf zu kehren!‹ Und dann, fast verstummend: ›Wenn unser Roselchen das hätte erleben können ...‹«

Der Viehhändler Hugo Spiegel entstammte einer traditionellen jüdischen Familie, die schon seit Jahrhunderten in Westfalen lebte. Nach der Pogromnacht flüchtete er mit seiner Familie nach Brüssel. 1940 wurde er festgenommen und deportiert. 

Spiegel überlebte das Konzentrationslager und kehrte nach der Befreiung nach Warendorf zurück. Seine Frau und sein Sohn, die im Versteck überlebt hatten, kamen wenig später nach – die Tochter Rosa war in Auschwitz ermordet worden. Hugo Spiegel arbeitete wieder als Viehhändler und widmete sich dem Aufbau der jüdischen Gemeinde Münster.

Die Fotografie, die den Schützenkönig Hugo Spiegel zeigt, ist Teil einer Serie des renommierten Fotografen Leonard Freed (1929–2006). Er dokumentierte 1961/62 das Wiederaufleben der jüdischen Gemeinden in Westdeutschland.

Objektdaten:
Leonard Freed
Hugo Spiegel als Schützenkönig
aus der Serie »Deutsche Juden heute«
Warendorf 1962
Fotografie auf Silbergelatine-Barytpapier
35 x 23,6 cm

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