Triptychen: Giftpilz, Schultafel mit 6-er-Nasen
Triptychen: Confitdose mit Mohr -  Wien, ca. 1741-1744 - Porzellan
Triptychen: Sexy and Dangerous, Brook Andrew - Sydney, 1996 - Digitales Foto auf Duraclear, Acryl

Die Fotografien von Anthropologen bei der Arbeit vermitteln das paternalistische Selbstverständnis dieser Wissenschaftsdisziplin. Sie zeigen eine Forschungsarbeit, die darin bestand, Menschen nach Gattungen zu sortieren und in ein hierarchisches  Schema einzuordnen. An deren Ende stand, so legen es diese Fotos nahe, die „Domestizierung” der „Wilden”: Wissenschaftler aus Europa posieren mit ihren Forschungsobjekten wie Familienväter mit ihren Kindern - oder wie Jäger mit ihren Trophäen?

Anthropologen-Fotos

1. Stationsbeamter Winter mit den Stationboys, 1887 1930

2. Hochsprung eines Watussi in Ruanda Deutsch-Ostafrika, 1907 - 1908

3. Albert von Le Coq (rechts) und Theodor Bartus mit Einheimischen während einer Turfanexpeditionen des Museums für Völkerkunde Berlin
Togo, nach 1899

4. Soldaten beim Verpacken menschlicher Schädel in Transportkisten
Deutschland, nach 1903

5. Begrüßung des französischen Afrikaforschers Pierre de Brazza
Kongo, nach 1881

6. Deutsche Jäger posieren mit einem erlegten Löwen und afrikanischen Frauen
Deutsch-Ostafrika, nach 1899

7. Kopfjäger/Headhunter

8. Junge Frauen bei einer Darbietung anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II.
Deutsch-Samoa, nach 1900

9. Reisen im "Kolonialstil" - in einer Sänfte mit Hängematte und Sonnenschutz
Togo, nach 1884

Allegorische Darstellungen der Erdteile haben eine bis in die Antike zurückreichende Tradition. Die Personifikationen der fremden Kontinente nahmen die Charakteristika auf und bezeugen die Vorstellungen, die man sich in früheren Zeiten von den Unbekannten machte. Afrika wurde meist durch Frauen oder Männer mit dunkler Hautfarbe symbolisiert. In der Porzellankunst spielte die Vorstellung von exotischen Ländern eine große Rolle, „gezähmte Wilde” schmückten viele festliche Tafeln.

Wiener Porzellan

Wien, ca. 1741 - 1744
Porzellan
Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien

Brook Andrew’s Werk „Sexy and Dangerous” befasst sich mit dem schweren Erbe, welches der Kolonialismus in Australien hinterlassen hat und mit den Spannungen zwischen der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung, die bis heute spürbar sind. Die Arbeit basiert auf einer ethnographischen Postkarte, welche der Künstler digital bearbeitete. Der Titel „Sexy and Dangerous” auf der  Brust  spielt mit dem Klischee der sexuellen Potenz des „Wilden”, der gleichzeitig begehrt und gefürchtet wird.

Sexy and Dangerous

Brook Andrew (geb. 1970), Sydney, 1996
Digitales Foto auf Duraclear, Acryl
Leihgabe Tollarno Galleries