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Tu bi-schwat

An Tu bi-schwat wird das Neujahr der Bäume gefeiert. Schewat ist der Name eines Monats des hebräischen Kalenders, der auf Januar/Februar des gregorianischen Kalenders fällt. Die Buchstaben Tet (9) und Waw (6), die zusammen „Tu“ ausgesprochen und auch so transkribiert werden, ergeben nach der hebräischen Zahlschrift die Zahl 15. „Tu bi-schwat“ bezeichnet also schlicht das Datum des Feiertags – „15. Schewat“. Um diese Zeit herum beginnen in Israel wie im restlichen Mittelmeerraum die Bäume zu blühen.

Die sieben heiligen Früchte

Wer Tu bi-schwat feiern will, soll viele Früchte essen, insbesondere die sieben, die die Tora für das Heilige Land verspricht: Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln.

„Wenn der EWIGE, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig […]; wenn du dort isst und satt wirst und den EWIGEN, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in Acht und vergiss den EWIGEN, deinen Gott, nicht, missachte nicht seine Gebote, Rechtsentscheide und Satzungen, auf die ich dich heute verpflichte!“ (5. Mose 8, 7–11)

Es gibt auch den Brauch, an Tu bi-schwat Johannisbrot zu essen, sowie denjenigen, möglichst eine Frucht zu verzehren, die man in diesem Jahr (seit Rosch ha-Schana) noch nicht gegessen hat. Ein weiterer – diasporischer – Brauch besagt, fünfzehn Früchte zusammenzustellen, die an das Land Israel erinnern. Mit dem Segen über die Früchte danken Jüd*innen Gott als dem Schöpfer der Baumfrucht.

Das Neujahr der Bäume

Poster mit Abbildung eines gefurchten Ackers und der sieben heiligen Früchte sowie der Aufschrift <span lang=The seven-fold blessed land of Israel awaits redemption by the people of Israel through the Jewish National Fund"" >

Poster des Jewish National Fund; Central Zionist Archives, Jerusalem, Signatur: KRA\72

Während Tu bi-schwat in frühen Quellen keine bedeutende Rolle spielt, wurde es nach und nach immer mehr zum Status eines Feiertags erhoben. Das „Neujahr der Bäume“ auf einen bestimmten Tag festzulegen, war für die Einhaltung einiger biblischer Vorschriften hilfreich. So dürfen in den ersten drei Jahren die Früchte eines Baumes nicht gegessen werden, damit er sich erst einmal in Ruhe entwickeln kann (vgl. 3. Mose 19, 23). Außerdem wurden, einem Sieben-Jahres-Zyklus folgend, in bestimmten Jahren ein Zehntel der Früchte nach Jerusalem gebracht und dort gegessen. Ob ein Baum vor oder nach Tu bi-schwat blüht, ist maßgeblich dafür, welchem Jahr sein Ertrag zugerechnet wird.

Einer der ersten Bäume, die in Israel zu blühen beginnen, ist der Mandelbaum. Von ihm handelt auch das berühmte Tu bi-schwat-Lied Haschkedija Porachat, das anlässlich des Neujahrsfests der Bäume gesungen wird.

Blatt mit mehreren Zeichungen: ein Karussell, zwei Tennisspielerinnen, Seilziehende, Menschen, die Bäume pflanzen, eine Reihe Figuren mit Fahnen in der Hand, eine weitere Reihe Figuren, die junge Bäumchen tragen

Tuschezeichnung von Hermann Fechenbach (1897–1986) zum Monat Schewat, aus einer Serie von Motiven zu den Monaten des jüdischen Kalenders und zu jüdischen Festen, ca. 1936–1941; Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2008/140/23, Copyright: 2017 Patrick Mooney/Geoffrey Burne. Weitere Informationen zu diesem Objekt finden Sie in unseren Online-Sammlungen

Der Mandelbaum erblüht
und die Sonne golden glüht,
auf dem Dach die Vogelschar
verkündet uns der Tag ist da.

Neujahrsfest der Bäume
Tu bi-schwat ist hier
Neujahrsfest der Bäume
darum feiern wir.

Für die Erde wird es Zeit
lasst uns pflanzen, seid bereit.
Jeder nimmt sich einen Baum
er wird wachsen, habt Vertrauen.

Neujahrsfest der Bäume
Tu bi-schwat ist hier
Neujahrsfest der Bäume
darum feiern wir.

