Gedankenfutter

Menurkeys für Thanksgivukka?

Eine Menora, ein Blumenstrauß und das Buch »Curious George«

Intensive Recherchen in der Vorbereitung für Thanksgivukkah
Foto: Signe Rossbach

Chanksgiving! Als feierfröhliche Familie mit deutschen, amerikanischen, jüdischen, protestantischen, katholischen und puritanischen Wurzeln versuchen wir so viele Feste wie möglich in unserem Familienkalender unterzubringen. So ergibt sich für die ersten zwölf Novembertage, in denen es Halloween, den Geburtstag unserer Zwillinge und den traditionellen Laternenumzug zu St. Martin zu feiern gilt, ein dicht gedrängtes Feiertagsprogramm.

Kaum zu Atem gekommen, blicken wir schon in die nächste Festsaison, dieses Jahr in ungewöhnlicher Konstellation. Oft wird Chanukka, das jüdische Fest der Lichter und Wunder, mit dem christlichen Lichterfest zur Feier einer wundersamen Geburt assoziiert, mit Weihnachten also. Und das leuchtet auch ein. Jedenfalls oberflächlich besehen. Vor ein paar Jahren haben wir eine ganze Ausstellung dem Thema »Weihnukka« gewidmet, in der die kulturelle Evolutionsgeschichte der beiden Feste aufgerollt wurde. Und dieses Jahr, am 3. Dezember, wird Rabbiner Daniel Katz einen sehr unterhaltsamen Vortrag über Weihnachten und die Juden halten.

Doch Thanksgiving? Was kann dieses große, typisch nordamerikanische Erntedankfest, dieses zutiefst demokratische, den nicht-religiösen Zusammenhalt betonende Fest mit seinem überaus preiswerten (wenn auch – wie böse Zungen behaupten – ziemlich faden) Schmuckstück, dem Truthahn, mit Chanukka gemein haben?

 Spielfigur mit Schwert und Schild in einer Box

Juda Makkabi zum Kuscheln, Heroic Productions Inc., hergestellt in China, 2001-04.
Foto: Jüdisches Museum Berlin, Jens Ziehe

Lasst uns genauer hinsehen. Zunächst hätten wir da jeweils eine kleine Gruppen religiöser Eiferer, die Pilgerväter und die Makkabäer. Die ersten entkamen religiöser Verfolgung, indem sie an fremde Ufer flüchteten, mit dem Ziel, sich dort niederzulassen und die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen. Die zweite Gruppe dagegen wehrte sich in einer Art Guerillakampf gegen eben solche Besiedler, die im Namen einer fremden Macht – den syrischen Seleukiden – ihr Land besetzen und besiedeln wollten. Das Thanksgiving der Pilgerväter feiert das Überleben einer Gruppe von Einwanderern, die dies mit Hilfe bzw. auf Kosten (je nach Auslegung der folgenden Ereignisse) der einheimischen Bevölkerung bewerkstelligten. Mit Chanukka wird dagegen der Sieg einer einheimischen Bevölkerung über eine Fremdherrschaft gefeiert (wenngleich die Niederschlagung der Seleukiden in einem blutigen Bürgerkrieg tatsächlich erst viele Jahre nach der Wiedereinweihung des Tempels und dem angeblichen Lichtwunder stattfand).

Diese Vergleiche bringen uns also nicht wirklich weiter (zu einem ähnlichen Schluss kommt übrigens auch der Colbert Report). Es ist jedoch kein Zufall, dass ich von der Überschneidung von Thanksgiving und Chanukka zuerst aus der Rubrik »Dining & Wine« der »New York Times« erfuhr. Es gibt da nämlich doch etwas, das beide Festtage eint: Beide sehen als Zeichen des Danks für das Überleben die Zubereitung von Unmengen fettiger Speisen vor. Dem in Bratensoße schwimmenden Truthahn (um ihm wenigsten ein Quäntchen Geschmack abzuringen) und den mit Marshmellows überbackenen Süßkartoffeln (wirklich!) stehen die in ›wundersamem‹ Öl gebratenen Kartoffelpuffer (Latkes) und Krapfen (Sufganiot) gegenüber. Und da sich diese Gelegenheit erst in etwa 79.000 Jahren wieder bietet, sollten wir die Frage der Kolonisten und Kolonisierten kurz beiseitelassen und uns einem viel dringenderen Problem zuwenden: Was kochen wir nun zu Thanksgivukka?

