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Schutzbrief für die Juden in Ichenhausen


Blatt Papier mit alter Schrift

Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren die Aufenthalts- und Gewerberechte von Juden in den deutschen Territorien in käuflich erworbenen Schutzbriefen geregelt. Zumeist an einzelne Personen durch den jeweiligen Landesherrn verliehen, enthielten viele Briefe neben der festgelegten Dauer des Aufenthalts und den Bedingungen des Erwerbs eine Reihe weiterer Bestimmungen und Einschränkungen. Dazu gehörten unter anderem Regelungen zur Verehelichung von Kindern und zur Vererbung der geliehenen Rechte, zu Reisemöglichkeiten sowie zur Erhebung und Höhe verschiedener Steuern.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden zunehmend Schutzbriefe für ganze Gemeinden angefertigt. Ein solcher wurde 1717 den Juden in Ichenhausen ausgehändigt, das zur oberschwäbischen Markgrafschaft Burgau gehörte. Dieses Dokument, als Burgauer Rezess bekannt, ersetzte und annullierte alle bis dahin an einzelne Juden des Ortes ausgestellten Schutzbriefe.

Zu den Bestimmungen dieses durchaus vorteilhaften Briefes zählen das dauerhafte Wohn- und Erbrecht – beschränkt jedoch auf die bereits bestehenden 35 Häuser in jüdischem Besitz –, unbeschränkte Handelsrechte, die freie Ausübung der Religion und die Souveränität der jüdischen Gerichtsbarkeit bei innerjüdischen Auseinandersetzungen. Geregelt wurden aber auch die unterschiedlichen, den Juden auferlegten Steuern sowie die unveränderliche Höhe des Schutzgeldes. Schließlich wird den Juden, die immerhin fast die Hälfte der örtlichen Bevölkerung ausmachten, »all schuldigen Respect u Gehorsam« abverlangt.

Objektdetails:
Schutzbrief für die Juden in Ichenhausen
Ichenhausen, Oktober 1717
Tinte auf Papier
35 x 21 cm
Schenkung von Paul Anthony Seshold, Marilyn und Jonathan Glago

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