Hefezöpfe und bequeme Schuhe: ein Freiwilliges Jahr im Jüdischen Museum Berlin

Janik Petersdorff vor dem Eingang der Akademie Jüdischen Museums Berlin

Auf dem Weg zur Arbeit; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Anne Richter

Endlich mit der Schule fertig und keine Ahnung wohin? Ein Auslandsjahr vielleicht? Gleich studieren? Oder doch eine Ausbildung machen? Das sind die Fragen, die auch ich mir nach meinem Schulabschluss gestellt habe. Aufgrund meiner Begeisterung für die Berliner Museen und meinem Interesse an kultureller und wissenschaftlicher Arbeit hielt ich es für sinnvoll, mich durch ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJK) mit diesem Arbeitsfeld vertraut zu machen. Das Jüdische Museum Berlin war allerdings nicht meine erste Anlaufstelle, denn nachdem ich die Online-Bewerbung für mein FSJ ausgefüllt hatte, wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch im Archäologischen Zentrum der Staatlichen Museen zu Berlin eingeladen. Weil ich mich sehr für altägyptische Geschichte interessiere, hörte sich das natürlich optimal für mich an. Als ich eine Absage bekam, war meine Enttäuschung groß, doch ich hoffte erst einmal auf weitere Angebote meines Trägers. Die ließen allerdings auf sich warten.  weiterlesen

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Veröffentlicht von am 23. Juni 2016 0 Kommentare

Boris Lurie – Versuche der Annäherung für Schüler*innen

Nina Wilkens vor ihrem Computermonitor

Nina Wilkens betrachtet an ihrem Bildschirm die Collage »Gefundene Objekte auf einer Kartonbox«; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svenja Kutscher

Fünf schwarz-weiß Fotografien einer fast unbekleideten Frau in verschiedenen aufreizenden Posen, beschmutzt und schief auf Kartonpapier geklebt. Darauf ein mit gelblicher Farbe beschmierter Davidstern. Neben dem weißen Karton ist ein brauner Dildo befestigt. Diese Konstellation an Dingen sieht auf den ersten Blick wie wertloser Abfall aus. Gegenstände, die auf der Erde gelegen und Dreck und Flüssigkeiten abbekommen haben und nun neben- und aufeinander gelegt worden waren. Das Werk von Boris Lurie, das in unserer aktuellen Ausstellung »Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie« (weitere Informationen zur Ausstellung auf unserer Website) zu sehen ist, hat keinen Namen, die Jahresangabe ist uneindeutig.

An diesem Bild blieb ich hängen, als ich vor etwa einem Jahr begann, über das pädagogische Programm zu Boris Lurie nachzudenken und mich an meinem Computer durch einen Ordner mit Fotos von Werken klickte, die für unsere Ausstellung interessant schienen. Mich irritierte meine Reaktion auf die Collage aus zwei- und dreidimensionalen Objekten: ein Schwanken zwischen Ekel und Verunsicherung. Ich wollte die Worte »obszön oder geschmacklos« in den Mund nehmen und fand sie unpassend. Das Bild tat weh. Ich fragte mich, wie Schüler*innen auf die Kunst von Boris Lurie reagieren würden.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 14. Juni 2016 2 Kommentare

Wie ich meinen inneren Hans-Jürgen entdeckte

Unser Projekt zur Topografie jüdischen Lebens in Deutschland

Dana Müller fotografiert einen Stolperstein

Stolperstein für Editha Machol in der Yorkstraße 88 in Kreuzberg; Jüdisches Museum Berlin

»Ich habe für Dich wieder Hans-Jürgen gespielt«, sagte mein Vater vergnügt, als er mich am Pfingstwochenende anrief. Hans-Jürgen ist 68, pensionierter Lehrer und interessiert sich für jüdische Regionalgeschichte. Nun ist mein Vater kein pensionierter Lehrer und heißt eigentlich Rudi, hat aber sozusagen Hans-Jürgen-spezifisches Verhalten gezeigt: Er hat an einer öffentlichen Führung auf einem jüdischen Friedhof in seinem Heimatort teilgenommen, seine Eindrücke fotografisch festgehalten und uns nach Berlin geschickt. Denn Hans-Jürgen gibt es so gar nicht, er ist nur eine der fiktiven Personen, die wir genutzt haben, um einen Prototypen – eine Art Test-Vorab-Version – für eine kartografische Anwendung zu entwickeln. Dieser Prototyp ist die Grundlage für das Online-Portal, das wir in den kommenden zwei Jahren im Jüdischen Museum Berlin realisieren wollen. Ziel ist es, erstmals umfassende Informationen zu Orten jüdischen Lebens in Deutschland zentral zu erfassen und auf einer interaktiven Karte online zugänglich zu machen.  weiterlesen