Veröffentlicht von am 26. Januar 2014 0 Kommentare

Die Geschichte von Uri Kozower

Schwarz-Weiß-Foto, Paar mit  Baby auf dem Arm

Gisela und Philipp Kozower mit ihrer Tochter Eva im August 1932
© Friends of the Jewish Museum New York, Princeton; Schenkung von Klaus M. Zwilsky

Philipp Kozower ist 37 Jahre alt und Rechtsanwalt, als er 1931 die 23-jährige Medizinstudentin Gisela heiratet. Ein Jahr später bringt Gisela ihr erstes Kind zur Welt: Eva. Die frischen Eltern lassen sich mit ihrem Baby im Berliner Monbijou-Park ablichten. Auf dem Foto trägt Gisela ein helles Kleid und einen Strohhut. Das schlafende Kind hält sie – etwas ungelenk – in die Kamera, als sollte dokumentiert werden, dass es existiert.

Als im Jahr 1934 Evchens Schwester Alice geboren wird, haben die Nationalsozialisten bereits viele Maßnahmen getroffen, um Juden systematisch vom öffentlichen Leben auszuschließen. Unser online-Projekt »1933: Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums« erzählt anhand von Dokumenten aus dem Archiv des Jüdischen Museums Berlin, was diese Maßnahmen für deutsche Juden bedeuteten. Auf die Geschichte der Familie Kozower gehen wir mit Fotografien und Briefen in einer Vitrine unserer Dauerausstellung ein.  weiterlesen


»War denn Goethe auch ein Jude?«

Wenn man unseren Bibliothekskatalog nach Goethe befragt, könnte man auf diese Idee kommen:  70 Treffer von und über den deutschen Dichter (bei Schiller sind es 16). Und in unserer Dauerausstellung stand vor einigen Jahren noch die stattliche Goethe-Ausgabe der Cotta’schen Buchhandlung aus dem Jahr 1867. Viele Besucher fragten damals unseren Besucherservice: »War denn Goethe auch ein Jude?« Nein, war er nicht, aber er galt vielen deutschen Juden als Inbegriff der deutschen Kultur und seine Werke symbolisierten die  Zugehörigkeit zum deutschen Bildungsbürgertum.

Vitrine mit Goethe-Büste und Büchern im Museumsraum

Ehemalige Goethe-Installation in der Dauerausstellung
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Marion Roßner

Vor einigen Monaten hat uns die Richard M. Meyer Stiftung über hundert Bücher von und über den Bankierssohn, Kunstsammler, Literaturwissenschaftler und eben Goethe-Forscher Richard M. Meyer geschenkt. Meyer hat nie eine ordentliche Professur bekommen, seine 1895 erschienene Goethe-Biographie wurde prämiert und in zahlreichen mehr- und einbändigen, Vorzugs- und Volksausgaben aufgelegt. Darin heißt es, Goethe habe »die Nationalitäten nur als Übergangsformen« angesehen (Volksausgabe 1913, S. 352). Solche Äußerungen veranschaulichen das Dilemma deutsch-jüdischer Assimilation dieser Zeit. Rückte ein jüdischer Interpret Goethes Kosmopolitismus in den Vordergrund, setzte er sich dem Vorwurf aus, das deutsche Wesen zu verkennen;  weiterlesen


»Zu dieser Zeit sah ich Gepeinigte vor ihren Peinigern stehn«

… vor 50 Jahren begann der Auschwitz-Prozess

Am 20. Dezember 1963 wurde im Plenarsaal des Frankfurter Römers die bis dato größte und längste bundesdeutsche Gerichtsverhandlung über die Verbrechen in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern eröffnet. Vor Gericht standen 22 ehemalige Angehörige der Lagermannschaft, die zwischen 1941 und 1945 im KZ Auschwitz gearbeitet hatten. Der ranghöchste Angeklagte und letzte Kommandant des Lagers Richard Baer war unmittelbar vor Beginn des Prozesses verstorben; gegen viele andere Personen wurde gar nicht erst Anklage erhoben – nicht zuletzt, weil fast alle Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus, wie etwa Totschlag, bereits als verjährt galten.

Ein Mann in Anzug und Krawatte an einem Schreibtisch

Hans Hofmeyer
© Schindler‐Foto‐Report

Da die bundesdeutsche Gesetzgebung die juristische Grundlage der alliierten Nachkriegsprozesse nicht in bundesdeutsches Recht überführt hatte, musste sich das Verfahren in Frankfurt am Main – ebenso wie die darauf folgenden NS-Prozesse – auf das Reichsstrafgesetzbuch aus dem Jahr 1871 berufen. Dies hatte zur Folge, dass sich die Anklage auf Mord und Beihilfe zum Mord beschränkte und das Gericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters Hans Hofmeyer abschließend beurteilen musste, ob die Angeklagten persönlich an Mordtaten beteiligt waren und damit gegen geltendes Recht verstoßen hatten.  weiterlesen