Das Jüdische Museum erhält den Nachlass der Goldschmiedin und Designerin Paula Straus

Presseinformation

Pressemitteilung vom20. April 2015

Die Judaica Sammlung des Jüdischen Museums Berlin erhält den Nachlass von Paula Straus (1894-1943), die zu den ersten Industriedesignerinnen Deutschlands zählt. Die Schenkung mit mehr als 500 Briefen, Fotografien und Werkzeichnungen für Silbergeräte, Schmuck und Judaica gibt einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen während der »Goldenen Zwanziger Jahre« in Deutschland. Als Gold- und Silberschmiedin drang sie zu dieser Zeit in eine Männerdomäne ein. Paula Straus fertigte nicht nur einzelne Luxusartikel, sondern entwarf auch serielle Silberwaren für die Industrie.

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Die Wiederentdeckung einer modernen Designerin

Paula Straus wurde erst jüngst durch Ausstellungen im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und Bröhan-Museum Berlin wiederentdeckt. Geboren 1894 in Stuttgart, absolvierte sie als eine der ersten Frauen überhaupt eine Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedin an der renommierten Kunstgewerbeschule in Stuttgart und avancierte schließlich zur Meisterschülerin von Paul Haustein. 1925 berief sie der Vorsitzende des Deutschen Werkbundes Peter Bruckmann jun. in das Design-Atelier seiner Silberwarenfabrik in Heilbronn. Bis 1933 schuf sie dort über 100 Entwürfe für Tafelsilber (Kaffee- und Teeservice, Leuchter, Kannen, Terrinen, Schalen sowie Bestecke etc.), für christliches Kultgerät und Judaica, die teilweise noch nach 1945 produziert wurden. Infolge der Weltwirtschaftskrise und der mangelnden Nachfrage nach Silbergerät wurde sie 1933 aus der Silberwarenfabrik entlassen und arbeitete dann ein knappes Jahr bei der Württembergischen Metallwaren-Fabrik (WMF).

Trotz der sich verschärfenden antijüdischen Gesetze des Naziregimes arbeitete sie als Goldschmiedin weiter. Ihrer Schwester Lilly gelang die Emigration nach New York. Ihr eigener Versuch, nach Holland zu emigrieren, scheiterte. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und am 10. Februar 1943 in Auschwitz ermordet. Zuvor hatte sie ihre Arbeiten bei nichtjüdischen Bekannten untergebracht.

Die Judaica- und Angewandte Kunst-Sammlung des Jüdischen Museums Berlin

Mit mehr als 1.300 Objekten dokumentiert das Jüdische Museum Berlin deutsch-jüdische Geschichte und Kultur anhand von Ritual- und Alltagsgegenständen. In der Sammlung befinden sich repräsentative Objekte für den religiösen Gebrauch in einer Vielfalt von Materialien, darunter verschiedene Textilien, Papiere und Metalle. Die Abteilung Judaica baut ihre Sammlung, insbesondere im Bereich der angewandten Künste, kontinuierlich aus. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Objekten des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem auf Erzeugnissen, die von deutschen Juden entworfen oder hergestellt wurden: Von feinen handgefertigten Keramiken und Silberwaren bis zu repräsentativen Beispielen massenproduzierter Waren. So umfasst die Sammlung innovative Keramikarbeiten von Margarete Loebenstein Marks, kunstgewerbliche Erzeugnisse der Berliner Reimann-Schule sowie Stücke von Emmy Roth, einer Meister-Silberschmiedin und Zeitgenossin von Paula Straus.

Die feierliche Übergabe des Nachlasses findet am Dienstag, dem 21. April um 14 Uhr in Anwesenheit der Stifterin, Dr. Reinhard Sänger, Kunsthistoriker und Cilly Kugelmann, Programmdirektorin, im Jüdischen Museums Berlin statt. Bei Interesse an Berichterstattung melden Sie sich bitte bei der Pressestelle an.