Vier Schächtmesser, jeweils mit Abbildungen der Tiere verziert, die damit geschächtet werden

Schächtmesser (das zweite ist für Gans und Truthahn), ca. 1900, Litauen
© Gross Familiy Collection, Tel Aviv

Inspiriert von der »New York Times« habe ich mich also angeboten, den Chanukka-Part bei der alljährlichen Thanksgiving-Party unserer deutsch-amerikanischen Freunde beizusteuern – den Leuchter und die Latkes. Nachdem ich verschiedene Online-Rezepte für Zusammengewürfeltes durchgesehen hatte, beschloss ich, meinem üblichen Joan Nathan-Rezept für Latkes treu zu bleiben, es jedoch mit den für Thanksgiving so typischen Süßkartoffeln abzuwandeln. Wahrscheinlich werde ich den Sellerie, den Apfel, die Frühlingszwiebeln und den Majoran des Originalrezepts weglassen und stattdessen Zimt oder Piment und vielleicht ein wenig mehr Mehl als üblich hinzufügen, damit die Mischung gut zusammenhält. Und dann werde ich die Latkes mit einer wunderbaren, an Thanksgiving erinnernden Apfel- und Cranberry-Soße krönen, die ich bei buzzfeed.com unter deren Thanksgivukka-Rubrik gefunden habe.

Ich gebe Bescheid, wie’s am Donnerstag gelaufen ist. Und wenn Ihr uns Geschichten, Rezepte oder Fotos zu Thanksgivukka schicken wollt, würden wir uns freuen.

Euch allen einen fröhlichen Menurkey Day, auf dass Truthahn und Menora eine bekömmliche Verbindung eingehen!

Signe Rossbach, Kuratorin für Veranstaltungen

Süßkartoffel-Latkes

nach Joan Nathan

ZUTATEN:
500 g Süßkartoffeln, geschält und in Stücke geschnitten
1 mittelgroße Zwiebel, in Viertel geschnitten
1 großes Ei
¾ Teelöffel Salz
½ Teelöffel gemahlener Pfeffer
½ Teelöffel Zimt oder Piment
ca. 30g Mehl, evtl. etwas mehr
Pflanzenöl zum Braten

ZUBEREITUNG:
Den Ofen auf 160° vorheizen. Ein Ofenblech mit Backpapier versehen. Ein Sieb mit einem Küchenhandtuch auslegen und in eine große Schüssel stellen.

Die Süßkartoffeln und die Zwiebel grob reiben und zusammen auf das Handtuch legen. Das Handtuch aufnehmen und die Mischung fest ausdrücken, um so viel Flüssigkeit herauszupressen wie möglich. Flüssigkeit entsorgen. Die Kartoffelmischung in die Schüssel geben und Ei, Salz, Pfeffer, Zimt oder Piment zufügen und vermischen. Schließlich das Mehl dazugeben.

Den Boden einer großen, schweren Pfanne mit Öl bedecken. Die Pfanne über mittlerer Hitze heiß werden lassen. Portionsweise mit einem Löffel die Latkesmischung in die Pfanne geben und mit einem Pfannenwender in eine runde Form drücken. Die Mischung braten, bis sie durch und kross ist, etwa 3 Minuten pro Seite.

Cranberry Apfelsoße

nach Christine Byrne, BuzzFeed
Für 10-12 Personen

ZUTATEN:
2 Tassen frische oder gefrorene Cranberrys
½ Teelöffel gemahlener Zimt
½ Teelöffel gemahlener Muskat
55g Zucker
½ Tasse Manischewitz-Concorder Traubenwein
4 große Äpfel (Granny Smith)

ZUBEREITUNG:
Die Cranberrys, Gewürze, den Zucker und Wein in einen Topf mittlerer Größe geben. Die Mischung aufkochen lassen und dann auf niedriger Flamme 20 Minuten köcheln lassen. Die Äpfel schälen, das Kerngehäuse entfernen, in große Stücke schneiden und der Cranberry-Mischung beigeben. Mit Deckel die Soße weitere 20 Minuten köcheln lassen und dabei gelegentlich umrühren. Wenn die Soße anzusetzen droht, ein wenig Wasser hinzugeben.
Vom Herd nehmen und vor dem Servieren auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

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