Weder König David noch Cilly Kugelmann können das Problem lösen

Über die Schwierigkeit der Ausstellungsmacher*innen von »Welcome to Jerusalem«, dem Ideal der Gerechtigkeit gerecht zu werden

Auf dem Farbfoto ist die Fassade des Jüdischen Musuems Berlin mit dem einem Verkehrsschild nachempfundenen Schild mit der Aufschrift Welcome to Jerusalem in den Spachen Englisch, Arabisch und Hebräisch zu sehen.

Das viel diskutierte Schild an der Museumsfassade; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jule Roehr

In der islamischen Tradition bzw. im Koran selbst wird die biblische Geschichte von David und Urija in einer von der Bibel abweichenden metaphorischen Form erzählt (Koran: Sure 38/21-25): Zwei Brüder kommen zu König David und fordern ihn auf, einen Streit zwischen ihnen zu entscheiden. Einer von beiden skizziert den Sachverhalt. Er erzählt David, dass sein Bruder 99 weibliche Schafe besitze, er selbst jedoch nur eines. Nun habe ihn sein Bruder unter Druck gesetzt, ihm dieses einzige weibliche Schaf auch noch zu überlassen. Unmittelbar nach dieser knappen Schilderung verkündet David sein Urteil: Mit seinem Wunsch, das eine Schaf den 99 hinzufügen zu wollen, habe der eine Bruder dem anderen Unrecht getan. Der Richterspruch könnte der Erzählung ein Ende setzen, würde David nicht schlagartig von der Erkenntnis getroffen, dass sein Urteil ungerecht war. Er bereut seine Entscheidung zutiefst.  Zahllose muslimische Korankommentatoren diskutierten über die plötzliche Wendung in der Erzählung. Eine Erklärung für die Bewertung des Urteils als ungerecht trotz des sich so eindeutig darstellenden Sachverhalts lautet, dass David sein Urteil gefällt habe, nachdem er nur einer Seite zugehört habe. Die Moral der Geschichte ist gemäß dieser Interpretation, dass man in Konflikten oder Streitfällen die Perspektiven und Argumente beider Seiten in seinem Handeln berücksichtigen muss.  weiterlesen


Geboren 1918, zwei Minuten entfernt von der elterlichen Parfümerie am Kurfürstendamm

Fritz Scherk und die Geschichte eines Berliner Familienunternehmens

Ein Kleinkind sitzt auf einem Stuhl und lacht, neben ihm ein reich gedeckter Tisch.

Fritz Scherk an seinem zweiten Geburtstag, Berlin 26. Mai 1920; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Irene Alice Scherk, Foto: Jens Ziehe

An einem reich bestückten Geburtstagstisch sitzt ein quietschvergnügter Nackedei, der offenbar gerade den Spaß seines Lebens hat. So ein Foto könnte auch heute entstanden sein, dachte ich, als ich in dem Tagebuch, das Ludwig und Alice Scherk für ihren Sohn Fritz geschrieben hatten, dies Bild sah. Nichts dergleichen: das fröhliche Kind wäre heute 100 geworden.

1918 war kein Jahrgang für ein ruhiges Leben, schon gar nicht für ein Mitglied einer deutsch-jüdischen Familie. Eigentlich war das zweite Kind der Familie schon 1916 geplant, drei Jahre nach Geburt des ersten Sohnes, aber der Kriegsausbruch kam dazwischen. Am 26.05.1918 war es aber dennoch so weit: Fritz erblickte neben dem Bechstein-Flügel der Mutter das Licht der Welt – bei kriegsbedingter Kerzenbeleuchtung, nur zwei Minuten entfernt vom elterlichen Geschäft, der Parfümerie Scherk am Kurfürstendamm.  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 12. Mai 2018 2 Kommentare

Warum das Jüdische Museum Berlin allen Grund hat, 2019 endlich ein Kindermuseum zu eröffnen

Kleine Geschichte einer revolutionären Museumsgattung

Tuschezeichnung: Querschnitt eines Schiffsbauchs aus dem Brücken ragen, auf denen große und Kleine Figuren sowie Tiere stehen.

Bis 2019 entsteht in der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin ein Kindermuseum mit dem Thema »Arche Noah«; Jüdisches Museum Berlin, Entwurf: Olson Kundig Architecture and Exhibit Design, Seattle/WA, USA

 

»Do not touch!« – Drei Worte, die unausweichlich mit traditionellen Museen in Verbindung stehen. Sie markieren einen institutionellen Balanceakt. Auf der einen Seite sollen die dort gesammelten historischen Gegenstände und Kunstwerke einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Auf der anderen Seite gilt es, die Objekte vor dem Schaden zu bewahren, den zu viel Intimität seitens der Besucher*innen bewirken könnte. Ungeachtet dessen, was die Museologin Fiona Candlin als »low-key unauthorized touch« beschreibt – das Streicheln von Statuen im unbeobachteten Moment, das heimliche Nachfahren von Hieroglyphen mit dem Zeigefinger –, bleibt der Museumsbesuch zumeist eine primär visuelle Erfahrung.  weiterlesen

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