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Get (Scheidebrief) von Siegfried Leopold für seine Frau Resi, geb. Heim


Nach jüdischem Recht wird die Annullierung einer Ehe erst durch die Anfertigung eines Scheidebriefes, genannt Get, und seine Aushändigung durch den Ehemann an seine Gattin gültig. Der Get ist somit nicht allein die formelle Bestätigung einer Scheidung, sondern erst die rituelle Überreichung des Dokuments an die Frau besiegelt die Trennung.
Geschrieben wird der Get von einem kundigen Schreiber beim rabbinischen Gericht, nachdem der Ehemann seinen Willen hierzu bekundet hat.

Form, Material und Schriftbild des Scheidebriefes müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Das aus Pergament oder Papier bestehende Dokument muss länger sein als breit, es darf weder radiert noch durchlöchert sein und soll mit Gänsekiel in schwarzer, reiner Tinte geschrieben sein. Der Text wird in hebräischer Quadratschrift in zwölf Zeilen verfasst, entsprechend dem numerischen Wert des Wortes Get, das sich aus den Buchstaben gimel (=3) und tet (=9) zusammensetzt.

Der seit Jahrhunderten festgelegte aramäische Wortlaut des Scheidebriefes benennt die Namen von Ehemann und -frau, das Datum und den Ort der Niederschrift und bedarf der Unterschrift von zwei Zeugen. Kern des Textes ist die Formulierung »Und jetzt sei losgelöst, entlassen und geschieden von mir, so dass dir erlaubt sei, über dich selbst zu verfügen und jeden Mann zu heiraten, den du willst.« Nach Übergabe an die Ehefrau wird das Dokument eingerissen, um jeglichen Missbrauch zu verhindern und an den Vorsitzenden des Gerichts weitergereicht.

Objektdaten:
Get (Scheidebrief) von Siegfried Leopold für seine Frau Resi, geb. Heim
Berlin, 12. August 1937
Papier, Tinte
36,6 x 25,8 cm

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