Ausstellung in den Achsen

Biografien deutscher Jüdinnen*Juden zwischen 1933 und 1945

Fotografie: Blick in zwei Achsen, in den Wänden eingelassene Vitrinen und Städtenamen

Wer die Treppe hinunter ins Untergeschoss des Libeskind-Baus geht, begegnet Ausstellungsobjekten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Entlang der Achse des Exils und der Achse des Holocaust erzählen sie persönliche Geschichten von Verfolgung und Ausgrenzung, Auswanderung und Schoa.

Fotografie: Blick die Treppen hinunter in die Achsen der Erinnerung

In die Achsen der Erinnerung gelangt man über diese Treppe; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Bruns

Restriktive Mitnahmebestimmungen

In der Achse des Exils widmet sich eine Vitrine den stark einschränkenden Bestimmungen, was Flüchtlinge bei der Ausreise aus dem nationalsozialistischen Deutschland mitnehmen durften. Vier Geschichten zeigen, was Emigrant*innen doch noch retten konnten, darunter die Geschichte von Margarete Sachs, Mutter der Dichterin und späteren Nobelpreisträgerin Nelly Sachs. Sie flüchtete 1940 mit ihrer Tochter mit einer der letzten Passagiermaschinen aus Berlin nach Stockholm. Dabei nahm sie ihren Ehering und den ihres verstorbenen Ehemannes mit. Eheringe gehörten zu den wenigen Schmuckstücken, die ausgeführt werden durften.

Antisemitische Ortsschilder

Zu den Emigrationsgeschichten zeigen wir Fotografien, auf denen antisemitische Ortsschilder mit Aufschriften wie „Juden nicht erwünscht“ zu sehen sind. Werner Fritz Fürstenberg, der damals bereits in die Niederlande emigriert war, fotografierte die Schilder 1935 in der westdeutschen Provinz, um die Ausgrenzung der Jüdinnen*Juden aus der deutschen Gesellschaft zu dokumentieren.

Fotografie: Blick in eine Vitrine mit antisemtischen Schildern

Blick in eine Vitrine mit antisemtischen Ortschildern; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Bruns

Zettel, Briefe, Familienfotos, Alltagsgegenstände

In die Wände der Achse des Holocaust sind Vitrinen eingelassen. Wie ein schwarzes Band, aus Bruchstücken zusammengesetzt, führen sie zum Ende der Achse mit dem Voided Void, dem Holocaust-Turm. In den Vitrinen liegen Zettel und Briefe, Familienfotos, Hausrat und Alltagsgegenstände – die aus konservatorischen Gründen von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden. Sie erzählen von Jüdinnen*Juden, die in den Konzentrationslagern ermordet worden sind. Das Museum hat Tausende solcher Erinnerungsstücke gesammelt.

Unter diesen Erinnerungsstücken befinden sich auch Abschiedsbriefe, geschrieben vor der Deportation. Weil sie zensiert wurden, ist manchmal beschönigend von einer Reise oder vom Abfahren die Rede:

„12.11.1941
Liebe Brüder, ich trete demnächst vielleicht eine Reise unbestimmter Dauer an. Macht Euch keine Sorgen, auch wenn Ihr längere Zeit nichts von mir hört, ich bin vergnügt und dickfellig! Vorige Woche habe ich mich verlobt. Sie heißt Edith Lewin, ist 5 Jahr jünger als ich und, wie ich, sehr verliebt. Wir hoffen, zusammen bleiben zu können. Vielleicht heiraten wir auch in allernächster Zeit. Sonst kann ich Euch nichts Bestimmtes erzählen, da im Augenblick alles unbestimmt ist. Alle Lieben sind heute soweit wohlauf. Gruß und Kuß allerherzlichst Euer Günter“

Aufklappbare Postkarte mti handschriftlichem TExt

Postkarte von Günter Behmack an seinen Bruder Rudolf in Schanghai, Berlin 12. November 1941; Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Wolfgang Rademacher; Foto: Dominic Strieder