Veröffentlicht von am 23. Juni 2016 0 Kommentare

Boris Lurie – Versuche der Annäherung für Schüler*innen

Nina Wilkens vor ihrem Computermonitor

Nina Wilkens betrachtet an ihrem Bildschirm die Collage »Gefundene Objekte auf einer Kartonbox«; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svenja Kutscher

Fünf schwarz-weiß Fotografien einer fast unbekleideten Frau in verschiedenen aufreizenden Posen, beschmutzt und schief auf Kartonpapier geklebt. Darauf ein mit gelblicher Farbe beschmierter Davidstern. Neben dem weißen Karton ist ein brauner Dildo befestigt. Diese Konstellation an Dingen sieht auf den ersten Blick wie wertloser Abfall aus. Gegenstände, die auf der Erde gelegen und Dreck und Flüssigkeiten abbekommen haben und nun neben- und aufeinander gelegt worden waren. Das Werk von Boris Lurie, das in unserer aktuellen Ausstellung »Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie« (weitere Informationen zur Ausstellung auf unserer Website) zu sehen ist, hat keinen Namen, die Jahresangabe ist uneindeutig.

An diesem Bild blieb ich hängen, als ich vor etwa einem Jahr begann, über das pädagogische Programm zu Boris Lurie nachzudenken und mich an meinem Computer durch einen Ordner mit Fotos von Werken klickte, die für unsere Ausstellung interessant schienen. Mich irritierte meine Reaktion auf die Collage aus zwei- und dreidimensionalen Objekten: ein Schwanken zwischen Ekel und Verunsicherung. Ich wollte die Worte »obszön oder geschmacklos« in den Mund nehmen und fand sie unpassend. Das Bild tat weh. Ich fragte mich, wie Schüler*innen auf die Kunst von Boris Lurie reagieren würden.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 1. Juni 2016 0 Kommentare

Ein unlösbarer Fall …?

Eine Fotosammlung aus einem Versteck in Berlin-Friedrichshain

Schwarz-weiß Fotografie eines Mädchens, das an einer Tür steht

Ein Mädchen vor einer Tür stehend, vermutlich Berlin ca. 1918–1922; Jüdisches Museum Berlin

Wenn ich eine neue Mappe mit Fotografien öffne, weiß ich nie, was mich erwartet, in wessen Gesichter ich blicke und welche Schicksale sich dahinter verbergen. Häufig sind die Aufnahmen Teil einer größeren Sammlung, welche aus Dokumenten, Alltags- und Kunstgegenständen besteht und bei der wir die Biografien der erwähnten Personen genau kennen beziehungsweise recherchieren können. So war es zum Beispiel bei den Fotografien der Kabarettistin Olga Irén Fröhlich, die ich bereits hier im Blog vorgestellt habe. Dieses Mal aber werden die abgebildeten Personen für mich unbekannt bleiben; ich werde ihnen keine Namen und keine Geschichten zuordnen können. Vielleicht können Sie es?!  weiterlesen


Veröffentlicht von am 29. April 2016 0 Kommentare

Im Schatten des Mengele-Mythos

Porträtfotografien von Noga Shtainer

Portrait von Noga Shtainer

Noga Shtainer während eines Künstlergesprächs anlässlich ihrer Ausstellung in Berlin 2015 © Noga Shtainer

Noga Shtainer war mit ihrer Kamera schon häufig auf Reisen, zum Beispiel für ihre Fotoprojekte »Home for Special Children« in der Ukraine oder »Twins« in Brasilien. Aufnahmen aus diesem Projekt sind seit dem 1. April 2016 im Kunstautomaten in der Dauerausstellung zu erwerben (mehr Informationen auf unserer Website). Seit 2010 lebt die Fotografin in Berlin, wo ich sie vor zwei Jahren kennengelernt habe (mehr dazu in meinem Blogbeitrag vom Mai 2015).

Dass Noga Shtainer Fotografin ist, ist Zufall, denn eigentlich wollte sie Schauspielerin werden. Doch die Aufnahmeprüfung an der WIZO Kunstschule in Haifa bestand sie nicht. Stattdessen wurde ihr empfohlen, sie solle sich für die Fotoklasse bewerben. Zur Einreichung der Bewerbungsmappe blieben Noga allerdings nur zwei Tage Zeit.  weiterlesen

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