Musikalische Entdeckungen und eine Künstlerfamilie zwischen Jerusalem und Berlin

Interview mit Elena Bashkirova

Vom 7. bis 11. Mai findet im Glashof unseres Museums erneut das Kammermusikfestival »intonations« statt. Katharina Schmidt-Narischkin und Sylvia Winkler von der Pressestelle unseres Museums sprachen vorab mit der künstlerischen Leiterin Elena Bashkirova.

Katharina Schmidt-Narischkin, Sylvia Winkler: Welchen Themenschwerpunkt setzen Sie als Festivalleiterin in diesem Jahr?

Eine lachende Frau sitzt an einem Konzertflügel

Elena Bashkirova, Festivalleiterin und Pianistin
© Monika Rittershaus

Elena Bashkirova: Zwei Jahrestage geben bei diesem Festival die Schwerpunkte vor: zum einen der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und seine unmittelbaren Auswirkungen auf die Musik. Zum anderen natürlich der 150. Geburtstag von Richard Strauss. Beide Jahrestage versprechen ein abwechslungsreiches Programm für »intonations«: 1914 herrschte eine erstaunliche Fülle an musikalischen Stilrichtungen, die sich auch in unseren Konzerten widerspiegeln. Außerdem hat Richard Strauss beinahe sein ganzes Leben lang Kammermusik geschrieben. So konnte ich aus vielen sehr unterschiedlichen Stücken und Genres wählen.

Wie jedes Jahr treffen bei »intonations« Klassiker der Kammermusik auf unbekannte Werke. Welche Komponisten können die Besucher bei der dritten Auflage entdecken?  weiterlesen


Ein kleines Fenster zur Geschichte

Eine neuerworbene Pessach-Haggada und ihre früheren Kreuzberger Besitzer

In der kommenden Woche, am Abend des 14. April, findet der erste Seder des Pessachfests statt. Juden in der ganzen Welt werden sich mit ihren Familien und Freunden an festlich gedeckten Tischen zusammenfinden und die jahrhundertalte Tradition des Lesens der Haggada aufleben lassen. Darin wird die Geschichte von der Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft nacherzählt und die festgelegte Ordnung des Abends vorgegeben.

Titelblatt der Haggada in Hebräisch und Deutsch sowie handschriftliche Eintragungen auf der Klappe

»Erzählung von dem Auszuge Israels aus Egypten an den beiden ersten Pesach-Abenden«, Rödelheim bei Frankfurt am Main 1848
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Aubrey Pomerance

Vor kurzem fiel mir in einer Online-Auktion eine Haggada auf, die ich für einen kaum nennenswerten Betrag für die Sammlung des Jüdischen Museums erwerben konnte. Das 1848 in Rödelheim bei Frankfurt am Main gedruckte und unter dem Titel Erzählung von dem Auszuge Israels aus Egypten an den beiden ersten Pesach-Abenden veröffentlichte Buch beinhaltet den hebräischen Text der Haggada zusammen mit einer von Wolf Heidenheim angefertigten deutschen Übersetzung. Es ist die ca. zwanzigste Ausgabe seiner 1822/23 erstmals herausgebrachten Haggada, welche die deutsche Übersetzung in hebräischen Lettern wiedergab. In diesem Fall aber verwendet er, wie erstmals 1839, lateinische Buchstaben.

Am Druck unserer Ausgabe der Haggada ist nichts Bemerkenswertes.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 19. März 2014 0 Kommentare

InderKinder

Über den kreativen Umgang mit Zuschreibungen

Buchcover von »InderKinder« mit einem Foto spielender Kinder

Buchcover
© Draupadi Verlag

In der Akademie des Jüdischen Museums stellen Urmila Goel und Nisa Punnamparambil-Wolf morgen das von ihnen herausgegebene Buch InderKinder – Über das Aufwachsen und Leben in Deutschland (Drapaudi Verlag) vor. Es ist die dritte Veranstaltung der Reihe »Neue deutsche Geschichten«, in der wir anhand von Biografien die Geschichte und Gegenwart Deutschlands als Migrationsgesellschaft beleuchten. In der Lesung und Diskussion kommen dieses Mal die Kinder von Migrantinnen und Migranten aus Indien zu Wort, die erst seit der Green-Card-Kampagne im Jahr 2000 auch öffentlich wahrgenommen werden.

Wir haben den beiden Herausgeberinnen Urmila Goel und Nisa Punnamparambil-Wolf vorab drei Fragen gestellt:

Wie kam es zu dem Buchtitel?

Mit dem Buchtitel nehmen wir Bezug auf die ausgrenzende »Kinder statt Inder«-Kampagne aus dem Jahr 2000. Das Wortspiel »InderKinder« geht ironisch damit um, dieser kreative Umgang mit Zuschreibungen war uns wichtig. Mit dem Buch wollen wir zeigen, wie vielfältig Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und leben, mit der Zuschreibung umgehen, Kind von indischen Migrantinnen und Migranten zu sein.

Das Buch besteht aus zwei Teilen – autobiografischen Erzählungen und Essays. Was für ein Konzept verfolgen Sie damit?   weiterlesen