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Der „Preis für Ver­ständi­gung und Toleranz“ geht dieses Jahr an die Präsidentin der Isra­eli­tischen Kultus­gemeinde München und Ober­bayern Charlotte Knobloch und an den Architekten Daniel Libeskind

Pressemitteilung von Sa, 13. Nov 2021

Der 20. Preis für Verständigung und Toleranz wird in diesem Jahr an die Präsidentin der Israeli­tischen Kultus­gemeinde München und Oberbayern Charlotte Knobloch und den Architekten Daniel Libeskind verliehen. Die Laudatio für Charlotte Knobloch hält Stephan Harbarth, der Präsident des Bundes­verfassungs­gerichts, die Laudatio für Daniel Libeskind wird von der Kuratorin und inter­nationalen Kunst­händlerin Daniella Luxembourg verfasst. Da sie aus gesund­heitlichen Gründen nicht an der Preisverleihung teilnehmen kann, verliest die Schau­spielerin Iris Berben ihre Rede. Hetty Berg, die Direktorin des Jüdischen Museums Berlin, überreicht die Preise.

Kontakt:

Margret Karsch
Pressesprecherin
T +49 (0)30 259 93 419
presse@jmberlin.de

Postadresse

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Der Preis für Verständigung und Toleranz

Das Jüdische Museum Berlin zeichnet mit dem Preis für Verständigung und Toleranz seit 2002 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft aus, die sich auf heraus­ragende Weise um die Förderung der Menschen­würde, der Völker­verständigung, der Integration von Minder­heiten und des Zusammen­lebens unter­schiedlicher Religionen und Kulturen verdient gemacht haben. Der Preis wird traditionell im Rahmen eines fest­lichen Dinners gemeinsam vom Jüdischen Museum Berlin und den Freunden des Jüdischen Museums Berlin verliehen.

In der Begründung für die Vergabe des Preises an Charlotte Knobloch, Präsidentin der Isra­elitischen Kultus­gemeinde München und Oberbayern und ehe­malige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (2006 bis 2010), heißt es: „Charlotte Knobloch hat sich um den Aufbau jüdischen Lebens seit der Nach­kriegs­zeit verdient gemacht. Ihre Stimme ist aus dem öffentlichen Diskurs in Deutschland nicht weg­zudenken. Sie begann früh, sich in inter­nationalen und nationalen jüdischen Institutionen wie dem Jüdischen Welt­kongress und dem Europäischen Jüdischen Kongress zu engagieren und bekleidete dort wichtige Ämter – manche als erste Frau. Die Präsidentin der Isra­eli­tischen Kultus­gemeinde München und Ober­bayern ist eine treibende Kraft für einen friedlichen Dialog zwischen Kulturen und Religionen. Mit stets klaren Worten tritt sie Anti­semitismus und der Dis­kriminierung von Minder­heiten entgegen.“

Die Jury begründet ihre Entscheidung, neben Charlotte Knobloch den Architekten Daniel Libeskind mit dem Preis zu ehren, unter anderem wie folgt: „Daniel Libeskind zufolge muss Architektur mit der Vergangen­heit umgehen und gibt Raum für Gedächtnis und Erinnerung. Zugleich gestaltet Architektur Zukunft. Sein Architektur­verständnis ist zutiefst demokratisch: Stadt­räume gehören der Allgemein­heit, bei architektonischen Projekten sollten die Menschen, die vor Ort leben, Mitspracherecht haben. Libeskinds Architekturen sind Orte, an denen Freiheit, Verständigung und Toleranz gedeihen können. Neben dem Jüdischen Museum Berlin hat Daniel Libeskind das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück entworfen, das Dänische Jüdische Museum in Kopenhagen, das Zeit­genössische Jüdische Museum in San Francisco, den Ground-Zero-Masterplan der Neugestaltung des World Trade Center in New York, das Amsterdamer Namen-Monument, aktuell die Neu­gestaltung der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh – und viele andere Bauten, die sich mit Vergangenheit und Zukunft auseinander­setzen.“

Preisträgerin Charlotte Knobloch

1932 in München als Charlotte Neuland geboren, war Charlotte Knobloch von klein auf antisemitistischen Angriffen ausgesetzt. Sie entging der Deportation ins Konzentrations­lager nur, weil eine ehemalige Haus­angestellte ihres Onkels sie in Franken bei ihrer katholischen Bauersfamilie aufnahm und als ihr eigenes Kind ausgab. Nach dem Krieg kehrte die Teenagerin mit ihrem Vater nach München zurück, wo sie 1951 Samuel Knobloch heiratete.

