Der Preis für Verständigung und Toleranz geht dieses Jahr an Bundesaußenminister Heiko Maas und an den Künstler Anselm Kiefer

Pressemitteilung vom31. Oktober 2019

Am Samstag, dem 16. November 2019, verleiht das Jüdische Museum Berlin zum 18. Mal den Preis für Verständigung und Toleranz. Die Auszeichnung wird in diesem Jahr an Bundesaußenminister Heiko Maas und den Künstler Anselm Kiefer verliehen. Die Laudatoren sind die Publizistin Carolin Emcke für Heiko Maas sowie der Autor, Filmemacher und Jurist Alexander Kluge für Anselm Kiefer. Martin Michaelis, Geschäftsführender Direktor des Jüdischen Museums Berlin, überreicht die Preise.

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Der Preis für Verständigung und Toleranz

Mit dem Preis für Verständigung und Toleranz werden seit 2002 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft ausgezeichnet, die sich auf herausragende Weise um die Förderung der Menschenwürde, der Völke­rverständigung, der Integration von Minderheiten und des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen und Kulturen verdient gemacht haben. Der Preis wird traditionell im Rahmen eines festlichen Dinners gemeinsam vom Jüdischen Museum Berlin und der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V. verliehen.

In der Begründung für die Vergabe des Preises an den Bundes­außenminister heißt es: „Heiko Maas hat sich als Politiker und Minister fortwährend für ein vereintes Europa ausgesprochen. Schon früh fand er dabei klare Worte im Kampf gegen den erstarkenden Rechtspopulismus. Sein politisches und persönliches Engagement gegen Antisemitismus und sein unermüdliches öffentliches Eintreten für jüdisches Leben in Deutschland hat die Jury aus dem Vorstand der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V. nachhaltig beeindruckt.“

„Mit seinen monumentalen Arbeiten, in denen er sich intensiv mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander­setzte, brach Anselm Kiefer bereits 1969 das Schweigen der Deutschen über den Nationalsozialismus und die Schuld am Holocaust. Durch seine jahrzehnte­lange Beschäftigung mit verschiedenen Schöpfungs­mythen und der jüdischen Mythologie entstanden zugleich Werke, die nicht nur die Kunstwelt begeistert, sondern auch die jüdische Kultur als festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt haben“, so die Begründung der Jury, den Künstler mit dem Preis zu ehren.

Preisträger Heiko Maas

Heiko Maas wurde 1966 in Saarlouis an der Grenze zu Frankreich geboren. Während seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität des Saarlandes trat er 1989 der SPD bei. Von 1994 bis 2013 war Heiko Maas Mitglied des Saarländischen Landtags und bekleidete mehrere Ämter, u.a. das Ministeramt für Umwelt, Energie und Verkehr, das Amt des Ministers für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr sowie des stellvertretenden Ministerpräsidenten im Saarland. Mit Beginn der Großen Koalition wurde er 2013 zum Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz ernannt. In dieser Funktion setzte er sich im Rahmen des Rosenburg-Projekts für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Bundesjustizministeriums in der Nachkriegszeit ein.

Für sein Engagement erhielt er 2014 den Israel-Jacobson-Preis der Union Progressiver Juden. In seiner Dankesrede mahnte der SPD-Politiker: „Wir dürfen niemals vergessen, welche Verbrechen Deutschland begangen hat. Und wir dürfen auch nicht vergessen, welche Rolle die Justiz dabei gespielt hat.“ Das Internationale Auschwitz Komitee würdigte ihn 2015 mit der Gabe der Erinnerung. Für seinen Einsatz für die Entschädigung und Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175, der bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, erhielt er 2017 den Tolerantia Award. Am 14. März 2018 wurde Heiko Maas zum Bundesminister des Auswärtigen ernannt. Kurz nach seinem Amtsantritt besuchte er die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau als erster deutscher Bundesaußenminister seit 26 Jahren.

Preisträger Anselm Kiefer

Anselm Kiefer wurde am 8. März 1945 im Luftschutzkeller eines Krankenhauses in Donaueschingen (Baden-Württemberg) geboren. Der Maler und Bildhauer, der seit 1993 in Frankreich lebt, zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Werke waren auf den wichtigsten zeitgenössischen Kunstausstellungen, u. a. der documenta (1977, 1982, 1987) und der Biennale von Venedig (1980) vertreten und gehören zu den Sammlungen zahlreicher Museen weltweit.