Das Lied heißt im hebräischen Original Haschkedija Porachat, Übersetzung ins Deutsche von David Studniberg. Hier der Originaltext:

,הַשְּׁקֵדִיָּה פּוֹרַחַת
.וְשֶׁמֶשׁ פָּז זוֹרַחַת
צִפֳּרִים מֵרֹאשׁ כָּל גַּג
:מְבַשְּׂרוֹת אֶת בּוֹא הֶחָג

ט”וּ בִּשְׁבָט הִגִּיעַ
!חַג הָאִילָנוֹת
ט”וּ בִּשְׁבָט הִגִּיעַ
!חַג הָאִילָנוֹת

:הָאָרֶץ מְשַׁוַּעַת
!הִגִּיעָה עֵת לָטַעַת
,כָּל אֶחָד יִטַּע פֹּה עֵץ
:בְּאִתִּים נֵצֵא חוֹצֵץ

ט”וּ בִּשְׁבָט הִגִּיעַ
!חַג הָאִילָנוֹת
ט”וּ בִּשְׁבָט הִגִּיעַ
!חַג הָאִילָנוֹת

Der Mensch gleicht einem Baum

Heute ist Tu bi-schwat in erster Linie ein freudiger Tag des Dankes für die harmonische Beziehung zwischen Gott, den Menschen und der Natur. Israelische Schüler*innen machen an diesem Tag häufig einen Ausflug und pflanzen Bäume an.

Sowohl in Israel als auch in der Diaspora ist es Brauch, einen Seder zu Tu bi-Schwat zu feiern. Einige Gemeinden und Initiativen laden ihre Mitglieder zum Seder Tu bi-schwat ein, um gemeinsam zu essen, zu trinken, zu singen und die Tu bi-schwat-Haggada zu lesen (ausführlichere Infos zum Seder Tu bi-schwat in einem kurzen Essay auf unserer Website).

Fotocollage von Weizen, Gerste, Datteln, Weintrauben, Feigen, Granatäpfeln und Oliven

Die sieben heiligen Früchte; Foto: רוליג; unter Verwendung von Bildmaterial von Bernadette Simpson, Rodrigo Nuno Bragança da Cunha, Fir0002/Flagstaffotos und Kurt Stueber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

„Du darfst von den Bäumen essen, sie aber nicht fällen mit dem Gedanken, die Bäume auf dem Feld seien der Mensch selbst, sodass sie von dir belagert werden müssten.“ (5. Mose 20, 19)

Diese biblische Analogie zwischen Baum und Mensch regt an Tu bi-schwat auch dazu an, darüber nachzudenken, was sie für den Menschen bedeutet, etwa, dass er starke Wurzeln entwickeln und auf diese Weise viele Früchte bringen soll.

Johannisbrotbaum vor blauem Himmel

Johannisbrotbaum; Foto: Pedro Servera, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

„Vor langer Zeit lebte in Israel ein Mann namens Choni. Eines Tages sah Choni einen alten Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte.
Choni fragte den alten Mann: ‚Wie lange wird es dauern, bis dieser Baum Früchte trägt?’
‚Siebzig Jahre’, antwortete der Mann.
‚Aber du bist schon so alt! Du wirst nicht mehr so lange leben!’, sagte Choni.
‚Ich weiß’, antwortete der Mann, ‚aber meine Eltern und Großeltern haben Johannisbrotbäume für mich gepflanzt, also pflanze ich auch Johannisbrotbäume für meine Kinder und Enkel.’
Choni beeindruckte diese Antwort sehr. Dann setzte er sich in der Nähe hinter einige Felsen und machte ein kleines Nickerchen. Als er wieder aufwachte, sah er einen Mann, der Johannisbrotbaumfrüchte einsammelte.
Choni fragte den Mann: ‚Wie kann es sein, dass ein frisch gepflanzter Baum schon in so kurzer Zeit Früchte trägt?’
‚In so kurzer Zeit?’ fragte der Mann ungläubig. ‚Mein Großvater hat diesen Baum gepflanzt!’
‚Ach du liebe Güte!’, dachte Choni. ‚Ich muss siebzig Jahre lang geschlafen haben!’“

(Babylonischer Talmud, Taanit 22b-23a)

Die jüdische Zeitrechnung beginnt 3.760 Jahre vor der christlichen, nämlich mit dem angenommenen Zeitpunkt der Erschaffung der Welt. Die Einteilung der Monate richtet sich nach dem Mondzyklus, das Jahr wird nach der Sonne berechnet. Der Monat beginnt also mit dem Neumond.

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