Veröffentlicht von am 3. Februar 2014 0 Kommentare

»Das war nicht unser Deutschland«

Als Fred Stein 1933 Deutschland verlassen musste, war er gerade mal 24 Jahre alt. Der Sohn eines Rabbiners und Mitglied der sozialistischen Arbeiterpartei, hatte Jura studiert und wollte sich als Anwalt für die Rechte anderer Menschen einsetzen. Als er  durch Zufall erfuhr, dass die Gestapo ihn verhaften wollte, floh er unter Vortäuschung einer Hochzeitsreise mit seiner Ehefrau Lilo nach Paris. Im Exil war das junge Ehepaar gezwungen, sich beruflich neu zu orientieren.

Fred Stein, hinter ihm Schilder mit der Aufschrift »Willkommen in Berlin«

Fred Stein, Berlin 1958
© Estate of Fred Stein

Das gemeinsame Hochzeitsgeschenk, die Leica, erwies sich dabei als das richtige Werkzeug: Fred Stein begann zu fotografieren und fertigte Straßenbilder der Stadt Paris und  Porträtaufnahmen von bekannten Persönlichkeiten an, viele davon Emigranten aus Deutschland. 1941 gelang Fred und Lilo Stein, nun mit gemeinsamer Tochter, die Flucht ein zweites Mal. Mit einem der letzten Schiffe erreichten sie New York. Dort nahm Fred Stein die Porträt- und Straßenfotografie wieder auf.

1958 kehrte Fred Stein das erste Mal nach 25 Jahren nach Deutschland zurück. Anlass der Reise  war das geplante Buch Deutsche Portraits, das Will Grohmann herausgeben wollte. Fred Stein erhielt den Auftrag, Politiker wie Konrad Adenauer, Heinrich Lübke und Ludwig Erhard sowie Künstler, Schriftsteller und Verleger wie etwa den jungen Axel Springer oder Rudolf Augstein zu fotografieren. Es scheint ihm schwer gefallen zu sein, so manchen deutschen Kopf für die Publikation abzulichten.  weiterlesen