Der Blick Charlotte Knoblochs richtet sich auf die Gegenwart und die Zukunft: Unermüdlich klärt sie über das Judentum auf, geht gegen Juden­hass vor, fordert mehr Einsatz der Behörden gegen Volks­verhetzung und warnt davor, die Errungen­schaften der letzten 76 Jahre in Deutschland für allzu selbst­verständlich zu halten. Dennoch blickt Knobloch voller Zuversicht auf die junge Generation, der sie bescheinigt, Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu übernehmen. Obwohl sie bis heute immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist, bekennt sie sich zu Deutschland als ihrer Heimat: „Ich bin stolz darauf, eine jüdische Deutsche zu sein.“

Die Liste der jüdischen Institutionen, für die Charlotte Knobloch gearbeitet hat, ist beeindruckend – neben den bereits genannten seien exemplarisch noch der Jüdische Frauen­bund und die Women’s International Zionist Organization genannt. Das Engagement Knoblochs für den Neubau des jüdischen Gemeinde­zentrums und der Synagoge in München trug entscheidend zur Umsetzung der Pläne bei.

Charlotte Knoblochs wurde mit zahl­reichen Aus­zeichnungen für zivil­gesellschaftliches Engagement bedacht, unter anderem der Moses Mendelssohn Medaille, dem Großen Verdienst­kreuz des Verdienst­ordens der Bundes­republik Deutschland, dem Großen Verdienst­kreuz mit Stern der Bundes­republik Deutschland oder dem Eugen-Biser-Preis, den sie als erste Frau und erste Jüdin für ihren Beitrag zu Frieden und Freiheit erhielt.

Preisträger Daniel Libeskind

Daniel Libeskind wurde 1946 in Łódź geboren, zog 1957 zunächst nach Israel und 1959 dann in die USA, wo er an der Cooper Union School of Architecture studierte. Er war Mitte Fünfzig und bereits viele Jahre als Professor für Architektur tätig, als er 2001 mit der Eröffnung des von ihm 1989 entworfenen Jüdischen Museums Berlin schlagartig weltweite Berühmtheit erlangte. Viele Museums­besucher kommen, um die Umsetzung des Entwurfs Between The Lines zu sehen und den Bau mit den berühmten Voids zu durchschreiten, was eine Erfahrung für sich ist – von den Ausstellungen abgesehen. Im Grundriss eines zer­brochenen David­sterns kommen sowohl Libeskinds dekon­struktivistischer Ansatz als auch sein steter Bezug auf außer­architektonische Inhalte zum Tragen. Der Deutsche Architektur­preis, den Libeskind für diesen Museums­bau erhielt, ist eine von seinen zahlreichen Auszeichnungen, zu denen u.a. die Goethe-Medaille, der Hiroshima Art Prize, die Gold­medaille für Architektur des National Arts Club oder die Buber-Rosen­zweig-Medaille zählen.

Im Zuge seiner Entwürfe beschäftigt Daniel Libeskind sich intensiv mit Geschichte, gesellschaft­lichen Belangen und kultureller Vermittlung. Sein Wirken reicht weit hinaus über heraus­ragende Einzel­bauwerke: Auch in Berlin brachte er sich nach dem Fall der Mauer intensiv in die städte­bauliche Neu­gestaltung ein. Mit seinem Ansatz, hoch­differenzierte architektonische Formen und Bezüge zu verbinden und das öffentliche Interesse wie die öffentliche Nutzung in seine Entwürfe einzubeziehen, hat Daniel Libeskind die zeit­genössische Architektur und die Nutzung öffentlicher Räume maßgeblich geprägt.

Die Preisträger 2002 bis 2020

Mit dem Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin wurden bereits ausgezeichnet: Berthold Beitz, Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, und Heinrich von Pierer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG (2002), der Bundesinnenminister a. D. Otto Schily und die Verlegerin Friede Springer (2003), der Unternehmer Michael Otto und Bundespräsident a. D. Johannes Rau (2004), der Sammler und Mäzen Heinz Berggruen und der Politiker Otto Graf Lambsdorff (2005), der Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin Daniel Barenboim und der BMW-Manager Helmut Panke (2006), der Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl und der Historiker Fritz Stern (2007), der Unternehmensberater Roland Berger und der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész (2008), Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäfts­führung Robert Bosch GmbH und Christof Bosch, Sprecher der Familie und Mitglied des Kuratoriums Robert Bosch Stiftung GmbH – beide als Vertreter des Hauses Bosch – und der Filmregisseur Michael Verhoeven (2009), der Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma und der Wirtschaftsmanager Hubertus Erlen (2010), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2011), Klaus Mangold, Vorsitzender des Aufsichtsrates Rothschild, Frankfurt und Moskau, und Bundespräsident a.D. Richard von Weizsäcker (2012), Berthold Leibinger, Gesellschafter TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen, und Schauspielerin Iris Berben (2013), Verleger Hubert Burda und Bundesminister der Finanzen Wolfgang Schäuble, MdB (2014), W. Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin (2015), die Zeitzeuginnen Renate Lasker Harpprecht und Anita Lasker Wallfisch sowie der Unternehmer Hasso Plattner (2016), Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG sowie Joachim Gauck, Bundespräsident a.D. (2017), Unternehmerin Susanne Klatten und der Schriftsteller David Grossman (2018), Bundesaußenminister Heiko Maas und Künstler Anselm Kiefer (2019) und zuletzt an die ehemalige US-amerikanische Außenministerin Madeleine Albright und den Pianisten Igor Levit (2020).

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