Die Kommerzialisierung des Chanukka-Festes

Blick ins Depot

Speziell zu Chanukka hat Fisher Price in den USA das Spielset einer Familie auf den Markt gebracht, die das jüdische Lichterfest feiert – als Teil der »Little People«-Serie, zu der auch eine Krippe und das multikulturelle Spielset »Unsere Nachbarschaft« gehören. Damit reagiert die amerikanische Spielzeugfirma auch auf einen zunehmenden Trend in den USA.

Spielzeuge mit dem Thema Chanukka

»Little People Chanukka Play Set« von Fisher Price; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Chanukka und Weihnachten

Denn Chanukka ist eigentlich eines der weniger bedeutenden Feste des jüdischen Jahres. Gefeiert wird es zu Hause mit der Zeremonie des Kerzenanzündens und traditionellen, in Öl frittierten Speisen. Meist fällt es in die Weihnachtssaison, manchmal auch auf den Weihnachtstag selbst. Weihnachten wiederum ist über die Jahre – insbesondere in den USA – immer kommerzieller geworden, und Jüdinnen und Juden, die als kulturelle und religiöse Minderheit in den Vereinigten Staaten leben, werden unerbittlich mit Weihnachtswerbung bombardiert. Nicht nur Kinder lassen sich durch einen glitzernden Weihnachtsbaum und vom Duft frischer Lebkuchen verzaubern. Darum bemüht, die eigene Identität zu wahren, gibt es daher immer mehr jüdische Familien, die Chanukka als Fest aufwerten und es mit glänzenden Chanukka-Leuchtern, frischen Kartoffelpuffern und aufwendigen Lichtdekorationen begehen.

Codiertes Geschenkpapier

Und die Geschenke? Traditionell werden an Chanukka keine Geschenke verteilt – doch auch in diesem Punkt erscheint Kapitulation vielen als die bessere Lösung. Die amerikanische Geschenkindustrie hat diesen Trend erkannt und begonnen, Chanukka-Produkte zu entwickeln, vom Festtagshandtuch bis zum Hundespielzeug. Selbst die Geschenkpapiere sind codiert: Rot und Grün für Weihnachten, Blau und Weiß für Chanukka.

Titel Little People Chanukka Play Set
Hersteller Fisher Price
Sammlungsgebiet Zeremonialobjekte
Ort und Datierung China, ca. 2003–2005
Material Kunststoff, Pappe, Metall
Maße unterschiedlich: H: 4,5–11,5 cm, B: 4–17,8 cm
Ausgewählte Objekte (6) Judaica-Sammlung Alle anzeigen

Judaica-Sammlung

Werfen Sie einen Blick in unsere Sammlung zu Objekten religiösen Gebrauchs: Das Spektrum reicht von einem wertvollen Tora-Vorhang aus dem 18. Jahrhundert, der von Fromet und Moses Mendelssohn gestiftet wurde, über zeitgenössische Ritualgegenstände bis zu kleinen Küchenhelfern zur Einhaltung der jüdischen Speisegesetze.

Seder-Teller von Harriete Estel Berman

Ungewöhnlich an diesem zeitgenössischen Seder-Teller ist die zusätzliche Mulde für eine Orange – ein neuer Brauch, der in den letzten Jahrzehnten in feministischen Kreisen immer beliebter wurde.

Tora-Schmuck von Kurt Matzdorf

Der Künstler Kurt J. Matzdorf, ist für seine modernen Interpretationen bekannt: Neben klassischem Silber und Gold verwendete er für seine Zeremonialobjekte auch farbiges Acryl.

Tora-Vorhang gestiftet vom Ehepaar Mendelssohn

Vermutlich aus dem Brautkleid von Fromet ließ das Ehepaar Mendelssohn einen Tora-Vorhang anfertigen und stiftete ihn 1774/75 einer Berliner Synagoge.

Purim-Kostüm

Das Astronauten-Kostüm des ersten israelischen Raumfahrers Ilan Ramon hätte zu Purim eigentlich ein Verkaufsschlager werden sollen. Doch es kam ein tragisches Unglück dazwischen.

Topfschrubber

»No more ›Kitchen Confusion‹!« – kein Küchen-Chaos mehr: Drei bunte Topfschrubber aus den USA sollen helfen, die jüdischen Speiseregeln einzuhalten.

Chanukka-Spielzeug

Traditionell gibt es zum jüdischen Lichterfest keine Geschenke. Doch ähnlich wie Weihnachten wird auch Chanukka immer kommerzieller und in den USA gibt es bereits codiertes Geschenkpapier.

Jüdische Feiertage

Mehr zum Thema ...

Chanukka

Mehr zum Thema ...