Nach einem Studium der Rechtswissenschaften und Romanistik, das er nicht abschloss, widmete sich Kiefer ganz der Malerei. Bei Peter Dreher begann er ab 1966 ein Studium der Bildenden Kunst in Freiburg und wurde danach Schüler von Horst Antes in Karlsruhe. Seit 1970 verband ihn ein künstlerischer Austausch mit Joseph Beuys, der seine Arbeit förderte und an dessen Aktion „Überwindet endlich die Parteiendiktatur“ er 1971 in Düsseldorf teilnahm.

Wie kein anderer zeitgenössischer Künstler machte Anselm Kiefer das Trauma von Krieg und Tod, die deutsche Geschichte und die Katastrophe des Holocaust zum Inhalt seiner Werke. Lange Zeit setzte er sich dabei mit der germanischen Mythologie und ihrem Missbrauch durch die National­sozialisten auseinander und löste damit schon früh öffentliche Diskussionen aus. Mit seiner ersten Einzelausstellung im Jahr 1969, einer Serie aus Schwarz-Weiß-Fotografien namens Besetzungen, brach er mit dem Schweigen über den Nationalsozialismus. Die Fotografien zeigen den Künstler selbst vor antiken Gräbern oder monumentalen Berglandschaften in ehemals von der deutschen Wehrmacht besetzten Ländern den Hitlergruß ausführend. Zwischen 1983 und 1990 bereiste Anselm Kiefer mehrmals Israel und begann sich von da an intensiv mit der Kabbala, einer mystischen Tradition im Judentum, zu beschäftigen. Insbesondere studierte er dabei die Schriften von Gershom Scholem, die die wichtigsten Deutungen der Kabbala in deutscher Sprache enthalten. Aus diesem Themenfeld entstand die Skulptur Breaking of the Vessels (Bruch der Gefäße). Mit Eröffnung der neuen Dauerausstellung zeigt das Jüdische Museum Berlin ab dem 17. Mai 2020 diese raumgreifende Arbeit in einer Version aus dem Jahr 2019. Für seine konsequente Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte wurde Kiefer bereits vielfach ausgezeichnet. 2008 erhielt er als erster bildender Künstler den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2009 wurde er in Paris mit dem Adenauer-de Gaulle-Preis geehrt.

Die Presseeinladung mit weiteren Details zu Akkreditierung und Ablauf des Abends folgt in Kürze.

Die Preisträger 2002-2018

Mit dem Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin wurden bereits ausgezeichnet: Berthold Beitz, Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, und Heinrich von Pierer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG (2002), der Bundesinnenminister a. D. Otto Schily und die Verlegerin Friede Springer (2003), der Unternehmer Michael Otto und Bundespräsident a. D. Johannes Rau (2004), der Sammler und Mäzen Heinz Berggruen und der Politiker Otto Graf Lambsdorff (2005), der Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin Daniel Barenboim und der BMW-Manager Helmut Panke (2006), der Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl und der Historiker Fritz Stern (2007), der Unternehmensberater Roland Berger und der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész (2008), Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung Robert Bosch GmbH und Christof Bosch, Sprecher der Familie und Mitglied des Kuratoriums Robert Bosch Stiftung GmbH – beide als Vertreter des Hauses Bosch – und der Filmregisseur Michael Verhoeven (2009), der Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma und der Wirtschaftsmanager Hubertus Erlen (2010), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2011), Klaus Mangold, Vorsitzender des Aufsichtsrates Rothschild, Frankfurt und Moskau, und Bundespräsident a.D. Richard von Weizsäcker (2012), Berthold Leibinger, Gesellschafter TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen, und Schauspielerin Iris Berben (2013), Verleger Hubert Burda und Bundesminister der Finanzen Wolfgang Schäuble, MdB (2014), W. Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin (2015), die Zeitzeuginnen Renate Lasker Harpprecht und Anita Lasker Wallfisch sowie der Unternehmer Hasso Plattner (2016) Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG sowie Joachim Gauck, Bundespräsident a.D. (2017) und zuletzt die Unternehmerin Susanne Klatten sowie der Schriftsteller David Grossman.