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Wanderbuch für den
Schuhmacher Leopold Willstätter


offenes Buch mit Eingabefelder und Eintragungen

Mannheim, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Metz, Paris. Dies sind die Orte, an denen der jüdische Schuhmachergeselle Leopold Willstätter (1817–1868) auf seiner Wanderschaft 1836 bis 1843 Station machte. 1817 in Karlsruhe als Sohn eines Lederhändlers geboren, gehörte er der Generation von deutschen Juden an, denen im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals die Möglichkeit eingeräumt wurde, ein Handwerk zu erlernen.

An jedem Ort musste der Wandergeselle sein Wanderbuch den Polizeibehörden vorlegen und es abstempeln lassen. In einer Zeit vor der Entstehung der Fotografie diente das Wanderbuch als Ausweis und folgerichtig wurde der Inhaber genau beschrieben: klein von Statur, mit länglichem Gesicht, offener Stirn und rundem Kinn, mit dunkelbraunen Haaren und Augenbrauen, hellbraunen Augen, mittlerer Nase und Mund sowie gesunden Zähnen. Außerdem verzeichneten seine jeweiligen Meister seine Arbeitsdauer und sein Benehmen.

Zu den deutschen Ländern, die jüdische Handwerker am stärksten förderten, zählte das Großherzogtum Baden, aus dem Willstätter stammte. Hier übten im Jahre 1832 mehr als ein Viertel der berufstätigen Juden ein Handwerk oder Gewerbe aus. Die meisten gaben jedoch aus verschiedenen Gründen nach einigen Jahren ihre Berufe auf und wandten sich dem Handel zu. Nicht so Leopold Willstätter. Ab 1845 arbeitete er als Schuhmacher in der Langen Straße in Karlsruhe und wurde 1865, drei Jahre vor seinem frühen Tod, zum Hofschuhmachermeister ernannt.

Objektdaten:
Wanderbuch für den Schuhmacher Leopold Willstätter
Karlsruhe, 22. April 1836– 1843
Buchdruck, Tinte, Textil
15,7 x 9,7 cm
Schenkung von Rudy Appel

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