David Hockney besucht R.B. Kitajs »Obsessionen«

Gemälde von Kitaj mit David Hockney und Blume

R.B. Kitaj, The Neo-Cubist, 1976–1987 © R.B. Kitaj Estate, Astrup Fearnley Collection, Oslo, Norwegen

Am 19. Oktober kurz nach 20 Uhr erhielt ich plötzlich die Nachricht: »David unterbricht seine Aufbauarbeiten in Köln und kommt am Sonntag zwischen 11 und 11.30 Uhr ins Jüdische Museum Berlin«.

Ich hatte schon vor einiger Zeit Kontakt zu dem Galeristen Peter Goulds aufgenommen, um herauszufinden, ob David Hockney wohl daran interessiert sein könnte, während der Vorbereitungen seiner Ausstellung »A Bigger Picture« im Museum Ludwig nach Berlin zu kommen, um die R.B. Kitaj-Ausstellung zu sehen. Obwohl dies zunächst unwahrscheinlich erschien, kam Hockney dennoch am 21. Oktober, begleitet von seinem Partner, dem Studiomanager und einem Fahrer, im eleganten grauen Zweireiher, schwarzem Hawaii-Hemd mit phantastischem Pflanzendekor und einer karierter Schirmmütze. Weiterlesen

Neue Bräuche zum Neujahr

Mädchen mit Papierschiff am WasserVor einigen Jahren besuchte eine Gastdozentin aus New York die Berliner Synagoge am Fraenkelufer und zeigte uns, wie ihre Gemeinde einen alten Neujahrsbrauch – Taschlich – neu praktiziert.

Üblicherweise versammeln sich Gläubige am jüdischen Neujahrsfest Rosch ha Schana an einem Fluss und streuen Brotkrumen ins Wasser, um sich symbolisch ihrer Vergehen des vergangenen Jahres zu entledigen. In den Landwehrkanal gegenüber der Synagoge entließ die US-Dozentin jedoch nicht Krumen, sondern ein selbstgebasteltes Papierschiffchen, dem sie einen Brief an Gott mitgab. Darin bat sie um Vergebung für ihre Fehler und beteuerte ihre guten Vorsätze. Der Brief enthielt auch einen Dank für die schönen Erlebnisse des letzten Jahres und ihre Wünsche für das kommende Jahr. Weiterlesen

Nackte Frauen und politische Botschaften

Soldat mit grüner Mütze

R.B. Kitaj, Juan de la Cruz, 1967 © R. B. Kitaj Estate. Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo

Erst jetzt, als ich wirklich ganz genau hinsah, bemerkte ich es: Auch mein Lieblingsbild von R.B. Kitaj, Juan de la Cruz, hat eine für seine Malerei so eigentümlich explizite und aggressive sexuelle Komponente: Nackte Frauen sind Vehikel für politische Botschaften – hier zum Vietnamkrieg – und historische Episoden, zum Beispiel über den Hl. Johannes vom Kreuz und der Hl. Theresa von Àvila und deren jüdische Herkunft, was ich grundsätzlich problematisch finde. Aber mir gefällt das Bild nichtsdestotrotz: Ich mag die vielen kräftigen Farben, das dunkelblaue Meer unter dem hellblauen Himmel, die grüne Mütze auf dem Kopf des Soldaten und das Gelb hinter ihm. Das Bild und die Gegensätze, die es in sich vereint – die fein gezeichneten Züge des Soldaten, neben schlichten geometrischen Formen –, strahlen etwas sommerlich Positives aus.

Mehr zu R.B. Kitaj finden Sie unter: www.jmberlin.de/kitaj

Christine Marth, Publikationen