»Jerusalem für alle Sinne«

Eine Führung für Blinde und Sehbehinderte durch die Ausstellung Welcome to Jerusalem im Jüdischen Museum Berlin

Tastmodell, das einen Überblick über alle Räume der Ausstellung »Welcome to Jerusalem« bietet

Dieses Tastmodell gibt einen Überblick über alle Räume der Ausstellung und erklärt den Weg durch die Ausstellung. Wie auch die anderen Tastmodelle, die auf dieser Seite abgebildert werden, wurde es von Jonas Hauer erstellt; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Birgit Maurer-Porat

Ein »Museum für alle«, also »zugänglich« – das wollen wir sein bzw. werden. Der Weg zu diesem Ziel ist lang und nicht immer einfach zu beschreiten, und auch die richtige Richtung ist nicht immer leicht zu bestimmen: Neue Ansätze müssen entwickelt, erprobt und mitunter auch wieder verworfen werden. Das, was den Zugang für die*den Einzelne*n erschwert oder gänzlich verbaut, kann zudem sehr unterschiedliche Ursachen haben: Mal bildet die Sprache die Barriere, mal die Architektur, mal die Art der Vermittlung, mal das Thema oder die Perspektive, um nur einige zu nennen.

Umso wichtiger ist für uns deshalb das Feedback unserer Besucher*innen: Ihre Kritik hilft uns, bestehende Angebote zu verbessern und zugänglicher zu machen. Und Ihr Lob motiviert uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, auch gegen Widerstände, die uns leider mitunter begegnen. Auch deshalb haben wir uns über die Erlaubnis zum Nachdruck des folgenden Beitrags von Gerald Pirner sehr gefreut, der für so manche*n eine neue Perspektive auf die Ausstellung Welcome to Jerusalem eröffnen könnte …

Nach den Eingangskontrollen der Lichthof. Licht erfahren da nicht nur die Sehenden: eine Weite tut sich hier akustisch auf, als träte man ins Freie und ist doch in einem geschlossenen Raum.  weiterlesen


»Was auch immer du sehen willst – du kommst nach Jerusalem und findest es dort.«

Stimmen von Besucher*innen unserer Jerusalem-Ausstellung

Postkarte mit der Aufschrift "Make hummus not war"

Besucher*innen können einen Kommentar, einen Gruß oder anderes auf eine Postkarte schreiben und sie an einer Wand am Ende der Ausstellung hinterlassen, auf der »nächstes Jahr in Jerusalem« steht; Jüdisches Museum Berlin.

Ich stehe im Gang am Ende der aktuellen Ausstellung Welcome to Jerusalem (mehr dazu auf unserer Website) und spreche nach dem Zufallsprinzip Besucher*innen an, die offen wirken für ein kurzes Gespräch über die Ausstellung.

War das hier gerade Ihr erster Besuch in Jerusalem?

Elke (um die 50 Jahre alt) aus Berlin war im Jahr 2000 in Jerusalem und hat in der Ausstellung einiges wiedererkannt. Norbert (69) aus Bremen war noch nie dort, aber die Ausstellung hat ihm Lust gemacht, »diesen ungeheuren Mischmasch aus Religionen und Völkern« zu sehen.

Auf Marianna und Marta aus Italien, die gerade erstmals ›in der Stadt waren‹, wirkt Jerusalem vor allem alt, international und reich an Geschichte. Lorenza (54), ebenfalls aus Italien, fand die Videoinstallationen in der Ausstellung besonders interessant, weil sie das moderne Jerusalem zeigen, in dem zugleich die Tradition anwesend ist. Alle drei würden wegen der politischen Lage derzeit aber keine reale Reise nach Jerusalem wagen.

Die Israelis Malka (58) und Shani (27) wohnen bei Tel Aviv, kennen aber auch Jerusalem recht gut, Jonny (27) und Nora (24) haben sogar dort geheiratet.

Entspricht das Jerusalembild in der Ausstellung Ihrem Jerusalem?

 weiterlesen


Wie wär’s mit etwas mehr Ambiguitätstoleranz?

Ein Interview mit Mohamed Ibrahim und Shemi Shabat über die Tandem-Führung Jerusalem im Dialog

Seit April 2018 bieten wir unter dem Titel Jerusalem im Dialog Tandem-Führungen (mehr zur Tandem-Führung) durch unsere aktuelle Wechselausstellung Welcome to Jerusalem an (mehr zur Ausstellung). Jeweils zwei Guides mit persönlicher Beziehung zu Jerusalem sprechen dabei aus unterschiedlicher Perspektive über die Stadt und die Ausstellung, die noch bis 30. April 2019 zu sehen ist.

Das Format Tandem-Führung entstand im Rahmen einer Weiterbildung zum/r Museumsguide, die wir in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) durchführten (mehr zur Weiterbildung), und die vom Deutsch-Palästinenser Mohamed Ibrahim und dem Israeli Shemi Shabat mitkonzipiert und begleitet wurde.

Porträtfoto von zwei Männern in Frontalansicht. Sie lächeln und tragen Anzüge, aber keine Krawatten.

Mohamed Ibrahim und Shemi Shabat bei der Flechtheim-Preisverleihung des Humanistischen Verbands Deutschland und der Humanismus Stiftung; Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg KdöR

 

Andy Simanowitz sprach mit den beiden Trainern über die Weiterbildung, das Konzept Tandem-Führung und ihre Beziehung zu Jerusalem.

Andy Simanowitz: Könnt ihr euch und eure Arbeit zunächst bitte kurz vorstellen?

Shemi Shabat: Ich bin Shemi, ich bin in Tel Aviv geboren und aufgewachsen und vor 11 Jahren nach Berlin gekommen. Damals fragte mich ein Kollege, ob ich mir vorstellen könnte, zusammen mit einem Palästinenser Workshops zum Nahost-Konflikt Palästina/Israel zu entwickeln: Mittlerweile machen wir das seit 10 Jahren und gehen zusammen als Deutsch-Palästinenser und Israeli in Schulen, um mit Schüler*innen über das Thema Nahost-Konflikt zu sprechen. Inzwischen ist das sogar mein zweites Standbein, außerdem bin ich noch als Berater im Antidiskriminierungsnetzwerk des Türkischen Bunds Berlin/Brandenburg tätig.

Mohammed Ibrahim: Ich bin Mohamed, Deutsch-Palästinenser, lebe seit über 40 Jahren in Berlin, komme aus einem Flüchtlingslager im Libanon und bin in West-Berlin groß geworden. Ich habe hier Politik mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen studiert, mein regionaler Schwerpunkt war die MENA Region und der Nahost-Konflikt. Hauptberuflich bin ich in der Entwicklungszusammenarbeit bei einer Durchführungsorganisation der Bundesregierung tätig. Die Trainertätigkeit mit Shemi führe ich, wie er schon sagte, seit über 10 Jahren durch.

 weiterlesen

Veröffentlicht unter Best Practice, Bildung, Welcome to Jerusalem
Verschlagwortet mit ,