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»Hochzeit! Liebes- & Trennungswege aus 250 Jahren Familie Mendelssohn«

Presseinformation

Pressemitteilung von Fr, 15. Juni 2012

Es war Krieg, die Wirtschaft lag am Boden, zum Optimismus gab es wenig Grund: Den widrigen Umständen zum Trotz heirateten vor 250 Jahren, am 22. Juni 1762, ein Berliner Migrant ohne Bürgerrechte und eine Hamburger Kaufmannstochter, für die er auf langen Antragswegen eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten hatte. Diese ungewöhnliche Hochzeit gab der zentralen Ausstellung zum Themenjahr „250 Jahre Familie Mendelssohn“ den Titel: „Hochzeit! Liebes- & Trennungswege aus 250 Jahren Familie Mendelssohn“. Sie wird am 23. Juni eröffnet.

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T +49 (0)30 259 93 419
presse@jmberlin.de

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Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Moses Mendelssohn, ein stotternder, buckliger, charmanter Seidenkaufmann und Philosoph, traute sich mit Fromet Gugenheim. Aus der Liebesheirat entstand an der Spandauer Straße 68, in der Nähe des Berliner Rathauses, ein offenes Haus, in der Wissenschaftler, Gläubige, Freunde unterschiedlicher Milieus und Überzeugungen zum Dialog zusammentrafen: das Haus der Berliner Aufklärung. Mendelssohn wurde zum Kulturvermittler, Emanzipationspionier und Modernisierungsberater für seine Glaubensgenossen wie für preußische Behörden.

Aus der Ehe des jüdischen Paares gingen sechs Kinder hervor, deren Nachkommen als Bankiers, Künstler und Gelehrte die deutsch-jüdische Geschichte über fünf Generationen prägten. In den jüdischen und christlichen Vermählungen der Mendelssohns spiegeln sich ihre Aufbrüche, ihre Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, ihre konfessionellen Zerreißproben, ihr gesellschaftlicher Aufstieg und ihre Gefährdung durch die Rassenpolitik des „Dritten Reiches“.

Seltene Ausstellungsstücke

Das Jüdische Museum Berlin präsentiert in diesem besonderen Zusammenhang sein kostbares Sammlungsstück, den selten gezeigten, aus Fromet Mendelssohns seidenem Brautkleid gefertigten Toravorhang. Aus der Dauerausstellung des Museums ist das Brautbild Albertine Mendelssohn Bartholdys geb. Heine zu sehen, wie sie - zehn Jahre nach ihrer Konversion aus dem Judentum - madonnengleich unter einem gotischen Bogen steht, vor ihrer Trauungskirche St. Marien. Portraits aus Familienbesitz, die öffentlich noch nie dargeboten wurden, versammeln die älteste Darstellung Moses Mendelssohns, seine Skandaltochter Dorothea in ihrem Scheidungsjahr sowie deren ersten Ehemann Simon Veit und weitere gescheiterte oder glückliche Paare der zweiten, dritten Mendelssohn-Generation.

Das Brauttüchlein Fanny Hensels und die Eheringe von Cécile und von Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen „Hochzeitsmarsch“ als Element des westlichen Exportartikels „Weiße Hochzeit“ zur Popkultur gehört, illustrieren ebenso wie Polterabendgedichte, Tischordnungen, Hochzeitsgeschenke, Erinnerungsalben und Medaillons zur Goldenen Hochzeit die Inszenierung des allerschönsten Tages - und den Versuch, den zerbrechlichen Glücksmoment für immer festzuhalten.

Einzigartiger Ausstellungsort

Außergewöhnliche Familienstücke und kostbare Ausstellungsobjekte werden an einem einzigartigen, den meisten Berlinern unbekannten Ort im Herzen der Stadt gezeigt: Die gotische Heilig-Geist-Kapelle aus dem 13. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude in Berlin-Mitte, in der Nähe des Alexanderplatzes. Nicht weit entfernt lebten die Mendelssohns in der Spandauer Straße 68. Gewöhnlich nur einmal wöchentlich für eine Stunde zugänglich, ist die Kapelle für die Dauer der Ausstellung täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Veranstaltungen der Jubiläumswoche

Über den Stammvater Moses Mendelssohn, der seinen Berliner Salon einst zum „Haus der Berliner Aufklärung“ machte, und über die nachfolgenden Generationen informieren eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen sowie Feierlichkeiten am Hochzeitstag:

Erstmals bietet ein Kongress den Überblick zum aktuellen Stand der Erforschung dieses historischen Mikrokosmos „250 Jahre Familie Mendelssohn“ (vom 20. bis 22. Juni, Mendelssohn-Remise / Centrum Judaicum).

Am Hochzeitstag selbst wird im Roten Rathaus das Denkmalsprojekt des Bildhauers Micha Ullman präsentiert, der für die Ecke Spandauer Straße / Karl-Liebknecht-Straße ein Zeichen der Erinnerung an das „Haus der Berliner Aufklärung“ entworfen hat (Rathaus, Säulensaal, 22. Juni, 18 Uhr).

Die Festliche Matinée „Sulamith und Eusebia“ versammelt in der Synagoge Rykestraße musikalisch-literarische Koproduktionen jüdischer und christlicher Künstler aus der Epoche um 1800 (24. Juni, 11:30 Uhr).

Teilnehmer an diesen Veranstaltungen rund um den historischen Termin sowie an der Ausstellungseröffnung sind auch zahlreiche Nachkommen Fromet und Moses Mendelssohns, die sich als Teilnehmer eines Familientreffens in Berlin aufhalten.

Eine Ausstellung der Mendelssohn-Gesellschaft e.V., des Jüdischen Museums Berlin und der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum.

Förderer und Unterstützer: Hermann-Reemtsma-Stiftung, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Humboldt-Universität zu Berlin, Samson-Übersetzungen.

Eröffnung 23. Juni 2012, 11 Uhr
Laufzeit 23. Juni bis 22. August 2012
Ausstellungsort Heilig-Geist-Kapelle, Spandauer Str. 1, 10178 Berlin
Öffnungszeiten täglich von 12 bis 18 Uhr

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