Veröffentlicht von am 17. Januar 2017 0 Kommentare

Griechische Jüd*innen während der Schoa

Vom 18. bis 22. Januar 2017 findet zum zweiten Mal das deutsch-griechische Filmfestival »Hellas Filmbox Berlin« im Berliner Kino Babylon statt. Es legt dieses Jahr mit fünf Filmen einen thematischen Schwerpunkt auf das Thema »Der Holocaust griechischer Juden/Griechenland unter deutscher Besatzung«, vier Filme davon sind Deutschlandpremieren:

Samstag, 21.01.2017, 21:45 Uhr, Saal 1
Cloudy Sunday (Regisseur anwesend)

Griechenland 2015, R: Manousos Manousakis, D: Andreas Konstantinou, Christina Hilla Fameli, Haris Fragoulis, Vasiliki Troufakou, 116 Min, DCP, 155’, OmdtU

Cloudy Sunday erzählt von der verbotenen Liebe zwischen Estrea, einer jüdischen Griechin und Giorgos, einem christlichen Griechen während der deutschen Besatzung Thessalonikis im Jahr 1942. Die Rassengesetze sind auch hier in Kraft getreten und der schönste Ort, der Unmenschlichkeit der Nazis zu entfliehen ist »Ouzeri Tsitsanis«, ein kleiner Club, in dem Vasilis Tsitsanis die Herzen der Menschen mit wunderschöner Rembetiko-Volksmusik bewegt und tröstet. Trotz des Widerstands innerhalb der griechischen Bevölkerung beginnt eine schlimme Jagd auf zunächst die Männer, schließlich alle Jüd*innen Thessalonikis. Eine Jagd, der sich am Ende nur wenige zu entfliehen vermögen. Hat die Liebe zwischen Estrea und Giorgios in diesem Wahnsinn eine Chance?
Der Film basiert auf dem Buch Ouzeri Tsitsanis von George Skarbadonis.

Trailer

Samstag, 21.01.2017, 17:15 Uhr, Saal 3
Briefe aus Athen (Regisseur anwesend)

Deutschland, Griechenland 2016, R: Timon Koulmasis, 88’, OmdtU

Vor dem Hintergrund der deutschen Besatzung in Griechenland (1941–1944) erzählt dieser Film die Liebesgeschichte zwischen dem Vater des Regisseurs, einem Assistenten am geheimnisvollen Deutschen Wissenschaftlichen Institut Athen (welches von der Besatzungsmacht finanziert, in Wahrheit aber ein Refugium des Widerstandes war), und der aus Konstantinopel stammenden Kunststudentin Nelly. Die zwischen 1939 und 1944 fast täglich geschriebenen Briefe – über tausend Seiten – erzählen nicht nur die Geschichte ihrer Liebe, sondern entwerfen ein außerordentliches Bild des Alltags zweier junger Menschen und ihrer Freunde unter der deutschen Besatzung. Sie schildern schließlich auch das Ende einer Welt. Der Dokumentarfilm zeichnet zudem das Bild ihres Freundes Rudolf Fahrner, Gründer des Instituts, Intimfreund der Brüder Stauffenberg und einer der wenigen Mitverschworenen des 20. Juli, die die auf den Attentatsversuch auf Hitler folgenden Repressionen überlebt haben.

Samstag, 21.01.2017, 19:30 Uhr, Saal 2
Geronnenes Licht (Regisseur anwesend)

Griechenland. Deutschland 2015, R: Lydia Konsta, 75’, OmdtU

Der Film setzt sich in völlig neuer Weise mit dem Trauma auseinander, das die deutsche Besatzung in Griechenland hinterlassen hat.
Lydia Konsta interviewt einen Deutschen, der damals als Funker der Wehrmacht in Griechenland war und darüber Tagebuch geführt hat. Doch sie dokumentiert auch, wie griechische Künstler*innen ihre Begegnungen mit Überlebenden der Verbrechen in Griechenland künstlerisch verarbeitet haben. Ihre Zeugnisse beeindrucken zutiefst. Wie können wir mit dem Trauma von Grauen, Verlust und Schuld aus jener Zeit umgehen? Kann Kunst zur Verarbeitung solch eines Traumas beitragen?

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Sonntag, 22.01.2017, 16 Uhr, Saal 2
Trezoros: Die Verlorenen Juden von Kastoria (Produzentin anwesend)

Dokumentarfilm, Griechenland 2016, R: Lawrence Russo und Larry Confino, 94’, OmenU

Trezoros beleuchtet das Leben der griechisch-sephardischen Gemeinde von Kastorià, die im Zweiten Weltkrieg ausgelöscht wurde. Kastorià war eine schöne, idyllische Stadt, in der Jüd*innen und Christ*innen über 10 Jahrhunderte lang in Harmonie zusammen lebten. Doch ab Oktober 1940 ändert sich alles. Anfangs noch unter italienischer Besatzung, blieb die jüdische Gemeinde verschont, doch nach der Besetzung Griechenlands durch die Nazis, wurde die jüdische Gemeinde, die seit den Zeiten des Römischen Reiches dort lebte, peu à peu verfolgt, deportiert und für immer ausgelöscht. Trezoros (der ladino-jüdisch-spanische Begriff für »Schätze«) ist eine sehr emotionale Geschichte, die von ihren Überlebenden erzählt wird. Der Film verwendet nie zuvor gesehenes Archivmaterial, die Interviews wurden vor Ort in Kastorià, Thessaloniki, Athen, Tzur Mosche, Tel Aviv, Miami, Los Angeles und New York aufgenommen.

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Mehr Informationen zum Programm und Tickets finden Sie unter: http://www.hellasfilmbox.de/festival-2017/programm-2017/

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