Veröffentlicht von am 20. Juni 2013 0 Kommentare

Sind das die jüdischen Rebellen von morgen?

Haus mit Baum und Wiese

Alpines Jugendhotel

Was ist das Neueste vom Neuen in der jüdischen Jugendszene? Um das herauszufinden, fuhr ich in ein entlegenes Alpendorf zu einem Machane, einem Sommercamp, wo sich unter achtzehnjährige jüdische Jugendliche aus Europa trafen. In der Erwartung, dort jüdische Ideen, Themen, Trends und das Mem der Zukunft auskundschaften zu können, hielt ich Augen und Ohren offen für interessante Modeerscheinungen, coole Musik, neue Medien, Spiele, Slang und Speisen.

Auslöser meiner Suche war der Gedanke an die vielen Neuerungen, die von der gegenwärtigen Generation herbeigeführt wurden. So haben Abweichler ihren traditionellen Tallit (Gebetsmantel) durch eine bunte Variante mit Lilien und Regenbogen ersetzt. Andere haben Trip-Hop-Versionen von jüdischen Liedern produziert, einen Matza Rap und Parodien auf Geschichten aus dem Alten Testament auf YouTube hochgeladen.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 14. Mai 2013 0 Kommentare

Die lange Nacht des Tikkun

oder was wir von liebenden Frauen lernen können

Vor Kurzem entdeckten wir beim Stöbern im Netz, dass drei junge Jüdinnen eine Gruppe gegründet haben, die sich »für die Vielfalt an unterschiedlichen Facetten jüdischer Identität und … ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin« einsetzen möchte. Sie nennt sich Hamakom (hebräisch: ›der Ort‹) und will unter anderem die Begegnung von Israelis und jüdischen Deutschen fördern. Als erste Veranstaltung führt diese Gruppe nun einen Tikkun lel Schawuot zum Thema »Frauen & Liebe« durch. Der Veranstaltungsname ist Programm: Er knüpft an die Tradition an, in der Nacht zu Schawuot bestimmte biblische Texte und deren Auslegungen zu studieren und zu diskutieren. Diese Wahl zeigt, welche Bedeutung das Fest in diskursiv angelegten jüdischen Selbstverständigungsprozessen hat.

Holzschnitt: Rut und Noomi im Feld

Jakob Steinhardt, Illustration zum Buch Rut, 1955-1959, Holzschnitt
© Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Josefa Bar-On Steinhardt, Naharyia, Israel

Schawuot beginnt dieses Jahr am Abend des 14. Mai und endet zwei Tage später. Es ist ein Feiertag von ungewöhnlich vielfältiger Bedeutung, der in jeder Epoche neu entdeckt und definiert wurde. Ursprünglich war er dem Beginn der Erntezeit gewidmet, die eine Pilgerreise in den Jerusalemer Tempel umfasste. Dort brachte man Erstlingsfrüchte und zwei Weizenbrote dar. Im Talmud gilt Schawuot als das Fest, an dem das Volk Israel die Tora empfing. Um sich auf diese Gabe vorzubereiten, wird  der Feiertag hier auch als Azeret beschrieben, eine feierliche Versammlung, die vor allem eine Nacht des gemeinsamen Nachdenkens und Diskutierens währt. Das Tikkun lel Schawuot, wie dieses nächtliche Symposium im Hebräischen heißt, bedeutet wörtlich übersetzt: ›die Verbesserung in der Nacht des Wochenfests‹. Es wurde zum ersten Mal im kabbalistischen Sohar-Buch erwähnt und gewann im 16. Jahrhundert an Bedeutung.

Die jüdische Version des gemeinsamen Studierens und Diskutierens unterscheidet sich von ihrem griechischen Pendant,  weiterlesen

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»Go down Moses« und die Orange auf dem Seder-Teller

Bunt verzierter Seder-Teller

Seder-Teller von Harriete Estel Berman, USA 2003
© Foto: Jens Ziehe, Jüdisches Museum Berlin

Pessach ist ein Fest, das nicht nur in ritualisierter Form an ein historisches Ereignis erinnert. Es appelliert auch daran, den Auszug aus Ägypten nachzuleben und sich die göttliche Gnade zu vergegenwärtigen, aus der Fronarbeit befreit worden zu sein. Wie viele jüdische Feste wurde und wird die biblische Ursprungsgeschichte mit anderen historischen Ereignissen in Beziehung gesetzt. Das Ägypten aus der Exodus-Geschichte wurde im 17. Jahrhundert zur Ukraine und zu Weißrussland, wo der Kosakenhauptmann Bogdan Chmielnicki im Zuge seines Befreiungskampfes von Polen mehrere Hunderttausend Juden ermorden ließ. Im 20. Jahrhundert wurde Deutschland unter der Nazi-Herrschaft zum Land, aus dem es zu fliehen galt.

Der Seder-Abend, an dem die Erzählung – kulinarisch unterstrichen – vorgetragen und diskutiert wird, bildet den Rahmen für die jeweiligen Aktualisierungen. Diese zeigen sich zunächst beim Essen: Auch wenn die symbolischen Speisen durch die Pessach-Haggada festgelegt sind, variieren die Lebensmittel je nach Geographie und kulturellen Konventionen des Ortes, an dem gefeiert wird.  weiterlesen

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