Ehevorbereitungen und Vergangenheitspflege

Innenansicht des Essraums

Farm außerhalb New Yorks, mit Lichtern und Blumen dekoriert © Chuck Fishman

Junge Menschen heiraten immer seltener und diejenigen, die es doch tun, verabschieden sich von ihrem Ledig-Sein mit zunehmend großem Aufwand. In Nordamerika sind Bachelor- und Bachelorette-Partys berühmt und berüchtigt für die Alkohol- und Freizügigkeitsexzesse von Braut und Bräutigam. Dieselben Partys werden in England als »stag & hen nights«, Nächte der Hirsche und Hennen, bezeichnet. In Deutschland pflegte man einst, am »Polterabend« Porzellan zu zerschlagen. Heute torkeln Gruppen von jungen Männern und Frauen mit auffällig bedruckten T-Shirts und groben Tröten getrennt voneinander durch die Fußgängerzonen.

Junge Juden in den USA sind derweil im Begriff, sich eine osteuropäische Tradition zu eigen zu machen: den »Tisch« (Jiddisch für Esstisch, eine Kurzform für »Chosons Tisch«, die Tafel des Bräutigams).  weiterlesen

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Ein Haus auf Reisen

Unsere nächste Sonderausstellung »Alles hat seine Zeit. Rituale gegen das Vergessen« wird ab 18. Oktober zu sehen sein. Es handelt sich um eine Übernahme aus München, wo die Ausstellung großen Erfolg hatte. Wir haben deshalb den Direktor des Jüdischen Museums München, Bernhard Purin, um einen Gastbeitrag für unseren Blog gebeten. Er stellt uns ein Ausstellungsstück vor, das zum heute Abend beginnenden Fest passt:

Oblate, die eine Familie in der Sukka darstellt mit Link zur Sammlungsdatenbank

Oblate, die eine Familie in der Sukka darstellt,
aus unserer Sammlung

Das Laubhüttenfest (hebräisch ›Sukkot‹ von ›Sukka‹ = Laubhütte) wird in diesem Jahr vom 19. bis zum 25. September gefeiert. Es gehört mit Pessach und Schawuot zu den drei Wallfahrtsfesten und erinnert an die 40-jährige Wanderung der Israeliten in der Wüste nach dem Auszug aus Ägypten. Das 3. Buch Mose (23: 42-43) gebietet:

»Sieben Tage lang sollt ihr in Hütten wohnen. Alle Einheimischen in Israel sollen in Hütten wohnen, damit eure kommenden Generationen wissen, dass ich die Kinder Israels in Hütten wohnen ließ, als ich sie aus Ägypten herausführte – ich, der Ewige, bin euer Gott.«

Zur Erfüllung des Gebots werden Hütten errichtet, deren Dach mit Laub bedeckt ist. Im deutschen Landjudentum waren diese Laubhütten häufig in Wohnhäuser unter dem Dach eingebaut, wie es etwa im Jüdischen Museum Franken in Fürth oder seiner Außenstelle in Schwabach der Fall ist. Es gab aber auch mobile Laubhütten, die vor den Feiertagen im Garten aufgebaut wurden und während des restlichen Jahres zerlegt gelagert werden konnten. Eine solche Laubhütte hat sich in Baisingen, einem Dorf mit einer ehemals großen jüdischen Gemeinde bei Rottenburg am Neckar, erhalten.  weiterlesen


Veröffentlicht von am 13. September 2013 1 Kommentar

Welche Bedeutung haben die Hohen Feiertage für Dich?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jüdischen Museums Berlin geben Antwort:

»Ich mag Rosch ha-Schana und Neujahresfeiern generell. Ich feiere sie alle: Geburtstage, die Hohen Feiertage und Silvester.«
Naomi Lubrich, Medien

Gemälde von Menschen, die durch die Eingangstür in eine Synagoge gehen

Die Postkarte »Am Vorabend des Versöhnungstages« ist das einzige Zeugnis eines Gemäldes von Moritz Daniel Oppenheim aus dem Jahr 1873, das 1939 in London zerstört wurde.
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe
Weitere Jom Kippur-Karten finden Sie in unserem Online-Schaukasten

»Die Zeit zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur nutze ich meist, um mich ein wenig zu sortieren: Was läuft gerade nicht gut? Was möchte ich ändern? Ich nehme mir mehr Zeit zum Nachdenken und um Bilanz zu ziehen.«
Sarah Hiron, Bildung

»Wie der Schabbat sind die hohen Feiertage eine Chance, meinem Glauben mehr spirituellen Freiraum zu geben. Ich empfinde es als eine besondere Zeit, eine gesegnete, die mich ermutigt die Traditionen fortzuführen und mir bewusst zu werden. Gleichfalls ist es aber auch Freizeit und das bedeutet auch Nachtleben, Spaß und ausschlafen.«
Roland Schmidt, Host

»Obwohl ich das ganze Jahr über säkular lebe und keine Synagoge besuche, hat Jom Kippur für mich einen hohen spirituellen Stellenwert. Ich faste und vermeide es Musik zu hören oder sonstige amüsante Unterhaltung zu konsumieren. Stattdessen ist der Tag geprägt von Demut, Nachdenken, Stille und Besinnung auf die Natur. Da es sich nicht um ein Freudenfest mit zentralem Ritual handelt, ist Jom Kippur jedes Jahr anders und mit immer wieder neuen persönlichen Erfahrungen verbunden.«
Roman Labunski, Bildung