Sammlung Angewandte Kunst

Sammlungsgebiet Angewandte Kunst

Unser Sammlungsgebiet Angewandte Kunst konzentriert sich auf Gegenstände, die von deutsch-jüdischen Kunsthandwerker*innen oder Unternehmen hergestellt wurden. Außerdem interessieren wir uns dafür, wie sich Migrationserfahrungen der Künstler*innen im Objektdesign widerspiegeln.

Spektrum und Schwerpunkte der Sammlung

Die meisten der bisher circa 1.000 Sammlungsgegenstände datieren ab dem späten 19. Jahrhundert. Das Spektrum reicht von qualitativ hochwertigen Keramik- und Silberarbeiten einzelner Künstler*innen bis hin zu Alltagsgegenständen und Waren, die in Massenproduktion deutsch-jüdischer Manufakturen hergestellt wurden.

Der Hauptschwerpunkt liegt auf dem deutsch-jüdischen Beitrag zur Angewandten Kunst von 1890 bis 1936, insbesondere zu verschiedenen Designschulen wie dem Bauhaus, der Reimann-Schule oder der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem sowie zur industriellen Fertigung von Haushaltsgegenständen. Vertreten sind Keramiken, Silber- und Textilarbeiten, Buchillustrationen, Typografie, Grafikdesign, Produktdesign, Mode und Schmuck. Zu unserer Sammlung gehören zum Beispiel Werke der Silberschmiedin Emmy Roth (1885–1942) aus Berlin, einer der wichtigsten Vertreterinnen ihrer Zunft in Deutschland.

Ein silbernes Kaffee- und Tee-Service auf einem Silbertablett

Das prächtige Kaffee- und Teeservice aus getriebenem Silber und Horn von Emmy Roth, das 1931 in Berlin entstand, war lange unbekannt. Nun wird es zu Roths größten Werken gezählt; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe.

Michal S. Friedlander: »In feinster Form. Ein Silberservice von Emmy Roth«

Mehr über dieses Service und die Künstlerin erfahren Sie in einem Beitrag, den unsere Kuratorin für Angewandte Kunst für das MuseumsJournal 1/2012 verfasst hat.

Zum Artikel auf dem Museumsportal Berlin

Migrationswege und Objektdesign

Bei Künstler*innen, denen die Auswanderung aus dem nationalsozialistischen Deutschland gelang, versuchen wir herauszufinden, wohin sie gingen und wie sie ihren Beruf andernorts ausübten. Jüngst wurde unsere Sammlung beispielsweise durch eine große Schenkung von Keramiken erweitert, welche die innovative Künstlerin Margarete Heymann-Loebenstein in Deutschland und England anfertigte.

Eine quadratische uranrote Wanduhr aus Keramik

Keramik-Wanduhr von Margarete Heymann-Loebenstein (später Marks, 1899–1990), hergestellt in den Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik, 1930; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Frances Marks, Foto: Jens Ziehe

Michal Friedlander, Kuratorin für Judaica und Angewandte Kunst, über ihre Recherchen zu vergessenen Keramikerinnen; Jüdisches Museum Berlin

Darüber hinaus erforschen wir die Arbeiten deutsch-jüdischer Künstler*innen, die aus Deutschland auswandern mussten. So gingen z.B. David Heinz Gumbel, Ludwig Yehudah Wolpert, Victor Ries, Eva Samuel und Hedwig Grossmann nach Palästina bzw. später nach Israel, während andere (wie z.B. Hermann Gurfinkel/Garfield) in die USA emigrierten. Umgekehrt verfolgen wir die auch Welle kreativer Israelis, die heute in großer Zahl nach Berlin kommen.

Wie es den Töpferpionierinnen Eva Samuel, Hedwig Grossmann und Hanna Charag-Zuntz nach 1932 in Palästina erging, hat unsere Kuratorin Michal Friedlander in einem Beitrag zum Katalog Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919–1933. Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks, Eva Stricker-Zeisel (Ausstellungskatalog Berlin Bröhan-Museum, hrsg. von Ingeborg Becker und Claudia Kanowski. Berlin 2013) beschrieben:

Michal S. Friedlander »Vasen statt Milchflaschen«

Eva Samuel, Hedwig Grossmann und Hanna Charag-Zuntz: die Töpferpionierinnen in Palästina, nach 1932

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deutsch
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Online-Ausstellung Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933

Die Spurensuche nach vergessenen Biografien und Werken ist auch in eine Online-Ausstelllung in Kooperation mit Google Arts & Culture eingeflossen.

Zur Ausstellung bei Google Arts & Culture

Ansprechpartnerin
Michal S. Friedlander
Kuratorin für Judaica und Angewandte Kunst
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 511
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Wir haben einen öffentlich zugänglichen Lesesaal. Außerdem können Sie in unseren Bibliotheks- und ausgewählten Sammlungsbeständen online recherchieren. Für die Einsicht weiterer Bestände nehmen Sie bitte Kontakt zu den zuständigen Kurator*innen auf.
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